Credit Suisse Wohneigentumspreise: Das Ende einer Ära Donnerstag, 08. Juni 2017 - 09:30
Die fast eineinhalb Jahrzehnte dauernde Ära steigender
Wohneigentumspreise scheint beendet. In den nächsten Quartalen rechnen
die Immobilienökonomen der Credit Suisse mit einer Preisstagnation.
Einfamilienhäuser dürften beim Preiswachstum gegenüber
Eigentumswohnungen die Nase vorn haben. Weiter zeigen die
Immobilienmarktexperten der Credit Suisse auf, wie sich die
Immobilienvermarktung mit Augmented und Virtual Reality derzeit neu
erfindet. Was vorerst als digitale Spielerei erscheinen mag, hat
längerfristig das Potenzial, die Transaktionskosten zu senken und die
Risiken von Immobilienentwicklungen zu reduzieren. Mit Risiken ist auch
der Nutzer von Immobilienbewertungen konfrontiert. Die Ökonomen der
Credit Suisse stellen eine Methode vor, welche die möglichen
Abweichungen vom Schätzwert quantifizieren kann und damit dem Investor
Zusatzinformationen liefert.
Die Zeiten stetigen Preisauftriebs von Wohneigentum gehören der
Vergangenheit an. Ende 2016 lagen die Preise für Wohneigentum erstmals
unter den Vorjahreswerten. Ausserordentlich lange 14 Jahre hat der
Preisauftrieb gedauert. Das hohe Preisniveau und die gestiegenen
Finanzierungshürden haben dazu geführt, dass sich mittlerweile der Traum
von den eigenen vier Wänden für immer weniger Schweizer Haushalte
realisieren lässt. Deshalb ist die Nachfrage gesunken und das
Preiswachstum zum Erliegen gekommen. Die Immobilienökonomen der Credit
Suisse erwarten in den kommenden Quartalen in der Folge eine Stagnation
der Preise von Wohneigentum. Vor dem Hintergrund happiger Preissprünge
in der Vergangenheit und der ab 2010 immer lauter geäusserten Ängste vor
einer erneuten Immobilienkrise in der Schweiz entspricht die jüngste
Entwicklung dem Wunschergebnis der Regulatoren. Beruhigt hat sich auch
die Vergabe von Hypothekarkrediten. Das Wachstum des Hypothekarvolumens
liegt heute trotz rekordtiefen Zinsen so tief wie Ende der
Neunzigerjahre, als die langjährige Preishausse zaghaft ihren Anfang
nahm.
Preisentwicklung: Einfamilienhäuser im Vorteil
Über lange Zeit hinweg wiesen Eigentumswohnungen höhere Preissteigerungen als Einfamilienhäuser aus. Dem ist nicht mehr so. In den letzten vier Quartalen sind die Preise von mittleren Eigentumswohnungen in der Schweiz spürbar gesunken, wohingegen mittlere Einfamilienhäuser noch ein knapp positives Preiswachstum aufwiesen. Als Hauptgrund für diese veränderte Ausgangslage identifizieren die Immobilienspezialisten der Credit Suisse die Verlagerung der Wohneigentumsnachfrage von den unerschwinglich gewordenen Zentren in die Peripherie und das Ausbleiben der Nachfrage seitens der Schwellenhaushalte. Die geringere Nachfrage nach Eigentumswohnungen widerspiegelt sich auch in einer verminderten Projektierung von Stockwerkeigentum. In den letzten 12 Monaten wurden 18% weniger Eigentumswohnungen bewilligt als im Vorjahreszeitraum.
Immobilien werden mobil
Die Digitalisierung hinterlässt auch im Immobilienwesen zunehmend Spuren. Sie verändert die Geschäftsmodelle von Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Bau bis zur Bewirtschaftung der Immobilien. So erfindet sich aktuell die Immobilienvermarktung neu – mit der Anwendung von Augmented und Virtual Reality. Ein Mix aus Video, Fotographie und 3D-Renderings macht es möglich, eine virtuelle Welt zu erschaffen. Die Immobilien werden damit jederzeit für alle Interessenten begehbar, und die Reisezeiten und -kosten für Kunden und Makler entfallen. Die Immobilienspezialisten der Credit Suisse sehen ein grosse Potenzial in diesen Technologien. Der Immobilienmarkt könnte zu einem der lukrativsten Anwendungsbereiche von Virtual Reality werden.
Vernachlässigte Unsicherheiten in Immobilienbewertungen als Risikofaktor
Dank stärkerer Computerleistung und anwenderfreundlicheren Programmen dürfte sich auch die Immobilienbewertung verändern. Im DCF-Verfahren, das sich bei der Bewertung von Immobilien etabliert hat, wird der Einfachheit halber die Unsicherheit, ob die prognostizierten Eingabegrössen in Zukunft auch wirklich eintreffen, vernachlässigt. Die Schätzwerte tragen dieser Unsicherheit entsprechend zu wenig Rechnung und sind folglich mit einer Scheinsicherheit behaftet. Mit Monte-Carlo-Simulationen stellen die Immobilienökonomen der Credit Suisse eine Methode vor, bei der rechnergestützt Tausende verschiedene Zukunftskonstellationen berücksichtigt werden können und der Schätzwert in Form einer Verteilung wiedergegeben wird. Die resultierenden Informationen über mögliche Abweichungen vom erwarteten Wert helfen dem Investor, die Risiken besser abzuschätzen.
Abbildung: Stabilere Preisentwicklung bei Einfamilienhäuser
Wachstum der Transaktionspreise (mittleres Segment) im 1. Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal
Quelle: Wüest Partner, Geostat
Die vollständige Studie «Immobilienmonitor Schweiz 2. Quartal 2017: Das Ende einer Ära» finden Sie im Internet unter: www.credit-suisse.com/immobilien
Credit Suisse AG
Die Credit Suisse AG ist einer der weltweit führenden
Finanzdienstleister und gehört zur Unternehmensgruppe der Credit Suisse
(nachfolgend «die Credit Suisse»). Als integrierte Bank kann die Credit
Suisse ihren Kunden ihre Expertise aus Private Banking, Investment
Banking und Asset Management aus einer Hand anbieten. Die Credit Suisse
bietet Unternehmen, institutionellen Kunden und vermögenden Privatkunden
weltweit sowie Retailkunden in der Schweiz fachspezifische Beratung,
umfassende Lösungen und innovative Produkte. Die Credit Suisse mit
Hauptsitz in Zürich ist in über 50 Ländern tätig und beschäftigt etwa
46‘640 Mitarbeitende. Die Namenaktien (CSGN) der Credit Suisse Group AG,
der Muttergesellschaft der Credit Suisse, sind in der Schweiz sowie, in
Form von American Depositary Shares (CS), in New York kotiert. Weitere
Informationen über die Credit Suisse finden Sie unter
www.credit-suisse.com.
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