Credit Suisse «Kredithandbuch Schweiz» - Schweizer Kapitalmarkt: Günstiges Kreditumfeld nicht ohne Risiken Dienstag, 23. August 2016 - 11:05
• Das heute veröffentlichte «Kredithandbuch Schweiz» enthält die Kreditprofile der wichtigsten Schweizer Emittenten und Akteure am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt. Das Handbuch beinhaltet von den Analysten des Global Credit Research der Credit Suisse zusammengestellte Informationen zu Schweizer Unternehmen, Energieversorgern, Partnerwerken, Kantonen und Städten sowie einen Überblick über die Industriesektoren, die zumeist von den internationalen Ratingagenturen nicht erfasst werden.
• Vor dem Hintergrund des uneinheitlichen weltweiten Wirtschaftswachstums entwickelten sich Schweizer Emittenten seit der letzten Ausgabe des jährlich erscheinenden Handbuchs gut, obwohl der starke Schweizer Franken das Ertragswachstum in Lokalwährung einschränkte. 50 Prozent der im Handbuch erfassten Emittenten konnten im Geschäftsjahr 2015 ihre Margen verbessern, die andere Hälfte wies einen Rückgang aus.
• Der Rückgang der Margen fiel deutlicher aus als die Steigerungen. Diese wurden im Wesentlichen durch Kostensenkungsmassnahmen gestützt und nicht durch zugrundeliegendes Wachstum. Dies deutet darauf hin, dass das Risiko-Pendel kurz vor einer Bewegung in die andere Richtung stehen könnte.
• Gleichzeitig stiegen die Dividenden oder blieben gleich. Bei den erfassten Unternehmen nahmen die Rückkäufe eigener Aktien stark zu, wodurch sich die verfügbaren internen liquiden Mittel verringerten. Zur Finanzierung dieser Lücke nutzten die Emittenten oft attraktive Finanzierungskonditionen. Die weitgehend stabile Liquiditätsposition der Schweizer Emittenten konnte dies zu einem gewissen Grad abfedern (80 Prozent der Emittentenratings weisen einen stabilen Ausblick auf, ohne Schweizer Energieversorger sind es sogar 90 Prozent), doch wenn dieser Trend anhält, können Rückstufungen nicht ausgeschlossen werden.
• Seit der letzten Ausgabe des Handbuchs gab es neun Rating-Rückstufungen. Sieben davon betreffen Energieversorger und Partnerwerke, die unter der schwierigen Marktsituation leiden. Die Ratings der Unternehmen und der öffentlichen Hand blieben in den meisten Fällen stabil.
Die diesjährige Ausgabe des Kredithandbuchs Schweiz
enthält 108 Emittenten (Unternehmen, Energieversorger, Kantone und
Städte), die von den Analysten des Global Credit Research der Credit
Suisse untersucht werden. Viele dieser Emittenten werden von
internationalen Ratingagenturen nicht erfasst. Zur Einführung in das
Umfeld der Emittenten-Kreditprofile enthält das Kredithandbuch Schweiz
auch eine Übersicht über Mitbewerber und einen Ausblick für die Sektoren
Banken, Baustoffe, Investitionsgüter, Chemie, Nahrungsmittel,
Gesundheitswesen, Versicherungen, öffentliche Hand, Immobilien,
Detailhandel und Energieversorger.
Risiko-Pendel steht möglicherweise kurz vor einem Umschwung
Im Rückblick auf das Jahr 2015 verzeichnete die Weltwirtschaft ein
Wachstum von 3,2 Prozent – angeführt von China und Indien mit
6,9 Prozent bzw. 7,3 Prozent Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) –
mit bemerkenswerten weltweiten Divergenzen. Vor diesem Hintergrund
erzielte ein Grossteil der von uns erfassten Schweizer Unternehmen
höhere Erträge durch Volumenwachstum und bessere Preise. In einigen
Fällen trugen auch Akquisitionen zum Ertragsanstieg bei. Allerdings
glich der starke Schweizer Franken für viele Unternehmen das
Ertragswachstum in Lokalwährung wieder aus.
Trotz Kostensenkungs- und Effizienzprogrammen konnte nur die Hälfte der
Unternehmen im Geschäftsjahr 2015 ihre Margen steigern, die andere
Hälfte wies einen Rückgang aus. Die Margenverluste waren nicht nur
umfangreicher als die Steigerungen, aus unserer Sicht sind die
Steigerungen auch im Wesentlichen stärker auf Kostensenkungsmassnahmen
als auf zugrunde liegendes Wachstum zurückzuführen. Wir gehen deshalb
davon aus, dass das Risiko-Pendel bald in die andere Richtung
ausschwingen könnte, wenn sich die geringere Profitabilität in
Liquiditäts- und Kreditkennzahlen niederschlägt. Dennoch übertrafen die
Margen des Geschäftsjahres 2015 den Sieben-Jahres-Durchschnitt und sind
damit im historischen Vergleich noch immer hoch. Darüber hinaus wurden
schwächere Margen vor allem von Unternehmen im Investitionsgüter- und
Baustoffsektor generiert und/oder von Unternehmen, die am meisten unter
dem starken Schweizer Franken und unter dem europäischen Wettbewerb zu
leiden hatten.
Günstiges Kreditumfeld nicht ohne Risiken
Während Mittel aus der Geschäftstätigkeit bei 50 Prozent der von
uns im Geschäftsjahr 2015 abgedeckten Unternehmen eine geringere
Profitabilität widerspiegelten, blieb der operative Cashflow dank des
effizienten Einsatzes von Betriebskapital relativ stabil. In den von uns
abgedeckten Unternehmen fielen die Investitionsaufwendungen tatsächlich
etwas höher aus – mit Ausnahme des Ausreissers Glencore, der die
Investitionsaufwendungen nach dem starken Rückgang der Rohstoffpreise
drastisch reduzierte.
Neben den etwas geringeren Free Cashflows stiegen die Dividenden oder
blieben stabil. Zusätzlich nahmen die Rückkäufe eigener Aktien bei allen
von uns erfassten Unternehmen stark zu und betrugen insgesamt CHF 13,7
Mia. – ein Anstieg um 60 Prozent im Jahresvergleich und um 429 Prozent
gegenüber dem Geschäftsjahr 2013. Allerdings werden diese hohen
Auszahlungen an Aktionäre durch derzeit sehr attraktive
Refinanzierungskonditionen und die Unterstützung der Zentralbank für die
Anleihen-Anlageklassen unterstützt, welche guten Zugang zu den
Kapitalmärkten innerhalb des Investment-Grade-Universums bieten. Daher
könnten einige Unternehmen sogar eine Rückstufung ihres Ratings in
Betracht ziehen, wenn sie Aktienrückkäufe und/oder Akquisitionen
initiieren, während die Refinanzierungskonditionen attraktiv bleiben.
Insgesamt verfügten Schweizer Unternehmen im Geschäftsjahr 2015 nach wie
vor über eine sehr solide Liquiditätsposition mit verfügbaren
Barmitteln und nicht ausgeschöpften Kreditlinien. Der stabile Ausblick
für rund 80 Prozent der von uns erfassten Unternehmen (90 Prozent, wenn
Schweizer Energieversorger nicht berücksichtigt werden) bestätigt dies.
Aktuell weisen nur drei Unternehmensratings einen positiven Ausblick
auf; dies unterstreicht unsere Sicht, dass der Fokus auf Aktionäre und
Wachstum durch Akquisitionen andauern wird.
Anhaltende Herausforderungen für Energieversorger fördern negativen Rating-Trend
Die Kreditratings der von uns erfassten Unternehmen sind
entsprechend unseren Erwartungen etwas schlechter geworden. Hauptgrund
war die anhaltend schwierige Situation für Stromversorger. Seit
Veröffentlichung unseres letzten Kredithandbuchs im August 2015 wurden
neun Ratings zurück- und nur eines heraufgestuft.
Bei den Unternehmen waren die Energieversorger erneut am stärksten von
Rating-Rückstufungen betroffen. Axpo wurde im Dezember 2015
zurückgestuft und Repower im April nach schwachen Ergebnissen für das
Geschäftsjahr 2015. Während der Rating-Ausblick für Axpo nach der
Rückstufung negativ blieb (was auf potenzielle weitere negative
Änderungen des Ratings hindeutet), überzeugte Repower die Anleger durch
eine Kapitalerhöhung, gewann zwei neue Anker-Aktionäre und brachte die
Finanzkennzahlen des Unternehmens wieder auf ein Niveau, das einem
Investment-Grade-Rating entspräche. Eine erfolgreiche Umsetzung der
Repower-Strategie, die Veräusserung verschiedener Vermögenswerte und
Unternehmensbereiche ohne Schwächung der aktuellen Bilanzkennzahlen
sowie die Stabilisierung des Betriebsergebnisses würden eine
Heraufstufung auf Investment Grade auslösen. Mit der Rückstufung des
Ratings von Axpo und Repower revidierten wir entsprechend unserer
Ratingmethode für Partnerwerke ferner das Kreditrating von fünf
Partnerwerken: KBG, KKW Gösgen-Däniken, Kraftwerke Hinterrhein,
Kraftwerke Linth-Limmern und Kraftwerke Sarganserland.
Ratings im Unternehmenssektor weitgehend unverändert
Das Rating für Sulzer stuften wir nach der Ankündigung einer
vollständig fremdfinanzierten Akquisition zurück. Darüber hinaus
kündigte das Unternehmen mit seinen Jahresergebnissen im März eine
Sonderdividende an. Wir weisen darauf hin, dass Sulzer über ein
erhebliches Engagement im Sektor Öl und Gas verfügt, der unter
schwächeren Rohstoffpreisen zu leiden hatte. Aryzta stuften wir aufgrund
des anhaltenden, durch Akquisitionen getriebenen Wachstums und
erheblich schwächerer Kreditkennzahlen auf Sub-Investment-Grade zurück.
Der Ausblick bleibt aufgrund des anhaltend hohen Fokus des Unternehmens
auf die Aktionäre in Verbindung mit dem Integrationsrisiko und den
operativen Herausforderungen im aktuellen Umfeld negativ. Unser Ausblick
auf Clariant wechselte von stabil auf negativ, nachdem das Unternehmen
seine Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2015 veröffentlicht hatte. Die
Änderung war aufgrund der anhaltend schwachen Cashflow-Performance und
dem daraus folgenden mangelnden Fortschritt bei der Stärkung der
Kreditkennzahlen fällig, was unseren Erwartungen entsprach. Auch für den
Flughafen Zürich änderten wir den Ausblick von stabil auf negativ, da
dieser plant, den Verschuldungsgrad seiner Bilanz zu erhöhen (auf 3x
Nettoverschuldung/EBITDA im Vergleich zum aktuellen Wert von 1,1),
einhergehend mit hohen Zahlungen an die Aktionäre und möglicherweise
zahlreichen Fusionen und Übernahmen. Im Gegensatz dazu änderten wir den
Ausblick für Valora von negativ auf stabil, da die neue Strategie des
Unternehmens positive Ergebnisse verspricht (diese zeigen sich in leicht
verbesserten Kreditkennzahlen in den Ergebnissen für das Geschäftsjahr
2015 und das 1. Halbjahr 2016). Der Rating-Ausblick für Geberit wurde
aufgrund des soliden Geschäftsprofils des Unternehmens und anhaltenden
Fortschritten beim Abbau der Schulden in seiner Bilanz von stabil auf
positiv revidiert.
Weiter hohe Kreditqualität der öffentlichen Hand
Der allgemein stabile Rating-Trend der öffentlichen Hand in der
Schweiz widerspiegelt die hohe Qualität des Sektors. Wir stuften das
Rating des Kantons Glarus herauf, da der Kanton erneut solide Ergebnisse
für das Rechnungsjahr 2015 sowie eine Netto-Cash-Position präsentierte.
Das Rating des Kantons Basel-Land wurde nach einem weiteren schwierigen
Rechnungsjahr um eine Bonitätsnote zurückgestuft. Der Kanton konnte
zwar die Überschreitung der Ausgaben 2015 bis zu einem gewissen Grad
einschränken, aber die Selbstfinanzierungsquoten blieben schwach und das
Bilanzdefizit blieb nach der Rekapitalisierung des Pensionsfonds 2014
bestehen. Wir stuften den Rating-Ausblick des Kantons Uri von stabil auf
positiv herauf. Das Rating ist durch die Standortqualität des Kantons
etwas eingeschränkt, dennoch präsentierte Uri erneut starke
Finanzergebnisse für dieses Rechnungsjahr. In drei aufeinanderfolgenden
Jahren erreichte der Kanton eine Selbstfinanzierungsquote von deutlich
über 100%. Für den Kanton Solothurn blieben wir bei unserem Rating von
«High AA», setzten den Rating-Ausblick jedoch von stabil auf negativ.
Nach vielen Jahren mit negativen Selbstfinanzierungsquoten wurde die
Bilanz des Kantons im vergangenen Jahr nach der Rekapitalisierung des
kantonalen Pensionsfonds weiter geschwächt.
Über das Kredithandbuch Schweiz
Die Credit Suisse gibt mit dem Kredithandbuch Schweiz seit über 15
Jahren einen Überblick über die Kreditqualität der wichtigsten Schweizer
Emittenten am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt und leistet damit einen
wichtigen Beitrag zur Entscheidungsfindung in der Schweizer Wirtschaft.
Das Kredithandbuch Schweiz soll Aufschluss über die Kreditqualität von
Schweizer Emittenten am Schweizer-Franken-Kapitalmarkt geben. Die Studie
untersucht im Rahmen einer strukturierten Beurteilung die
Kreditwürdigkeit der grössten Schweizer Anleiheemittenten und der
wichtigsten Akteure am Kapitalmarkt. Das Handbuch enthält alle von den
Kreditanalysten der Credit Suisse untersuchten Organisationen (59
Unternehmen, 17 Partnerwerke, 26 Kantone und 6 Städte) und
berücksichtigt damit auch ein breites Spektrum von Emittenten, die von
den internationalen Ratingagenturen nicht abgedeckt werden. Mithilfe
verschiedener Ratingmethoden, die in dieser Publikation enthalten sind,
beurteilen die Autoren das Kreditprofil jedes Emittenten und weisen
diesem das daraus resultierende Kreditrating und einen Rating-Ausblick
zu. Somit richtet sich das Kredithandbuch Schweiz an alle Anleger und
Finanzmarktteilnehmer, die detaillierte Informationen über die aktuelle
Entwicklung und Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer am Schweizer
Kapitalmarkt wünschen.
Swiss Credit Handbook 2016 - Benign credit environment not without risks (in Englisch)
Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden
Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse
(nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit
Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment
Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse
bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden
weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung,
umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit
Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa
47‘180 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG,
der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in
Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere
Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter
www.credit-suisse.com.
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Das vorliegende Dokument wurde von der Credit Suisse erstellt. Die
darin geäusserten Meinungen sind diejenigen der Credit Suisse zum
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