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Finma: Falcon wegen 1MDB-Verfehlungen sanktioniert Dienstag, 11. Oktober 2016 - 06:14

11. Oktober 2016
Medienmitteilung

Falcon wegen 1MDB-Verfehlungen sanktioniert

Falcon Private Bank AG hat aufgrund ungenügender Abklärungen von in der Schweiz, Singapur und Hongkong gebuchten Geschäftsbeziehungen und Transaktionen im Umfeld des malaysischen Staatsfonds 1MDB schwer gegen die Geldwäschereibestimmungen verstossen. Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA zieht unrechtmässig erzielten Gewinn von 2,5 Millionen Franken ein und verbietet der Bank neue Geschäftsbeziehungen mit politisch exponierten Personen aus dem Ausland für drei Jahre. Ausserdem droht der Bank im Wiederholungsfall der Entzug der Bewilligung. Gegen zwei ehemalige Funktionsträger der Bank hat die FINMA Enforcementverfahren eröffnet.

Die FINMA leitete Anfang 2016 aufgrund von Hinweisen auf Verstösse gegen die Schweizer Geldwäschereibestimmungen ein Enforcementverfahren gegen Falcon Private Bank AG (Falcon) ein. Die Verstösse standen im Zusammenhang mit Geschäftsbeziehungen und Transaktionen im Umfeld der mutmasslichen Korruptionsaffäre rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB. Der von der FINMA eingesetzte Untersuchungsbeauftragte analysierte Transaktionen, interne Prozesse und die Kontrollorganisation der Bank.

Falcon verletzte Sorgfaltspflichten in der Geldwäschereibekämpfung

Die FINMA hat ihr Enforcementverfahren gegen Falcon Anfang Oktober 2016 abgeschlossen. Dabei stellte sie bei Falcon im Untersuchungszeitraum der FINMA von 2012 bis Sommer 2015 schwerwiegende Mängel in der Geldwäschereibekämpfung und im Risikomanagement fest. In diesem Zeitraum beliefen sich die Vermögenswerte, die auf Konten bei Falcon im Umfeld der 1MDB-Gruppe überwiesen worden waren, auf insgesamt rund 3,8 Milliarden US-Dollar. Die Gelder flossen in der Regel rasch wieder ab. Die in der Schweiz sowie den Zweigniederlassungen Singapur und Hongkong gebuchten Geschäftsbeziehungen und Transaktionen waren für die Bank sowohl in ihrer Art als auch in ihrer Höhe ungewöhnlich und risikobehaftet. Trotz Hinweisen klärte die Bank aber im erwähnten Zeitraum die Geschäftsbeziehungen, insbesondere zu politisch exponierten Personen (PEP), sowie Transaktionen mit erhöhten Risiken wiederholt ungenügend ab und unterliess es, die Risiken angemessen zu analysieren und zu überwachen. Damit verstiess Falcon in schwerer Weise gegen die Anforderungen an die Gewähr für eine einwandfreie Geschäftstätigkeit.

Falcon klärte Transaktionen und Geschäftsbeziehungen mangelhaft ab

Die Bank führte mehrere Geschäftsbeziehungen mit Sitzgesellschaften der 1MDB-Gruppe. Sie führte Transaktionen im Umfang von rund 2,5 Milliarden US-Dollar über die Konten von zwei dieser Offshore-Gesellschaften aus. Die Bank klärte die Hintergründe und Risiken dieser komplexen Transaktionen in markanter Höhe mangelhaft ab. Weder hinterfragte noch plausibilisierte sie ausreichend die eingereichten Dokumente und Angaben zu einer angeblichen Finanzierung von Energieprojekten sowie den wirtschaftlichen Sinn und die Gegenleistung der umgehenden Weiterüberweisung von 1,3 Milliarden US-Dollar (Durchlauftransaktionen).

Falcon führte zudem eine Geschäftsbeziehung mit einem jungen malaysischen Geschäftsmann aus dem Umfeld von Regierungsverantwortlichen Malaysias. Die Bank überprüfte nicht, wie der Geschäftsmann innerhalb kürzester Zeit ein Vermögen von 135 Millionen US-Dollar hatte erwirtschaften können oder weshalb – im Widerspruch zu seinen Angaben bei der Kontoeröffnung – später insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar auf seine Konten transferiert wurden. Falcon klärte auch die wirtschaftlichen Gründe von Durchlauftransaktionen in der Höhe von 681 Millionen US-Dollar und die Rückzahlung sechs Monate später von 620 Millionen US-Dollar trotz widersprüchlichen Anhaltspunkten über diese Konten nicht ab. In einer Falcon-internen E-Mail wurde in diesem Zusammenhang festgehalten: „Wir haben vor sechs Monaten A gesagt, jetzt muss man auch B sagen – irgendwie“.

Interne Warnungen ignoriert

Verschiedene Mitarbeitende der Bank äusserten gegenüber den Vorgesetzten erhebliche Bedenken zur Geschäftsbeziehung mit dem malaysischen Geschäftsmann, da zahlreiche Verdachtsmomente vorlagen und zentrale Fragen unbeantwortet blieben. So stand beispielsweise in einer internen E-Mail anlässlich der Überweisung von 1,2 Milliarden US-Dollar: „We can’t find any reason/motivation/statement why this transaction has to pass through FPB [Falcon] and not from [Bank X] directly to the respective parties […].“ Diesen internen Hinweisen wurde aber nicht genügend nachgegangen.

Die Entscheidungsträger der Bank hatten von diesen internen Bedenken Kenntnis. Sie haben sich aber letztlich entschieden, die Transaktionen dennoch durchzuführen. Im Vordergrund ist stets die Bemühung gestanden, die Transaktionen termingerecht abzuwickeln. So mahnte ein Funktionsträger gegenüber der ausführenden Zweigniederlassung in Singapur: „Head Office is watching you“.

Verwaltungsratsmitglieder als Initianten der Geschäftsbeziehungen

Zwei Vertreter der Eigentümer der Bank im Verwaltungsrat initiierten die Geschäftsbeziehungen mit der 1MDB-Gruppe sowie mit den in ihrem Umfeld stehenden Personen. Die geschäftsführenden Verantwortlichen liessen deshalb diesen Geschäftsbeziehungen einen grossen Stellenwert zukommen und waren um deren reibungslosen Ablauf besorgt. Sie gingen nach eigenen Angaben davon aus, dass die beiden Verwaltungsratsmitglieder hinsichtlich dieser Geschäftsbeziehungen den Willen der Eigentümer der Bank vertraten. Die beiden Verwaltungsräte verfolgten aber eigene, illegitime Zwecke. Sie sind inzwischen nicht mehr im Verwaltungsrat der Bank. Die FINMA verfügt über keine Anhaltspunkte, dass andere Verwaltungsratsmitglieder von Falcon in diese Angelegenheiten involviert gewesen wären oder dass dieses Verhaltensmuster innerhalb der Bank weiter verbreitet war.

Falcon droht im Wiederholungsfall der Lizenzentzug

Die FINMA ergreift neben Massnahmen, die der Stärkung der Compliance und Corporate Governance dienen, folgende zusätzliche Massnahmen:

  • Die FINMA zieht den ungerechtfertigt erzielten Gewinn in der Höhe von 2,5 Millionen Franken ein.
  • Der Bank wird für drei Jahre verboten, neue Geschäftsbeziehungen mit ausländischen PEP einzugehen. Die FINMA kann dieses Verbot vorher aufheben, sobald die Bank über ein angemessenes Kontrollumfeld verfügt.
  • Der Bank wird für den Wiederholungsfall der Bewilligungsentzug angedroht.
  • Die Bank muss die Unabhängigkeit ihres Verwaltungsrats verstärken.
  • Die FINMA hat gegen zwei ehemalige Funktionsträger der Bank Enforcementverfahren eröffnet.

Die Bank hat zwischenzeitlich eine personelle Neuausrichtung im Verwaltungsrat und in der Geschäftsleitung vorgenommen. Das neue Management der Gruppe hat zudem bereits verschiedene Korrekturmassnahmen eingeleitet.

Gute Zusammenarbeit mit den Behörden im In- und Ausland

Die beschriebenen Transaktionen sind zwischen Banken aus verschiedenen Ländern und über mehrere Kontinente und Finanzplätze hinweg getätigt worden. Für ihre Untersuchungen ist die FINMA daher mit anderen Behörden in Kontakt gestanden, insbesondere mit der Bundesanwaltschaft in der Schweiz und der Finanzmarktaufsichtsbehörde in Singapur (Monetary Authority of Singapore MAS).

Der FINMA-Direktor Mark Branson unterstreicht: „Die Probleme rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB stellen einen der weltweit grössten Fälle von vermuteter Korruption der letzten Jahre dar. In diesem Zusammenhang wurde das globale Finanzsystem missbraucht: Verdächtige Milliarden-Transaktionen wurden über Banken in drei Kontinenten sowie über unterschiedliche Finanzplätze getätigt und dabei wurden klare Warnsignale übersehen. Involvierte Schweizer Banken werden von der FINMA untersucht und wo notwendig sanktioniert. Für das Wohl des Finanzsystems ist es zudem wichtig, dass mithilfe internationaler Zusammenarbeit alle involvierten Parteien zur Rechenschaft gezogen werden.“

Geldwäschereiprävention hat Priorität für FINMA

Die FINMA hat im Kontext des Falls 1MDB bei verschiedenen Schweizer Banken Abklärungen durchgeführt. Neben dem Verfahren gegen Falcon eröffnete die FINMA gegen fünf weitere Banken ebenfalls Verfahren. Im Mai 2016 hat die FINMA in Sachen 1MDB bereits ihr Verfahren gegen die Bank BSI abgeschlossen und die Auflösung der Bank angeordnet.

Die Geldwäschereiprävention hat einen sehr hohen Stellenwert für die Tätigkeit der FINMA. Über die letzten Jahre erliess die FINMA durchschnittlich mehr als zehn sanktionierende Enforcementverfügungen pro Jahr in diesem Bereich. Dabei ergriff sie Massnahmen, welche von der Auflösung einer Bank über den Bewilligungsentzug einer Treuhandgesellschaft bis zur Gewinneinziehungen reichten. Bei Beaufsichtigten setzte sie zudem Anpassungen von Governance-Strukturen durch oder schränkte neue Geschäftstätigkeiten erheblich ein. Wegen schweren Verletzungen der Sorgfaltspflichten sprach die FINMA in den letzten fünf Jahren zudem sechs Berufsverbote gegen Bankmanager aus und eröffnete dieses Jahr Enforcementverfahren gegen sechs weitere Funktionsträger von Banken, vier davon im Zusammenhang mit dem Fall 1MDB.

Kontakt

Vinzenz Mathys, Mediensprecher, Tel. +41 (0)31 327 19 77, vinzenz.mathys@finma.ch

Medienmitteilung

Falcon wegen 1MDB-Verfehlungen sanktioniert

Zuletzt geändert: 11.10.2016 Grösse: 0,18  MB
11 October 2016
Press release

Falcon sanctioned for 1MDB breaches

Falcon Private Bank Ltd. has seriously breached money laundering regulations by failing to carry out adequate background checks into transactions and business relationships associated with Malaysian sovereign wealth fund 1MDB which were booked in Switzerland, Singapore and Hong Kong. The Swiss Financial Market Supervisory Authority FINMA has ordered the disgorgement of illegally generated profits amounting to CHF 2.5 million and banned the bank from entering into business relationships with foreign politically exposed persons for a period of three years. Furthermore, the bank would have its licence withdrawn in the event of a further breach. FINMA has launched enforcement proceedings against two of the bank's former executives.

FINMA launched enforcement proceedings against Falcon Private Bank Ltd. (Falcon) at the beginning of 2016 based on evidence that Swiss money laundering regulations had been breached. The breaches in question relate to business relationships and transactions in the context of the alleged corruption scandal surrounding the Malaysian sovereign wealth fund 1MDB. An investigating agent appointed by FINMA analysed the transactions, internal processes and the bank's control organisation.

Falcon breached anti-money laundering due diligence requirements

FINMA concluded its enforcement proceedings against Falcon at the beginning of October 2016. In the period under investigation between 2012 and the summer of 2015, FINMA identified serious shortcomings in Falcon's anti-money laundering activities and in risk management. Assets amounting to approximately USD 3.8 billion were transferred to accounts at Falcon and associated with the 1MDB Group during that period. These funds were generally moved on quickly. The business relationships and transactions booked in Switzerland and at Falcon’s Singapore and Hong Kong branches were unusual and involved a high level of risk for the bank both through their nature and the amounts transacted. Although management’s attention was drawn to these matters, it repeatedly failed to properly investigate the business relationships, specifically those with politically exposed persons (PEPs), and high-risk transactions; it also failed to adequately analyse or monitor the risks involved. In doing so, Falcon was in serious breach of its duty to ensure proper business conduct.

Falcon failed to adequately check transactions and business relationships

The bank had a number of business relationships with domiciliary companies within the 1MDB Group and executed transactions amounting to approximately USD 2.5 billion via the accounts of two of these offshore companies. The bank failed to adequately check the background and risk profile of these complex transactions in sufficient depth. It did not sufficiently query or assess the plausibility of the proffered documents and information about the supposed financing of energy projects, nor did it question the commercial background of the USD 1.3 billion which was immediately transferred from one account to another (pass-through transactions).

Falcon also had a client relationship with a young Malaysian businessman with links to individuals in Malaysian government circles. The bank did not verify how this individual had been able to acquire assets of USD 135 million in an extremely short period of time or why a total of USD 1.2 billion was transferred to his accounts at a later date – a transaction which was clearly at variance with the information he had provided when opening the account. Falcon also failed to adequately investigate the commercial background to pass-through transactions amounting to USD 681 million and the repayment six months later of USD 620 million via these accounts despite conflicting evidence. In this context, an internal Falcon email states: "We started this six months ago and now we have to go through with it – somehow".

Internal warnings were ignored

A number of bank employees expressed serious concerns to their managers about the relationship with the Malaysian businessman because of numerous suspicious factors and key questions remaining unanswered. One internal email relating to the transfer of USD 1.2 billion states: "We can’t find any reason/motivation/statement why this transaction has to pass through FPB [Falcon] and not from [Bank X] directly to the respective parties […]." Nevertheless, these internal warnings were not followed up satisfactorily.

Although the bank's decision-makers were aware of these internal concerns, they decided to carry out the transactions. The focus was always on trying to process the transactions on time. One senior manager warned the Singapore branch carrying out the transactions: “Head Office is watching you”.

Members of the board of directors initiated the business relationships

Two representatives of the bank's owners who were on the board of directors initiated business relationships with the 1MDB Group and with individuals from their immediate circle. The managers responsible for these relationships therefore attached great significance to them and were concerned to ensure that they operated smoothly. According to their own statements, they assumed that the two board members represented the will of the bank's owners as far as these relationships were concerned. Both board members pursued their own illegitimate purposes. Neither of them is any longer on the bank’s board of directors. FINMA has no evidence that other members of Falcon's board were implicated in these matters or that this behaviour was widespread at the bank.

Falcon could have its licence withdrawn in the event of a recurrence

In addition to implementing measures to underpin the bank's compliance and corporate governance functions, FINMA has also taken the following steps:

  • FINMA has ordered the disgorgement of CHF 2.5 million in illegally generated profits.
  • The bank is prohibited from entering into new business relationships with foreign politically exposed persons (PEPs) for a period of three years. FINMA can lift this ban earlier once the bank has an adequate control environment in place.
  • The bank has been informed that it would lose its licence if there is any repetition of the offence.
  • The bank must strengthen the board of directors' independence.
  • FINMA has launched enforcement proceedings against two of the bank's former executive office holders.

The bank has overhauled the composition of its board of directors and executive board. In addition, the group's new management team has already implemented a range of corrective measures.

Successful cooperation with authorities in Switzerland and abroad

The transactions outlined above were executed between banks from a number of countries and across several continents and financial centres. FINMA was therefore in regular contact with other authorities, in particular the Office of the Attorney General in Switzerland and the Monetary Authority of Singapore (MAS).

FINMA CEO Mark Branson points out: “The issues surrounding 1MDB form one of the largest cases of suspected corruption in recent times. The global financial system has been blatantly misused. Suspect financial flows in the billions have been shifted through banks of multiple nationalities and financial centers on three continents, and warning signals ignored. Where Swiss banks or their foreign operations have played an unacceptable role, they will be sanctioned. It is equally important for the future health of the financial system that through close international cooperation all relevant parties are brought to justice.”  

FINMA prioritises prevention of money laundering

FINMA has conducted investigations at a number of Swiss banks in the context of the 1MDB case and launched proceedings against five other banks in addition to Falcon. FINMA concluded its proceedings against the BSI bank in relation to 1MDB in May 2016, ordering the bank to be dissolved.

FINMA attaches great importance to the prevention of money laundering and in recent years has issued on average more than ten enforcement rulings related to money laundering with corresponding sanctions. The measures imposed by FINMA have involved the dissolution of a bank, withdrawal of a fiduciary company’s licence and ordering the disgorgement of illegally generated profits. FINMA has also enforced changes to governance structures or substantially restricted new business activities. In the past five years, FINMA has also issued six industry bans to bank managers owing to breaches of anti-money laundering due diligence requirements and initiated enforcement proceedings against six other executive office holders at banks, four of which are linked with the 1MDB case.

Contact

Vinzenz Mathys, Media Spokesperson, Tel. +41 (0)31 327 19 77, vinzenz.mathys@finma.ch

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Falcon sanctioned for 1MDB breaches

Updated: 11.10.2016 Size: 0,18  MB