
Riet Cadonau, CEO der dorma+kaba Gruppe, zum Geschäftsjahr 2014/2015.
Riet Cadonau, wie zufrieden sind Sie mit dem Geschäftsjahr 2014/2015?
Mit den Ergebnissen bin ich wirklich zufrieden. Wir haben sowohl unsere operativen als auch unsere strategischen Ziele erreicht. Nach einem äusserst guten ersten Halbjahr hatten wir unser Umsatzziel eines organischen Wachstums von ursprünglich 3–5 % auf mindestens 5 % angehoben. Dieses Ziel haben wir erreicht – Kaba ist im Berichtsjahr organisch um 5.4 % gewachsen. Hinsichtlich der Profitabilität hatten wir eine EBITDA-Marge von 15.5 % angestrebt, diesen Wert haben wir mit 15.7 % leicht übertroffen. Strategisch hatten wir uns zum Ziel gesetzt, ADS EMEA und ADS AP als jeweils eigenständige Divisionen zu führen und ADS AP mit gezielten Massnahmen auf- und auszubauen. Wir haben echte Fortschritte erzielt. Ausserdem haben wir mit gezielten Akquisitionen sowohl geografisch als auch technologisch unsere Markposition gestärkt.
Mit der Aufteilung von ADS EMEA/AP in zwei Divisionen waren bestimmte Erwartungen verbunden. Wie sieht Ihr Fazit am Ende des Geschäftsjahres 2014/2015 aus?
Für uns war es vor allem wichtig, dass wir mit der Schaffung der Division ADS AP unseren Fokus auf die Wachstumsmärkte Asiens verstärken können. Seit November 2014 wird ADS AP von einem sehr erfahrenen lokalen Management-Team geführt und die Pläne zur Steigerung des Wachstums und der Effizienz werden zielstrebig umgesetzt. Erste positive Resultate lassen sich bereits feststellen. Das organische Wachstum von ADS AP liegt bei 6.0 %, zudem ist der Umsatzanteil am Gesamtumsatz der Gruppe leicht gestiegen. Hinsichtlich der Profitabilität gibt es noch viel zu tun. ADS EMEA ist im Berichtszeitraum schneller als der Markt gewachsen und die Investitionen in die Infrastruktur zeigen erste Wirkungen hinsichtlich der Profitabilität. Diese Entwicklung ist sehr zufriedenstellend.
Welches waren die grössten Herausforderungen im Berichtszeitraum?
Wir haben im Wesentlichen aus drei Richtungen Gegenwind erhalten. Während unsere Geschäftsaktivitäten in Nordamerika und weitgehend auch in Westeuropa von einer sich belebenden Konjunktur unterstützt wurden, erwies sich die erhoffte Konjunkturerholung in Indien als sehr zögerlich. Im wachstumsverwöhnten China hat sich die Konjunkturdynamik auf die tiefsten Wachstumsraten seit rund 25 Jahren abgeschwächt. Diese beiden Faktoren haben die Rahmenbedingungen für die neu formierte Division ADS AP erschwert. In der Schweiz erhielten wir im zweiten Halbjahr Gegenwind durch die Aufhebung des Mindestkurses gegenüber dem Euro Mitte Januar 2015. Die starke Aufwertung des Schweizer Frankens führte zu einem unerwartet kräftigen Preisdruck. In den vergangenen Jahren haben wir erheblich in der Schweiz investiert. So zum Beispiel haben wir einen Teil der Wertschöpfungskette per Ende Berichtszeitraum internalisiert und mit den Investitionen in den Modular-Zylinder einerseits den Automatisierungsgrad unseres Werks in Wetzikon erhöht und andererseits ein innovatives Produkt auf den Markt gebracht. Dank dieser Investitionen konnten wir den Preisdruck kompensieren und unsere Margen halten.
Kaba investiert substanziell in Innovationen. Welches sind die wichtigsten Highlights?
Ein echtes Highlight sind die mobilen Zutrittssysteme von Kaba, die wir mit grossem Erfolg in der Hotelindustrie installieren. Um nur zwei wichtige Referenzprojekte zu nennen: Wir haben in diesem Jahr unter anderem das «The Cromwell» in Las Vegas und das «Woodlands Resort & Conference Center» in Houston mit unseren Mobile Access Lösungen ausgerüstet. In den Hotelzimmern sind Cloud-basierte Kaba Schlösser im operativen Einsatz, die es den Gästen ermöglichen, ihr Zimmer über ihr persönliches Mobiltelefon zu öffnen. Durch die Verwendung von Bluetooth Low Energy werden sowohl iOS-Geräte (einschliesslich der Apple Watch) als auch Android-Geräte unterstützt. Ausserdem sind wir mit Icepat AG, einer Inhaberin von zukunftsweisenden Patenten im Bereich Mobile Access Solutions, einen Lizenzvertrag eingegangen, mit dem eine breite Markteinführung unserer Lösungen möglich wird. Aber auch in anderen Bereichen haben wir attraktive Produkte auf den Markt gebracht oder in der Pipeline.
Für Kaba beginnt eine neue Ära. Wie sieht die Zukunft aus und welche Ziele haben Sie sich für die nächsten 12 Monate gesetzt?
Am 30. April 2015 haben wir den Zusammenschluss von Dorma und Kaba angekündigt. Die technologische Kompetenz, die Produkte sowie die Vertriebskanäle beider Unternehmen ergänzen sich weitgehend und dem kombinierten Unternehmen erschliesst sich erhebliches zusätzliches Wachstumspotenzial. dorma + kaba wird mit der verstärkten geografischen Präsenz die weltweite Expansion des Unternehmens beschleunigen können. Der Vollzug des Zusammenschlusses zu dorma + kaba hat anfangs September 2015 stattgefunden. Wir haben uns für das erste Jahr des Integrationsprozesses zum Ziel gesetzt, unter Berücksichtigung der Kunden und Marktbedürfnisse und der definierten Synergiezielsetzungen die bestehenden Organisationsstrukturen in regionen- bzw. landesspezifischen Phasenmodellen bis voraussichtlich zum 1. Juli 2016 in die vorgesehenen Endstrukturen zu überführen. Für den Integrationsprozess sehen wir drei Jahre vor. Mit Erreichen der vollen Synergien im vierten Jahr strebt dorma + kaba ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen von 6 bis 7 % pro Jahr an (inkl. Umsatzsynergien) und eine EBITDA-Marge von 18 %.
Kennzahlen Geschäftsjahr 2014/2015
| per 30. Juni 2015, in CHF Mio. | 2014/2015 |
|---|---|
| Konzernumsatz netto | 1085.2 |
| Betriebsgewinn vor Abschreibung (EBITDA) | 170.2 |
| in % Umsatz | 15.7 |
| Betriebsgewinn (EBIT) | 145.0 |
| in % Umsatz | 13.3 |
| Gewinn vor Steuern | 137.7 |
| in % Umsatz | 12.7 |
| Konzerngewinn | 98.9 |
| in % Umsatz | 9.1 |
| Gewinn pro Aktie in CHF | 25.6 |
| Mittelherkunft aus Leistungserstellung | 104.3 |
| Mittelfluss aus Investitionstätigkeit | -142.5 |
| Free Cashflow (netto) | -38.2 |
| Mittelfluss aus Finanzierungstätigkeit | 111.4 |
| Bilanzsumme | 734.3 |
| Netto Umlaufvermögen | 177.9 |
| Nettoverschuldung | -121.2 |
| Nettoverschuldung / EBITDA | -0.7 |
| Eigenkapital | 442.1 |
| in % Bilanzsumme | 60.2 |
| Netto betriebliche Aktiven | 331.9 |
| Gesamtkapitalrentabilität (RONOA) Betriebsgewinn in % des Nettobetriebsvermögen | 43.7% |
| Anzahl der Mitarbeiter (Durchschnitt) | 8948 |
