Schweizer Emittenten überstehen Wechselkurssturm Dienstag, 25. August 2015 - 10:00
Schweizer Emittenten überstehen Wechselkurssturm
Zürich, 2015-08-25
Das heute veröffentlichte «Kredithandbuch Schweiz 2015» der
Credit Suisse enthält die Kreditprofile der wichtigsten Schweizer
Emittenten und Akteure am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt. Im jährlich
erscheinenden Handbuch werden die Beurteilungen der von den
Kreditanalysten der Credit Suisse untersuchten Emittenten – Schweizer
Unternehmen, Energieversorger, Kantone und Städte – zusammengetragen.
Damit umfasst das Handbuch auch ein breites Spektrum von Kreditnehmern,
die von den internationalen Ratingagenturen nicht erfasst werden. Es
untersucht darüber hinaus den Ausblick für bestimmte Branchen.
Die Weltwirtschaft verzeichnete 2014 ein Wachstum
von 3,2%, wobei die Schwellenmärkte die reifen Märkte erneut übertrafen.
Schweizer Unternehmen profitierten von diesem globalen Wachstum wie
auch von den Auswirkungen ihrer eigenen Kosten- und Effizienzmassnahmen.
Vor diesem Hintergrund erzielte ein Grossteil dieser Unternehmen höhere
Erträge durch Volumenwachstum und bessere Preise. In einigen Fällen
trugen auch Akquisitionen zum Ertragsanstieg bei. Die Frankenaufwertung
belastete hingegen die erzielten Umsätze. Dank angemessenem
Umsatzwachstum und dem positiven Effekt schlankerer Kostenstrukturen
setzten sich jedoch die soliden Gewinntrends im 2014 fort. Mehr als die
Hälfte der von den Kreditanalysten der Credit Suisse beurteilten
Unternehmen verzeichneten eine höhere bereinigte EBITDA-Marge als im
Vorjahr. Rückläufig waren die Margen 2014 vor allem bei jenen
Unternehmen, die im Energieversorgungssektor tätig waren oder stark
unter der Frankenstärke und der europäischen Konkurrenz litten. Obwohl
nur die Hälfte der beurteilten Unternehmen 2014 eine höhere Gewinnmarge
als im Vorjahr erzielte, hielten über 80% der im Kredithandbuch
abgedeckten Unternehmen im Jahr 2014 an ihrer Dividendenausschüttungen
fest oder erhöhten diese. Zudem laufen zurzeit einige grosse
Aktienrückkaufprogramme wie z.B. bei Nestlé oder Novartis. Für 2015
erwarten die Analysten der Credit Suisse einen weiteren Zuwachs bei
Aktienrückkäufen. Dies ist ein klarer Beleg für die derzeitige
Orientierung an Aktionärsinteressen. Insgesamt verfügen die Schweizer
Unternehmen über ausreichend liquide Mittel und ungenutzte
Kreditlimiten. Der stabile Ausblick bei rund 80% der beurteilten
Unternehmen (90%, wenn Energieversorger nicht berücksichtigt werden)
bestätigt deshalb diese solide Liquiditätssituation. Einen positiven
Ausblick weist zurzeit nur Roche auf, denn die von den Kreditanalysten
der Credit Suisse abgedeckten Unternehmen nutzen verbesserte
Bonitätskennzahlen tendenziell dazu, verstärkt die Aktionäre zu bedienen
oder Akquisitionen vorzunehmen, anstatt höhere Ratings anzustreben.
Die unendliche Geschichte des Wechselkurses
Der Schweizer Franken wertete sich in den letzten Jahren gegenüber
den weltweit wichtigsten Währungen auf. Dies ist auf die gute
Wirtschaftslage in der Schweiz und die Schwächung ausländischer
Währungen durch die Zentralbankmassnahmen rund um den Globus
zurückzuführen. Gemäss den Analysten belasteten die negativen
Wechselkurseffekte die Umsätze der Schweizer Unternehmen stark, während
die Gewinne dank einer natürlichen Absicherung auf der Kostenseite nur
teilweise betroffen waren. Jene Schweizer Unternehmen, die im
«Kredithandbuch Schweiz 2015» berücksichtigt werden, befinden sich
generell in einer soliden Position, und Rating-Rückstufungen hingen in
den letzten Jahren nicht allein mit dem starken Franken zusammen. Der
Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von Anfang 2015, die
EUR/CHF-Wechselkursuntergrenze aufzuheben, führte zu einer deutlichen
Ausweitung der Bonitätsspreads, da sich die CHF-Swapsätze in den
negativen Bereich verlagerten. Seit dem Entscheid der SNB hat sich der
Schweizer Obligationenmarkt diesen veränderten Rahmenbedingungen
angepasst, und die Kreditrisikozuschläge haben sich wieder verengt.
Sofern es nicht weltweit zu einer Verschlechterung der Kreditbedingungen
oder zu einem massiven Anstieg der Risikoaversion kommt, rechnen die
Kreditanalysten der Credit Suisse nicht mit einer starken Verkaufswelle
bei Unternehmensanleihen. Unternehmen, die bereits einen negativen
Ausblick haben, werden im Jahr 2015 weiterhin unter Druck stehen. Im
Zusammenhang mit den Währungseffekten achten die Analysten der Credit
Suisse bei Schweizer Unternehmen auf die Missverhältnisse zwischen
Kosten und Erträgen. Schweizer Exporteure haben traditionell eine hohe
CHF-Kostenbasis, was die Profitabilität beeinflusst. Die Kreditanalysten
der Credit Suisse weisen im «Kredithandbuch Schweiz 2015» darauf hin,
dass Investment-Grade-Unternehmen in der Regel ein breit
diversifiziertes Geschäftsprofil mit unterschiedlichen Sektoren,
Regionen und Produkten aufweisen. Im Kredithandbuch wird auf die
Exporteure im Investitionsgütersektor und auf die Schweizer
Energieversorger hingewiesen, die von diesem Thema am stärksten
betroffen sind.
Energieversorgungssektor weiterhin im Blickpunkt
Nachdem das «Kredithandbuch Schweiz 2014» erstmals mehr als 100
Emittenten umfasste, nahm die Zahl der beurteilten Unternehmen in der
diesjährigen Ausgabe mit insgesamt 109 Emittenten nochmals zu. Acht neue
Unternehmen (Allreal, Cembra Money Bank, Geberit, Implenia, HIAG,
Klinik Hirslanden, Services Industriels de Genève und Transport Public
Genevois) wurden neu in das Abdeckungsuniversum der Kreditanalysten der
Credit Suisse aufgenommen. Nobel Biocare wird nicht mehr abgedeckt,
nachdem das Unternehmen von Danaher übernommen und dekotiert wurde.
Entsprechend dem Ausblick in der letztjährigen Veröffentlichung blieben
die Kreditratings relativ stabil. Seit der Veröffentlichung des letzten
Kredithandbuchs im August 2014 gab es sieben Rating-Rückstufungen (lässt
man die Schweizer Energieversorger weg, waren es drei Rückstufungen)
und drei Heraufstufungen. Die Rückstufung von Axpo ist auf substanzielle
Wertberichtigungen auf den Produktionsanlagen und einen anhaltend
schwachen Ausblick zurückzuführen. Alpiq verzeichnete ebenfalls einen
über den Erwartungen liegenden Reinverlust sowie einen erheblichen
Rückgang der Profitabilität und Cashflow-Generierung, was zu einer
Änderung des Ausblicks von stabil auf negativ führte. Repower gab erst
kürzlich eine Gewinnwarnung aus und wies darauf hin, dass mit einem
weiteren starken Gewinnrückgang sowie einem hohen Reinverlust aufgrund
von Wertberichtigungen zu rechnen ist. Eine mögliche Herabstufung des
Ratings wird zurzeit geprüft. Die einzige positive Überraschung für 2014
im Energieversorgungssektor war gemäss den Analysten die über den
Erwartungen liegenden Jahresergebnisse von BKW. Ausserhalb des
Energieversorgungssektors führte der Umbau der Arbonia Forster Group
(AFG) Anfang dieses Jahres zu einer Herabstufung auf
Sub-Investment-Grade. Das Unternehmen leidet stark unter der
Tiefpreiskonkurrenz in Europa und der starken Aufwertung des Schweizer
Frankens. Ebenfalls herabgestuft wurde Meyer Burger auf ein Tiefes B,
das tiefste Rating aller Schweizer Unternehmen im «Kredithandbuch
Schweiz 2015». Der operative Geldfluss von Meyer Burger war im 2014
unverändert negativ, und der Ausblick hat sich noch nicht wesentlich
verbessert. Heraufgestuft wurde Swiss Prime Site aufgrund der stärkeren
Bilanz in Verbindung mit einem breiter diversifizierten Geschäftsprofil.
Massgeblich für das höhere Rating des Flughafens Zürich beigetragen
haben die soliden Erträge und die Erwartungen, dass das Unternehmen
seine Bonitätskennzahlen weiter verbessern wird. Bei der öffentlichen
Hand wurde das Rating des Kantons Appenzell-Ausserrhoden nach einem
weiteren Jahr mit angespannten Finanzen und erwarteten budgetären
Herausforderungen zurückgestuft, während das Rating des Kantons Bern
nach oben korrigiert wurde.
Kosteneinsparungen werden Ergebnisse 2015 beeinflussen
Die Kreditanalysten der Credit Suisse erwarten nach wie vor relativ
solides Wachstum in den Schwellenländern, doch der treibende Motor für
die Weltwirtschaft ist im Vergleich zu früheren Jahren etwas langsamer
geworden. Die Unsicherheit über den Aufschwung in Europa belastet die
Anlagetätigkeit und die Expansionspläne vieler Unternehmen. Gemäss den
Analysten dürfte der Umsatz bei vielen Unternehmen aufgrund des globalen
Wachstums für 2015 nur moderat ansteigen. Den Gewinnmargen dürften die
Kosteneinsparungen zugutekommen, die viele Unternehmen als Folge von
Effizienzprogrammen erzielen. Der Konkurrenzdruck wird zudem hoch
bleiben und könnte die Preisgestaltung der Unternehmen gemäss den
Analysten in gewissem Umfang belasten. Die Ausrüstungsinvestitionen
werden etwa dieselbe Höhe erreichen wie 2014. Wenn sich Chancen ergeben,
dürften die Unternehmen zudem Akquisitionen tätigen und ihren
Aktionärsfokus weiter verstärken. Die Bonitätsausblicke bleiben meist
stabil, was ebenfalls für die Erwartung eines Seitwärtstrends bei der
Kreditqualität spricht. Negativ bleibt hingegen gemäss Einschätzung der
Kreditanalysten der Credit Suisse der Trend für den Ausblick bei den
Schweizer Energieversorgern.
Bonitätsspreads bleiben sehr eng
Die Bonitätsspreads in der Schweiz haben sich weiter ausgeweitet,
nachdem als Folge des SNB-Entscheids zur Aufhebung der
EUR/CHF-Wechselkursuntergrenze die CHF-Swapsätze in den negativen
Bereich gefallen waren. Die Investoren passten sich jedoch an das neue
Umfeld an, und die Banken begannen, Anlegern Gebühren zu verrechnen,
wenn diese grosse Mengen an Liquidität auf Bankkonten hielten. Als Folge
dieser grossen Liquidität nahm die Nachfrage nach festverzinslichen
Anlagen wieder zu, sodass sich die Kreditrisikozuschläge wieder
verengten. Die Kreditanalysten der Credit Suisse sehen für eine weitere
Verengung der Spreads keinen grossen Spielraum mehr, bleiben mit Blick
auf die derzeitigen Obligationenbewertungen jedoch optimistisch. Sie
halten deshalb an ihrer Empfehlung fest, in Unternehmensanleihen mit
niedrigerem Rating investiert zu bleiben, weisen jedoch darauf hin, dass
eine detaillierte Bonitätsbeurteilung dieser Emittenten unerlässlich
ist, da nicht jede Unternehmensanleihe mit niedrigerem Rating
automatisch eine attraktive Rendite bietet. Insbesondere im
internationalen High-Yield-Segment kam es im Laufe des letzten Monats zu
einer Scherenentwicklung, die die Notwendigkeit einer Bonitätsprüfung
zur Reduzierung der Volatilität und zur Vermeidung von Ausfällen
verdeutlichte. Das Klima für nachrangige Anleihen schweizerischer
Versicherer ist immer noch positiv, sodass im Vergleich zu vorrangigen
Anleihen wohl ein gewisses Outperformance-Potenzial besteht. Die
Kreditanalysten der Credit Suisse empfehlen auch, in Hybridanleihen von
Schweizer Unternehmen zu investieren, die auf vorrangiger Ebene
zumindest ein Investment-Grade-Rating aufweisen. Schweizer
Energieversorger bieten weiterhin die grössten Spreads aller
Unternehmen, aber auch den schwächsten fundamentalen Ausblick und
anhaltende Unsicherheit.
Über das Kredithandbuch Schweiz
Die Credit Suisse gibt mit dem Kredithandbuch Schweiz seit 15
Jahren einen Überblick über die Kreditqualität der wichtigsten Schweizer
Emittenten am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt und leistet damit einen
wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung in der Schweizer Wirtschaft.
Das Kredithandbuch Schweiz soll Aufschluss über die Kreditprofile von
Schweizer Emittenten am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt geben. Die Studie
untersucht im Rahmen einer strukturierten Beurteilung die
Kreditwürdigkeit der grössten Schweizer Anleiheemittenten und der
wichtigsten Akteure am Kapitalmarkt. Das Handbuch enthält alle von den
Kreditanalysten der Credit Suisse untersuchten Organisationen (60
Unternehmen, 17 Partnerwerke, 26 Kantone und 6 Städte) und umfasst damit
auch ein breites Spektrum von Emittenten, die von den internationalen
Ratingagenturen nicht abgedeckt werden. Mithilfe standardisierter
Ratingmethodik beurteilen die Analysten das Kreditprofil und den
Ausblick für jeden Emittenten und weisen diesem anschliessend ein
Kreditrating zu. Das Kredithandbuch Schweiz enthält ausserdem allgemeine
Fakten und Zahlen zum Schweizer Anleihemarkt und richtet sich somit an
alle Anleger und Finanzmarktteilnehmer, die detaillierte Informationen
über die aktuelle Entwicklung und Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer am
Schweizer Kapitalmarkt wünschen.
Media Relations Credit Suisse AG, Telefon +41 844 33 88 44, media.relations@credit-suisse.com
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Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 46 600 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.
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