Credit Suisse: Sorgentrio der Schweizer Bevölkerung: Arbeitslosigkeit, Ausländer, Altersvorsorge Mittwoch, 30. November 2016 - 09:00
Jubiläumsausgabe – 40 Jahre Sorgenbarometer
Die Hauptsorgen der Schweizer Bevölkerung sind Arbeitslosigkeit, Ausländerfragen und die Altersvorsorge. Stärker in den Fokus gerückt sind Verkehrsfragen. Akzentuiert hat sich der Wunsch, die Bilateralen Verträge mit der EU fortzusetzen.
Seit 40 Jahren lässt die Credit Suisse Stimmbürgerinnen und Stimmbürger nach ihren Sorgen und nach wesentlichen Identitätsmerkmalen des Landes befragen. Dazu Lukas Golder, Co-Leiter von gfs.bern: «Die Idee, das Sorgenbarometer einzuführen, war visionär.»
Wie seit über zehn Jahren wird auch dieses Jahr die Arbeitslosigkeit – inklusive Jugendarbeitslosigkeit – als wichtigste Sorge eingestuft: 45 Prozent der Befragten und damit deutlich weniger als im Vorjahr und im langjährigen Durchschnitt nannten sie als eine der Hauptsorgen. Neben der Altersvorsorge (28%) zählt seit 2012 das Verhältnis zu den Ausländerinnen und Ausländern im Allgemeinen (36%) und zu den Flüchtlingen (26%) im Speziellen zu den Hauptsorgen. Dazu Dr. René Buholzer, Leiter Politik und Nachhaltigkeit der Credit Suisse: «Es lässt sich eine zunehmende Heterogenität der Sorgen beobachten: Früher gab es zwei bis drei Hauptsorgen, die vom grössten Teil der Befragten genannt wurden. Heute haben diese an Zuspruch verloren, dafür sind viele kleine Sorgen dazugekommen.»
Einen Sprung in die zehn meistgenannten Sorgen hat das Thema Verkehr geschafft. Soll die Bahn aus ökologischen Gründen bevorteilt werden oder sind Schiene und Strasse strikt gleich zu behandeln? Diese Frage wurde im Zusammenhang mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels heftig diskutiert. Nach der Ablehnung der Initiative «Für eine faire Verkehrsfinanzierung» («Milchkuhinitiative») geht es bereits im Februar 2017 weiter mit der Abstimmung über den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF). Etwas in den Hintergrund gerückt ist die Angst um ein Wiederaufflammen der Eurokrise und der damit verbundene Druck auf den Schweizer Franken.
Hohes Vertrauen in Politik und Wirtschaft
Das grösste Vertrauen geniessen in der Schweizer Bevölkerung traditionsgemäss das Bundesgericht und die Polizei. Die Akzeptanz der politischen Entscheidungsträger hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dieses Jahr können sich Ständerat und Bundesrat auf ein besonders hohes Vertrauen abstützen. Den deutlichsten Vertrauensgewinn, teilweise allerdings von einem relativ tiefen Niveau aus, realisierten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen, NGOs, die Europäische Union sowie Gratiszeitungen. Dazu Dr. René Buholzer: «Wie bei den Sorgen lässt sich auch beim Vertrauen eine Konvergenz beobachten. Die Unterschiede sind kleiner geworden – alle Akteure werden von einer absoluten Mehrheit als vertrauenswürdig beurteilt.»
Schweiz profitiert von Neutralität und Qualität
Als Hauptstärken des Landes bezeichnen die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Schweizer Qualität, die Bildung sowie die Neutralität. Letztere zählt neben Sicherheit und Frieden sowie der Landschaft auch zu den wichtigsten Merkmalen der Schweiz. Sahen die Schweizerinnen und Schweizer die Identität des Landes früher fast ausschliesslich durch Faktoren von aussen gefährdet, so nehmen sie nun die Probleme im Landesinneren als vergleichbare Bedrohung wahr. 33 Prozent erachten die Identität durch die Einwanderung als «sehr gefährdet», 31% durch zunehmenden Egoismus in der Schweiz und je 22% durch die EU beziehungsweise die politische Polarisierung im eigenen Land.
Hohes Ansehen im Ausland
Mehr als die Hälfte der Befragten sind der Meinung, das Ansehen der Schweiz im Ausland habe sich im letzten Jahr verbessert. Dementsprechend bezeichnen 92 Prozent das Image im Ausland als eher gut (54%) oder sogar sehr gut (38%). Diese Einschätzung gründet nicht zuletzt auf einem wirtschaftlichen Vergleich: 97% sehen die Schweizer Wirtschaft im Vergleich zum Ausland im Vorteil, dabei bezeichnen sie 28% als sehr gut und 69% als eher gut. Für 18% der Bevölkerung hat sich die allgemeine wirtschaftliche Lage im letzten Jahr verbessert, für 63% ist sie immerhin gleichgeblieben. Die eigene wirtschaftliche Situation wird sogar noch etwas besser eingestuft: für 19% ist sie besser geworden, für 73% gleich geblieben.
Klares Bekenntnis zu den Bilateralen Verträgen
In Bezug auf das künftige Verhältnis zur Europäischen Union sagt Dr. René Buholzer: «Die Meinungsbildung in der Bevölkerung ist weit vorangeschritten. Der Wunsch, die Bilateralen Verträge fortzusetzen, hat sich dieses Jahr akzentuiert.» 81 Prozent sind in erster oder zweiter Priorität für die Bilateralen Verträge, während für 19% eine Kündigung der Bilateralen eine Option ist. 10% sind für einen Beitritt zur EU. Eine vergleichsweise hohe Akzeptanz hätte ein Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum (50%). Die Zahl der Unentschlossenen (7%) ist in dieser Frage deutlich zurückgegangen.
Die zehn wichtigsten Erkenntnisse des Credit Suisse Sorgenbarometer 2016
- Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit bleiben weiterhin die Hauptsorge der Schweizerinnen und Schweizer, im Gegensatz zum langjährigen Durchschnitt aber nicht mehr für eine Bevölkerungsmehrheit.
- Ausländer- beziehungsweise Flüchtlings- und Asylfragen sind ebenfalls Hauptsorgen, doch ist es trotz der Diskussionen um die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative und der weltweiten Flüchtlingswellen zu keiner Akzentuierung gekommen.
- Die Altersvorsorge wird von weniger Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern als in den Vorjahren als eine Hauptsorge angesehen. Bei der Frage nach dem dringendsten Problem und den künftigen Problemen liegt die AHV aber an der Spitze.
- Der Wille, das Verhältnis zur Europäischen Union durch die Fortsetzung der Bilateralen Verträge zu regeln, hat sich verstärkt.
- Bundesgericht und Polizei geniessen weiterhin das höchste Vertrauen der Schweizerinnen und Schweizer.
- Der in den letzten Jahren errungene Vertrauenszuwachs der Politik bleibt erhalten. Erstmals liegt der Ständerat vor dem Bundesrat.
- Neutralität, Qualität und Bildung sind die Hauptstärken der Schweiz.
- Sicherheit/Frieden, Neutralität und Landschaft sind die Hauptmerkmale des Landes.
- Die Schweiz geniesst nach Einschätzung ihrer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Ausland ein sehr hohes Ansehen, was auf einer starken Wirtschaft gründet und zu einem selbstbewussten politischen Auftreten führen sollte.
- Die eigene und die allgemeine wirtschaftliche Situation werden mehrheitlich positiv und mit Blick auf die Zukunft optimistisch eingeschätzt.
Sorgenbarometer: repräsentative Umfrage
Welches sind die grössten Sorgen der Schweizerinnen und Schweizer? Und wie steht es um das Vertrauen in die Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft? Diesen Fragen geht die Credit Suisse seit nunmehr 40 Jahren in ihrer jährlichen Sorgenbarometer- und Identitätsbarometer-Umfrage nach. Zwischen dem 4. und 23. Juli 2016 befragte das Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse 1010 Stimmberechtigte in der ganzen Schweiz unter anderem nach deren Sorgen. Die Befragten konnten aus einer Auswahl von 37 Sorgen die fünf wichtigsten auswählen.
Das Bulletin der Credit Suisse präsentiert dieses Jahr nicht nur die wichtigsten aktuellen Resultate, sondern schildert anhand der Sorgenbarometerumfragen seit 1976 eine ausführliche Geschichte der Schweizer Befindlichkeit.
Die detaillierten Auswertungen der Studie, inklusive Infografiken, finden Sie unter: www.credit-suisse.com/sorgenbarometer
Bitte nutzen Sie bei der Verwendung der Resultate jeweils den Begriff «Credit Suisse Sorgenbarometer».
Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse (nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung, umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa 47’690 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG, der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter www.credit-suisse.com.
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