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«Generation Stress»? Jugendliche wollen heute alles auf einmal. Dienstag, 04. Oktober 2016 - 08:00

Credit Suisse Jugendbarometer 2016 – eine repräsentative Umfrage in der Schweiz, USA, Singapur und Brasilien


Das Credit Suisse Jugendbarometer 2016 verdeutlicht, dass die steigende Vielfalt von Lebenszielen und die weiterhin zunehmende Verbreitung von Smartphones und Apps die Jugendlichen immer stärker zu einer «Generation Stress» werden lassen. Weiter zeigt die Umfrage, dass Politik im Netz funktioniert: Es wird als positiv erachtet, dass politische Themen online kommentiert und diskutiert werden können. Die grössten Sorgen, welche die Schweizer 16-25-Jährigen umtreiben, sind Migration und Ausländerfragen. Ausserhalb der Schweiz ist die Arbeitslosigkeit weiterhin eine der Hauptsorgen. 

Die befragten Jugendlichen in der Schweiz, Brasilien, Singapur und den USA wollen alles haben im Leben: Karriere machen, aber gleichzeitig eine ausgewogene Work/Life-Balance pflegen, selbstständig sein und bei einer internationalen Firma arbeiten, weniger sparen, aber auch ein Haus kaufen. Und bei allen Aktivitäten sind sie stets online, kommunizieren miteinander, konsumieren News, gamen und entdecken neue Plattformen – besonders in der Schweiz ist Snapchat ein Senkrechtstarter. All dies lässt den Schluss zu, dass die heutige Jugend zu einer «Generation Stress» wird. 

Politik im Netz funktioniert

Im Jahr, in dem das Internet sein 25-Jahr-Jubiläum feiert, versuchen Politiker rund um die Welt so intensiv wie nie zuvor, Jugendliche über Internet und Social Media anzusprechen. Eine Mehrheit der Befragten in der Schweiz und im Ausland bewertet es positiv, dass politische Themen online kommentiert und diskutiert werden können: Das sei ein Vorteil für die Politik. Jugendliche sind sich aber auch der negativen Seiten der virtuellen Welt bewusst – vor allem in Bezug auf Shitstorms und potentiell manipulierte politische Inhalte auf Facebook und Twitter. Ausser in der Schweiz gibt es dennoch eine breite Zustimmung zur Aussage, «Facebook, Twitter und Online-Kommentare machen Politik spannender und motivieren zu stärkerem politischem Engagement». In der Schweiz sind immerhin 39% der Befragten der Meinung, Internet-Demokratie ermögliche Mitgestaltung. 

Gratiszeitungen weiterhin wichtigstes Medium

Mit der quasi flächendeckenden Verbreitung von Smartphones teilen sich die Schweizer Jugendlichen bei der Häufigkeit des Nachrichtenkonsums in zwei Lager auf. Eine steigende Anzahl der Befragten informiert sich mehrmals täglich. Dem gegenüber stehen immer mehr Jugendliche, die sich selten bis gar nie über das Tagesgeschehen informieren. In der Schweiz sind Gratiszeitungen immer noch für 62% der Jugendlichen das wichtigste Medium für den Newskonsum, 2010 waren es noch 75%. Die Konkurrenz durch News-Portale und News-Apps, aber auch Facebook, nimmt stark zu. Im Fall von «20 Minuten» und «Blick am Abend» dürfte es sich um einen Kanalwechsel handeln: Statt der gedruckten Zeitung liest man den Titel nun vermehrt digital. Gefragt, welchen Medien sie vertrauen, nennen die Jugendlichen zuerst «SRF», «NZZ» und «Tages-Anzeiger». Rein digitale Kanäle stehen am Ende der Rangliste: YouTube, Facebook und Twitter. 

Sorgen um Migration und Ausländerfragen

In der Schweiz hat die Flüchtlingsthematik an Wichtigkeit gewonnen. Wurde sie im ersten Jugendbarometer 2010 von 22% der Befragten als Problem bezeichnet, so sind es heute bereits 46%. Auch der Themenbereich «Ausländer und Zuwanderung» bereitet 45% der Jugendlichen Sorgen. Diese zwei Themen stehen an der Spitze der Liste der «grössten Probleme der Schweiz». Umfragen, die in jüngerer Vergangenheit bei der Schweizer Stimmbevölkerung durchgeführt wurden, decken sich damit. Im Credit Suisse Sorgenbarometer 2015 bezeichnen etwa 43% der Befragten «Ausländerfragen» und 35% «Flüchtlinge/Asyl» als Hauptprobleme der Schweiz. Lösungen im Bereich Umweltschutz und Arbeitslosigkeit werden von Schweizer Jugendlichen als weniger dringlich erachtet. 

Internationale Unterschiede bei den Hauptsorgen von Jugendlichen

USA: In den USA beschäftigen Arbeitslosigkeit, Terrorismus und Gesundheitsfragen am meisten. Die jungen Amerikanerinnen und Amerikaner adaptieren – etwas entgegen ihrem Ruf – weniger schnell neue Technologien als die Jugendlichen in der Schweiz: Die SMS wird noch rege genutzt, WhatsApp hat sich kaum etabliert. Snapchat wird hier zudem als weniger „in“ bezeichnet.

Brasilien: Korruption und Arbeitslosigkeit werden von über zwei Dritteln der jungen Brasilianerinnen und Brasilianer genannt, beide Themen erscheinen in der Schweiz nicht in den Top 5. Verschiedene Resultate deuten darauf hin, dass die Jugendlichen aus dem südamerikanischen Land eine grosse Affinität zu digitalen Themen haben.

Singapur: Als zweit- und drittwichtigstes Problem ihres Landes bezeichnen die jungen Singapurerinnen und Singapurer Inflation und Gesundheitsfragen. An der Spitze steht Terrorismus. Die Angst vor Anschlägen hat in den letzten Jahren markant zugenommen: 2013 bezeichneten dies erst 11% als Problem, heute sind es 38% (Schweiz: 23%).

Überblick: Die 10 wichtigsten Erkenntnisse des Credit Suisse Jugendbarometers 2016

  1. Arbeitslosigkeit weiterhin eine Hauptsorge: Das angespannte wirtschaftliche Klima der letzten Jahre zeigt sich auch im Jugendbarometer. Die Sorge um den Arbeitsplatz ist in allen Ländern, ausser in der Schweiz, eines der meistgenannten Probleme.
  2. Angst vor Terrorismus wächst: Die vielen Anschläge rund um die Welt haben die Angst vor Terror anschwellen lassen. In Singapur steht sie an erster, in den USA an zweiter und in der Schweiz an sechster Stelle der Sorgenrangliste. 2010 bezeichneten 13% der Schweizerinnen und Schweizer Terrorismus als grosses Problem, heute sind es 23%.
  3. Optimistischer Blick in die Zukunft: Die befragten Jugendlichen – sie sind geboren zwischen 1991 und 2000 – blicken trotz Sorgen optimistisch in die Zukunft, wenn auch etwas weniger als in den früheren Jahren. Die jungen Schweizerinnen und Schweizer zeigen am meisten Optimismus (59%). Auch die Jugend in Brasilien (54%) geht immer noch mehrheitlich davon aus, dass es gut kommt – 2010 waren es allerdings noch 67%. In den USA sind 52% und in Singapur 43% dieser Meinung.
  4. Glaubwürdigkeit im Netz schwindet: Einer grossen Mehrheit ist bewusst, dass Beiträge auf Facebook, Twitter und Co. manipuliert sein könnten. Und nur eine Minderheit glaubt, diese Kommentare seien ehrlich und unverfälscht (Ausnahme: Singapur). Überall ist bekannt, dass es sogenannte Trolle im Netz gibt, die keine ehrlichen Absichten hegen.
  5. Verbreitete Erfahrung mit Cyber-Mobbing: Viele Befragte berichten von negativen Erfahrungen im Internet. 40% in den USA, 39% in der Schweiz, 33% in Singapur und 26% in Brasilien geben an, auf Facebook lästig angemacht oder richtiggehend gemobbt worden zu sein.
  6. Snapchat auf dem Vormarsch: Die SMS gewinnt in den USA und in Singapur immer noch an Bedeutung, in Brasilien und der Schweiz wird sie nur noch von einer Minderheit benutzt. Neuer Favorit: Snapchat. Bereits 52% der Befragten nutzen den Kommunikationsdienst in der Schweiz.
  7. Sparen für’s Eigenheim: Das Eigenheim ist in allen Ländern der grösste Wunsch in Geldangelegenheiten. Und das Tiefzins-Umfeld der letzten Jahre hinterlässt seine Spuren. Von 10‘000 geschenkten Einheiten ihrer Landeswährung würden die Jugendlichen weniger auf ihr Sparkonto einzahlen als noch 2015. Beliebt ist hingegen, Geld für ein Haus auf die Seite zu legen, Aktien und Fonds zu kaufen (US, BR, SG), Ferien zu machen (BR, SG, CH) und in die Familie zu investieren (US, BR, SG).
  8. Viele Ziele im Leben: Die Befragten haben viele, zum Teil auch widersprüchliche Ziele im Leben. Über 50% Zustimmung bekommen in allen Ländern: «Freizeit und Beruf im Gleichgewicht halten», «eigene Träume verfolgen», «Eigenheim», «den eigenen Talenten nachgehen», «verschiedene Dinge ausprobieren», «Karriere im Beruf», «Familie mit Kindern», «viele Länder und Kulturen kennenlernen».
  9. Selbständigkeit ist häufigster Berufswunsch: Nach dem Lieblingsarbeitgeber gefragt, sagen viele Jugendliche, sie möchten selbstständig sein. Eine Ausnahme ist die Schweiz, wo die Selbständigkeit nicht derart breit angestrebt wird. Hier sind die beliebtesten Arbeitgeber: 1. Google, 2. SBB, 3. Novartis, 4. Roche, 5. Credit Suisse. Immer beliebter wird das «Home-Office»: Ausser in Singapur – wo die Arbeit von zu Hause schon seit längerer Zeit am populärsten ist – sind es in allen untersuchten Ländern deutlich mehr Befragte als noch 2015, die diese Möglichkeit für wichtig erachten.
  10.  Etablierte Religionen verlieren weiter an Boden: Zwischen 22% und 34% der Befragten bezeichnen sich heute als Agnostiker/Atheisten/konfessionslos. Noch vor zwei Jahren waren es erst zwischen 5% und 13%. Damit verlieren die etablierten Religionen bei den Befragten an Boden, finden aber immer noch Mehrheiten.

Die detaillierten Auswertungen der Studie, inklusive Infografiken, finden Sie unter:

www.credit-suisse.com/jugendbarometer 

Twitter

Auf Twitter findet die Diskussion rund um das Jugendbarometer 2016 unter dem Hashtag #jugendbarometer statt.

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Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 47‘180 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.

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