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LGT Anlagestrategie für das Q1/2016 Mittwoch, 16. Dezember 2015 - 15:24

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LGT Anlagestrategie für das Q1/2016

 

Unser Ausblick für die Industrieländer bleibt positiv, auch dank der anhaltenden Rohstoffbaisse. Zugleich bestehen jedoch weiter Bedenken gegenüber den Schwellenländern. Die Aktienbewertungen sind teilweise hoch und die Börsendynamik hat an Schwung eingebüsst. Die einzige klare Aufhellung betrifft den japanischen Yen. So fahren wir das Aktienrisiko in unseren Strategien insgesamt erneut leicht zurück, wodurch sich auch unsere Cashquote weiter erhöht.

 

Lesen Sie dazu unter folgendem Link den Kommentar von Mikio Kumada, CIIA, Global Strategist bei LGT Capital Partners, und Boris Pavlu, Investment Analyst bei LGT Capital Partners:

 

Marktkommentar (PDF)

Foto Mikio Kumada (JPG)
- Foto Boris Pavlu (JPG)

 

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an:

 

Roland Cecchetto oder Kim Ghilardi

Communicators
+41 44 455 56 66

roland.cecchetto@communicators.ch

kim.ghilardi@communicators.ch

 

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LGT Anlagestrategie für das Q1/2016

 

Unser Ausblick für die Industrieländer bleibt positiv, auch dank der anhaltenden Rohstoffbaisse. Zugleich bestehen jedoch weiter Bedenken gegenüber den Schwellenländern. Die Aktienbewertungen sind teilweise hoch und die Börsendynamik hat an Schwung eingebüsst. Die einzige klare Aufhellung betrifft den japanischen Yen. So fahren wir das Aktienrisiko in unseren Strategien insgesamt erneut leicht zurück, wodurch sich auch unsere Cashquote weiter erhöht.

 

Hauptszenario: Anhaltendes moderates Weltwirtschaftswachstum

Im neuen Jahr rechnen wir in unserem Hauptszenario zumindest für den Anfang mit anhaltend moderatem Weltwirtschaftswachstum. Zugleich dürften die Entschuldungsprozesse, die Rohstoffbaisse und die Wachstumsabschwächung in den Schwellenländern die Inflation in den Industrieländern auf tiefem Niveau halten.
 

Dennoch rechnen wir mit einer leichten Verbraucherpreisbelebung in den kommenden Monaten. Der negative Basiseffekt der stark gesunken Energiepreise in den Inflationsindizes wird nachlassen. Zugleich gibt es in grossen Volkswirtschaften (insb. USA und Japan) Anzeichen eines binnenkonjunkturell bedingten Preisauftriebs. Diese vorläufigen Aufwärtstrends liefern schliesslich den Hauptgrund für den nun endlich sehr wahrscheinlichen Beginn der Normalisierung der US-Geldpolitik. Sie erklären auch, warum Japans Notenbank fortan weniger auf zusätzliche monetäre Konjunkturimpulse setzen dürfte (siehe Währungsabschnitt weiter unten).

 

Zugegeben: Unser Hauptszenario weicht kaum vom globalen Branchenkonsens ab, was eine gelegentliche Selbsthinterfragung erfordert. Allerdings ist der Konsens viel weniger einheitlich, wenn es um die eher unwahrscheinlichen Alternativen geht. In unserem Risikoszenario für die kommenden Monate rechnen wir jedenfalls mit wiederkehrenden Ängsten vor einer globalen deflationären Rezession, die von einer Reihe negativer Entwicklungen ausgelöst werden könnte. Diese reichen von Kreditklemmen in China und/oder anderen Schwellenländern, bis hin zu einem überraschenden Konjunktureinbruch in den USA (verursacht durch Massenentlassungen in der Schieferölgasindustrie, anstatt durch das in den letzten Jahren üblich gewordene schlechte Winterwetter).
 

Aktien: Konstruktiver Ausblick bei steigender Anfälligkeit für Turbulenzen

Unsere Erwartung für die künftigen Aktienrenditen ist verhalten optimistisch. Die langfristigen Aufwärtstrends sind intakt und die Wirtschaftspolitik wirkt weitgehend unterstützend. Gewisse analytische Methoden weisen jedoch auf eine Erosion der Strukturfestigkeit der Hausse hin. Die sogenannte Marktbreite (d.h. die Anzahl der Einzelaktien, die an der Hausse teilnehmen) hat abgenommen (in den USA hinken z.B. Small- und Mid-Caps den Large-Caps hinterher). In einigen Märkten wie den USA und Schweiz sind die Aktienbewertungen zudem bestenfalls als fair zu bezeichnen. Und die Anlegerstimmung hat sich nach der relativ raschen Erholung vom Börseneinbruch im August wieder deutlich aufgehellt, was zu einer gewissen antizyklischen Vorsicht mahnt.
 

So bleibt der Ausblick für die öffentlichen Aktienmärkte zwar grundsätzlich konstruktiv. Allerdings müssen wir fortan mit häufigeren Volatilitätsanfällen rechnen. Die heutige - allgemein erwartete - erste US-Zinserhöhung dürfte zum Beispiel keine grossen Verwerfungen mehr auslösen. Zugleich hat aber die Entscheidung der Europäischen Zentralbank am 3. Dezember gezeigt, wie sensibel die Märkte selbst auf bescheidene Enttäuschungen reagieren können. Wir müssen auch weiter mit immer wieder enttäuschenden Nachrichten aus den Schwellenländern und der Rohstoffindustrie rechnen.

 

Wir haben uns daher entschieden, das Aktienrisiko mittels Reduktion der Listed Private Equity-Quote erneut leicht zu reduzieren. Die reguläre Aktienquote belassen wir allerdings unverändert bei einem moderaten Übergewicht. Geblieben ist auch unsere Präferenz für die entwickelten Märkte (d.h. Europa, Japan und in geringerem Mass auch USA). Die anderen Märkte in Asien-Pazifik und insbesondere in den Emerging Markets bleiben untergewichtet.

 

Fixed Income: Reduktion traditioneller Staatsanleihen

Die Quote für klassische, nominale Staatsanleihen entwickelter Länder wurde ebenfalls abgebaut. Die Umlaufrenditen sind extrem tief und in vielen Fällen sogar negativ. Das zukünftige Ertragspotenzial ist also beschränkt. In unseren Wachstumsstrategien halten wir nach diesem Schritt keine herkömmlichen Staatsanleihen mehr.
 

Ansonsten hat sich unsere Positionierung im festverzinslichen Bereich wenig verändert. Bei Staatsanleihen bleiben wir sowohl in den entwickelten als auch in den aufstrebenden Märkten unterinvestiert, während wir bei Unternehmensanleihen hingegen nach wie vor leicht überinvestiert sind. Unsere Cashquote ist hoch und die durchschnittliche Laufzeit der Anliehen auf Portfolioebene kürzer als im Normalfall.

 

Das Gewicht der inflationsgekoppelten Staatsanleihen gegenüber den herkömmlichen Staatsobligationen hat sich passiv etwas erhöht, obwohl ihre Untergewichtung aufgrund der ebenfalls tiefen Renditen unverändert belassen wurde. Die Breakeven-Inflationsraten, d.h. die impliziten Inflationserwartungen, sind derzeit sehr niedrig. Inflationsschutz ist derzeit also günstig und aus unserer Sicht attraktiv.

 

Innerhalb der Bondportfolios setzten unsere Manager weiter auf Qualitätspapiere, Rolldown-Renditen (Erfassung von Renditeaufschlägen bei der Reinvestition ausgelaufener Anleihen) und auf den transatlantischen Spread-Handel (Erfassung der Renditeunterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Anleihen sowie der Kapitalgewinne, die sich gegebenenfalls aus der Veränderung dieser Spreads ergeben).
 

Alternative Anlagen: Reduzierte LPE-Position

Listed Private Equity wird zur Reduktion des Gesamtaktienrisikos von der Neutralposition auf ein kleines Untergewicht abgebaut. Die Erholung vom September-Tief war vergleichsweise schwach, was ein Ende der Outperformance signalisieren könnte. Die Discounts (Nettoinventarwert gegenüber Marktwert) haben historische Durchschnittswerte erreicht und es gibt erste Anzeichen des Überschwangs: Manche LPE-Aktien werden inzwischen zu signifikanten Prämien gegenüber dem Inventarwert gehandelt (Anmerkung: Der LPE-Schritt betrifft nur die liquiden Strategien, wo taktische Quotenverschiebungen Sinn machen).

 

Real Estate Investment Trusts (REITs) bleiben unser einziges taktisches Übergewicht im alternativen Anlagensegment, wobei wir dank attraktiver Dividendenrenditen und guter Fundamentaldaten auch in diesem Bereich die entwickelten Märkte präferieren.
 

Die Rohstoffbaisse hält indessen an. Zuletzt hat deren Intensität sogar zugenommen. Gewisse angebotsseitige Reaktionen sind uns natürlich willkommen (multinationale Minenbetreiber bauen Kapazitäten ab, China will die Hüttenproduktion senken, etc.). Ein neues Gleichgewicht und damit die Grundlage für eine zukünftige Erholung hat der Markt jedoch noch nicht gefunden und der Ölmarkt bleibt weiterhin sehr grosszügig versorgt. Wir bleiben bei Rohstoffen untergewichtet.
 

Währungen: Der Yen wird neu hinzugekauft

Wie bereits kurz erwähnt, betrifft die einzige vergleichsweise klare Verbesserung der von uns erwarteten Aussichten den japanischen Yen, den wir nun in unseren globalen Multi-Asset-Strategien hinzugekauft haben (Positionierung: leichtes Übergewicht gegenüber strategischer Neutralquote). Auf Basis der Kaufkraftparität ist Japans Währung sehr stark unterbewertet und die Bereitschaft der Notenbank Nippons, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern, nimmt ab.
 

In der Tat offenbart ein Blick unter die Oberfläche der Wirtschaftsdaten Nippons moderat aber stetig steigende Preise für einheimische Güter und Dienstleistungen, einen wachsenden Arbeitsmarkt sowie steigende Löhne und Unternehmensgewinne. Japanische Aktien zeigen zudem seit mehr als einem Jahr relative Stärke, obwohl der Yen nicht mehr abwertet. Gegenüber dem US-Dollar bewegte sich die japanische Valuta im relevanten Zeitraum seitwärts, gegenüber dem Euro legte sie sogar um rund 10% zu. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass die als «Abenomics» bekannte Reflationspolitik langsam in der Realwirtschaft zu greifen beginnt. Folglich sinkt auch die Notwendigkeit für weitere monetäre Expansionsmassnahmen.
 

Im Euro haben die scharfen Tagesbewegungen während der letzten EZB-Pressekonferenz eindrücklich gezeigt, dass extrem einseitige Positionierungen vorübergehend heftige Schwankungen in die Gegenrichtung auslösen können. Ob die jüngsten Entscheidungen der EZB (Verlängerung des quantitativen Lockerungsprogramms und noch negativere Zinsen) wirklich die Markterwartungen enttäuschten, bezweifeln wir allerdings. Hinter der manischen Marktreaktion vermuten wir vielmehr technische Faktoren, statt Vorboten einer fundamental begründeten Trendumkehr. Aus unserer Sicht werden die transatlantischen Wechselkurse auch zukünftig von den divergierenden Marschrichtungen der Notenbanken bestimmt. Wir rechnen daher weiter mit einem steigenden Greenback gegenüber dem Euro und in dessen Schlepptau auch gegenüber dem Schweizer Franken.
 

Entsprechend bleibt der USD unser grösstes Übergewicht im Segment der Währungen, jetzt gefolgt vom JPY. Der EUR, CHF und die «anderen Währungen» bleiben untergewichtet. Am deutlichsten unter Neutralposition bleiben die Schwellenländer-Währungen, aufgrund unserer taktischen Untergewichtungen in den jeweiligen regionalen Investitionsquoten.

 

Weitere Tabellen und Grafiken finden sich im PDF auf Seite 3 bis 4.