Credit Suisse Group «Monitor Schweiz»: Selbst ein EUR/CHF-Wechselkurs von 1.20 war für Industriebranchen zu teuer Dienstag, 17. März 2015 - 10:31
Zürich, 17. März 2015 Die Ökonomen der Credit Suisse haben heute die Frühjahrsausgabe 2015 des «Monitor Schweiz» veröffentlicht. In der quartalsweise erscheinenden Publikation kommentieren und prognostizieren sie die wichtigsten Wirtschaftsentwicklungen in der Schweiz und beleuchten das globale Umfeld. Die Schweizer Wachstumsprognosen belassen die Ökonomen der Credit Suisse unverändert bei 0,8% für 2015 bzw. 1,2% für 2016. Mittels eines auf Kaufkraftparität basierenden Modells zeigen sie, dass der Schweizer Franken schon bei einem EUR/CHF-Wechselkurs von 1.20 für sämtliche Industriebranchen deutlich überbewertet war. Die mittlerweile noch stärkere Überbewertung des Frankens lastet insbesondere auf traditionellen Industriebranchen wie Textil, Papier und Metall, während sie auf die Pharma- und die Präzisionsinstrumente-Industrie nur wenig Einfluss hat.
Dank der vergleichsweise robusten Lage der Weltwirtschaft dürfte die Schweiz trotz Franken-Schock eine Rezession vermeiden können. Der konsumtragende «Super-Zyklus» – bestehend aus Zuwanderung, tiefen Zinsen und Immobilienboom – wirkt weiter, wenn auch nur schwach. Nur schon der erwartete Rückgang des Preisniveaus um 1,3% in diesem Jahr dürfte jedoch die Kaufkraft der Lohneinkommen um beinahe fünf Milliarden Franken erhöhen. Starke Wachstumsimpulse für die Gesamtwirtschaft in der Schweiz sind aber weder 2015 noch 2016 zu erwarten.
Überbewertung beträgt für gewisse Branchen mehr als ein Drittel
Gemäss Einschätzung der Ökonomen der Credit Suisse befand sich der faire EUR/CHF-Wechselkurs vor der Aufgabe der Wechselkursuntergrenze durch die Schweizerische Nationalbank bei 1.24. Damit war der Franken Ende 2014 gesamtvolkswirtschaftlich gesehen nicht mehr überbewertet. In einer Analyse der fairen EUR/CHF-Wechselkurse für einzelne Branchen zeigen die Ökonomen jedoch, dass schon ein Wechselkurs von 1.20 für manche Industriebranchen zu teuer war. Anhand eines auf der einfachen Kaufkraftparität basierenden Modells errechnen sie für die Textil-, Kunststoff- sowie die Präzisionsinstrumente-Industrie eine Überbewertung des Frankens gegenüber dem Euro von 20%-30% im Jahr 2014. Für die Elektro-, Pharma- und Maschinenindustrie betrug die Überbewertung 10%-20%. Diese Werte würden sich 2015 um bis zu 15 Prozentpunkte erhöhen, sollte der EUR/CHF-Wechselkurs im Jahresdurchschnitt 1.05 betragen.
Vor allem die traditionelle Industrie leidet
Zur grossen Belastung wird diese Überbewertung des Frankens insbesondere in denjenigen Branchen, die bereits in den vergangenen Jahren eine schrumpfende Handelsbilanz aufgewiesen haben. Vor diesem Hintergrund sehen die Ökonomen insbesondere traditionelle Industriebranchen wie Textil, Papier und Metall stark unter Druck und erwarten für diese Branchen einen weiteren Produktionsrückgang, resp. eine Verlagerung der Tätigkeit ins Ausland. Anders sehen die Ökonomen die Pharma- und die Präzisionsinstrumente-Industrie. Für diese Branchen zeigt dieses auf Kaufkraftparität basierende Modell zwar ebenfalls eine Überbewertung des Frankens an, jedoch konnten sie in den vergangenen Jahren einen zunehmenden Handelsbilanzüberschuss erwirtschaften. So ist die Nachfrage nach patentgeschützten Pharmazeutika oder hochspezialisierten Geräten gemäss den Ökonomen der Credit Suisse vielfach weniger preiselastisch als die Nachfrage nach Produkten der traditionellen Industrie.
Unterschiedliche Facetten der Wirtschaft in einer Publikation
Der aktuelle «Monitor Schweiz» umfasst weitere Themen. Er kommentiert unter anderem die Geldpolitik der Nationalbank, analysiert die Staatsfinanzen des Bundes und geht auf den Bildungsstand der Schweiz ein.
Geldpolitik: Kann Banken das Bargeld ausgehen?
Anlässlich ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung vom 19. März 2015 dürfte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre derzeitige Geldpolitik bestätigen. Devisenankäufe oder eine weitere Senkung des bereits negativen Zinssatzes auf Einlagen, welche Banken bei der SNB halten, dürften erst bei einer Aufwertung des Frankens zur Parität zum Euro in Betracht gezogen werden. Weiter zeigen die Ökonomen der Credit Suisse in einer Analyse, warum die Finanzstabilität kaum gefährdet ist, sollten Anleger angesichts der Negativzinsen ihre Depositen in Bargeld umwandeln wollen.
Kontakt Credit Suisse Research: Maxime Botteron, Senior Economist Swiss Macro Research,+41 44 332 90 61
Staatsfinanzen: Kein Fiskalimpuls in Sicht
Die Fiskalpolitik kann anstelle der restriktiver gewordenen Geldpolitik für die Schweizer Wirtschaft aus politischen Gründen nicht in die Bresche springen. Die Ökonomen der Credit Suisse zeigen, warum der Bund keinen Spielraum für Fiskalpakete hat. Starke Budgetkürzungen stehen seitens des Bundes zudem trotz ohnehin antizipierter Mindereinnahmen nicht bevor. Zudem wirken "automatische Stabilisatoren", insbesondere Kurzarbeitsentschädigungen, konjunkturstützend. Diese haben sich bereits in der Vergangenheit als effizientes Instrument zur Stabilisierung der Wirtschaft erwiesen.
Kontakt Credit Suisse Research: Lukas Gehrig, Economist Swiss Macro Research, +41 44 333 52 07
Bildung: Anteil Hochqualifizierter seit 1980 verdreifacht
Der Bildungsstand in der Schweiz ist innerhalb einer Generation deutlich gestiegen. Der Anstieg erfolgte sowohl organisch als auch durch Zuwanderung. Analysen von Volkszählungsdaten ergeben, dass der Anstieg des Anteils Hochqualifizierter von 21,5% im Jahr 2000 auf 32,5% im Jahr 2012 zu Dreivierteln der besseren Bildung der ansässigen Bevölkerung und zu einem Viertel der Zuwanderung zu verdanken ist. Gleichzeitig sind grosse regionale Unterschiede zu erkennen.
Kontakt Credit Suisse Research: Nathalie Ramel, Senior Economist Regional Research, +41 44 333 13 72
Der «Monitor Schweiz» wird quartalsweise publiziert. Die nächste Ausgabe erscheint am 9. Juni 2015.
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Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 45 800 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.
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