Credit Suisse Studie: Jedes fünfte Schweizer KMU steht vor Unternehmensnachfolge Mittwoch, 22. Juni 2016 - 12:00
Die Nachfolgeplanung stellt für jeden Unternehmer und jede Unternehmerin eine der zentralsten strategischen Aufgaben überhaupt dar. Fast jeder KMU-Unternehmer muss sich ihr früher oder später stellen. Dabei geht es nicht nur um finanzielle, sondern fast immer auch um ideelle Werte, denn der eigene Betrieb ist für viele mehr als eine blosse Einkommensquelle. Bereits zum dritten Mal nach 2009 und 2013 untersuchte die Credit Suisse 2016 in Zusammenarbeit mit dem Center for Family Business der Universität St. Gallen basierend auf einer gross angelegten Umfrage das Thema der Unternehmensnachfolge bei kleinen und mittleren Schweizer Unternehmen (KMU).
Über drei Viertel der KMU-Unternehmer befassen sich mit der eigenen Nachfolge
Die Umfrage bestätigt die hohe Relevanz des Themas für Schweizer KMU: Mehr als drei Viertel der befragten Geschäftsführer haben sich mit der eigenen Nachfolgeregelung schon mindestens ansatzweise auseinandergesetzt. Konkret plant jeder fünfte KMU-Unternehmer eine Unternehmensübergabe innerhalb der nächsten fünf Jahre. Auf die Gesamtwirtschaft hochgerechnet stehen somit bis 2021 rund 70'000-80'000 KMU vor einem Generationenwechsel, welche rund 10% aller Beschäftigten in der Schweiz auf sich vereinen. Die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung erfolgreicher Nachfolgeprozesse ist damit unbestritten.
Demografie führt in den nächsten Jahren zu mehr Nachfolgefällen
Der Anteil der KMU, die eine Übergabe innerhalb der kommenden fünf Jahre anstreben, ist im Vergleich zur Umfrage im Jahr 2013 von 22% auf 20% leicht gesunken. Dieser Rückgang stellt gemäss den Studienautoren jedoch höchstwahrscheinlich nur ein vorübergehendes Phänomen dar. Mehr als die Hälfte der KMU-Geschäftsführer sind heute zwischen 50 und 65 Jahre alt, gehören also zur Babyboomer-Generation. Heute sind schweizweit rund 560'000 Personen zwischen 60 und 65 Jahre alt und stehen damit unmittelbar vor der Pensionierung. 2030 werden es mit 750'000 rund ein Drittel mehr sein. Der Altersrücktritt dieser geburtenstarken Jahrgänge führt in den nächsten 15 Jahren daher mit grosser Wahrscheinlichkeit zu deutlich mehr Nachfolgefällen. Da gleichzeitig die Altersklasse der Nachfolgegeneration deutlich langsamer wächst, könnte es zu einem zunehmenden Mangel an potenziellen Nachfolgern kommen. Eine mögliche Strategie, um diese sich abzeichnende Lücke zu füllen, stellt die stärkere Berücksichtigung von Geschäftsführerinnen dar, so die Studienautoren. Denn obwohl der Frauenanteil in dieser Position in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat, führen Frauen heute nach wie vor nur knapp 10% aller KMU. Eine steigende Quote an Geschäftsführerinnen könnte das kommende demografisch bedingte Ungleichgewicht zwischen Übergebern und Übernehmern möglicherweise etwas abfedern.
Anteil Familienunternehmen sinkt
Angesichts der ausgeprägten finanziellen und personellen Verknüpfung des Unternehmers mit dem Betrieb sind Familienunternehmen in besonderer Weise von der Nachfolge betroffen. Heute sind gemäss Umfrage 75% aller Schweizer KMU Familienunternehmen. Im Vergleich zu 2013 sank der Anteil an Familienunternehmen etwas. Die Gründe dafür können sowohl ökonomischer als auch soziologischer Natur sein. Einerseits wuchsen in der Schweiz in den letzten Jahren vor allem Branchen, die weniger durch Familienbetriebe geprägt sind, wie beispielsweise das Gesundheitswesen. Andererseits führten gesellschaftliche Veränderungen in den letzten Jahrzehnten dazu, dass immer mehr Nachkommen aus Unternehmerfamilien eine Karriere ausserhalb des Familienbetriebs anstreben.
Mehr als die Hälfte der Unternehmen werden familienextern übergeben
Familieninterne und -externe Nachfolgepläne halten sich gemäss den Studienautoren inzwischen die Waage. Zwar hegt immer noch eine relative Mehrheit von 41% der KMU den Wunsch, das Unternehmen familienintern zu übergeben. Etwa ein Fünftel davon zieht aber auch familienexterne Lösungen in Betracht. Insgesamt streben heute minimal mehr KMU eine rein familienexterne Nachfolgelösung (34%) an als eine rein familieninterne (33%). Unter den familienexternen Nachfolgeplänen wird der Verkauf an ehemalige (führende) Mitarbeitende am meisten genannt (Management-Buy-Out, 25%), vor dem Verkauf an ein anderes Unternehmen bzw. eine Private-Equity-Gesellschaft (21%) oder an unternehmensexterne Einzelpersonen (Management-Buy-In, 17%). In der Realität kommt vor allem der Management-Buy-In häufiger vor, als viele KMU planen. 46% der heutigen Geschäftsführer übernahmen das Unternehmen von einem Familienmitglied, 25% im Rahmen eines Management-Buy-Outs und 30% per Management-Buy-In.
Art und Stärke des Familieneinflusses bestimmt Nachfolgeform
Der Einfluss der Familie im Unternehmen und dabei insbesondere die unter den Eigentümern vorhandenen Familienverhältnisse wirken sich massgeblich auf die Wahl der Nachfolgeform aus. KMU, in denen es unter den Eigentümern keine Familienmitglieder gibt, planen das Unternehmen dereinst vor allem an (leitende) Mitarbeitende zu übergeben. Je mehr Familienmitglieder unter den Eigentümern und in der Geschäftsleitung sind, desto eher gewinnt der Family-Buy-Out auf Kosten des Management-Buy-Outs an Bedeutung. Die Bereitschaft für einen Verkauf an Familien- und Unternehmensexterne hängt indessen nur wenig von der Stärke des Familieneinflusses im Unternehmen ab. Die Absicht, das Unternehmen in der Familie zu behalten, ist gemäss Umfrage in Familienunternehmen dann am grössten, wenn unter den Eigentümern Elternteile mit ihrem Kind oder Geschwisterbeziehungen vorhanden sind. Sind nur Ehepartner am Eigentum beteiligt, planen fast die Hälfte der Familienunternehmen eine familienexterne Übergabe.
Geschäftsleitung geht an die Fähigsten, Eigentum an alle Nachkommen gleich
Im Rahmen einer familieninternen Nachfolge stellt sich immer die Frage, an welche Nachkommen die Geschäftsleitung und das Eigentum übertragen werden sollen. Bei dieser Entscheidung können gemäss den Studienautoren unterschiedliche Verteilungsprinzipien ausschlaggebend sein. Gemäss Umfrage würde die Mehrheit der KMU es bevorzugen, das Eigentum an alle Nachkommen zu gleichen Teilen zu übergeben (65%). Bei der Übergabe der Geschäftsleitung würden KMU allerdings auf den unternehmerisch fähigsten Nachkommen setzen (81%). Die Wahl der Verteilungsprinzipien wirkt sich auch auf die Unternehmensperformance aus, wie die Analysen der Credit Suisse und der Universität St. Gallen zeigen. Wenn bei der Vorgängergeneration im Hinblick auf den Führungswechsel das Leistungsprinzip im Vordergrund stand, beurteilen die heutigen Geschäftsleiter die Entwicklung der Unternehmensperformance als besser, als wenn das Gleichheitsprinzip zur Anwendung kam.
Bei familieninternen Nachfolgen greifen KMU vermehrt auf Governance-Instrumente zurück
Gemäss Umfrage werden Governance-Instrumente unter KMU-Eigentümern rege genutzt. 42% der KMU greifen auf Aktionärsbindungsverträge zurück, 36% auf erb- und 35% auf eherechtliche Verträge. Governance-Instrumente können unter anderem dazu dienen, die Weichen für die spätere Nachfolgeregelung zu stellen. So weisen jene KMU, die eine grössere Anzahl solcher Instrumente anwenden, eine stärkere Tendenz zu familieninternen Nachfolgeplänen auf. Familienunternehmen scheinen also auf Governance-Instrumente zurückzugreifen, um die zukünftige Erhaltung der Familienkontrolle im Unternehmen zu bewahren und somit den Verkauf des Unternehmens an Externe zu verhindern.
Die Publikation «Unternehmensnachfolge in der Praxis – Herausforderung Generationenwechsel» ist im Internet in Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch verfügbar unter: www.credit-suisse.com/research (Schweizer Wirtschaft)
Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 47‘760 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.
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