Huber+Suhner Aktionärsbrief: Dynamisches Wachstum im ersten Halbjahr – tiefere Profitabilität, jedoch innerhalb des mittelfristigen Zielbandes – positive Signale aus strategischen Wachstumsinitiativen Dienstag, 22. August 2017 - 07:07
Aktionärsbrief
Dynamisches Wachstum im ersten Halbjahr – tiefere Profitabilität, jedoch innerhalb des mittelfristigen Zielbandes – positive Signale aus strategischen Wachstumsinitiativen
Das erste Halbjahr zeichnete für HUBER+SUHNER ein gemischtes Bild: Einer markanten Zunahme des Umsatzes stand – im Vergleich mit der sehr starken Vorjahresperiode – eine etwas tiefere Profitabilität gegenüber. Die Geschäftsbereiche Hochfrequenz und Fiberoptik legten in Auftragseingang und Umsatz wiederum zu, während die Niederfrequenz im Auftragseingang den stärksten Zuwachs verzeichnete, im Umsatz jedoch erwartungsgemäss hinter dem Wert der Vorjahresperiode zurückblieb.
Der Auftragseingang wuchs stark auf CHF 425.1 Mio. (+9.5 %), der Umsatz erhöhte sich ebenfalls dynamisch auf CHF 410.7 Mio. (+7.7 %). Der EBIT ging aufgrund von Investitionen in die Zukunft, Kosten im Zusammenhang mit dem Ausstieg aus dem europäischen Build-to-print-Bahnkabelsystemgeschäft und einem ungünstigen Produktemix auf CHF 32.8 Mio. zurück (−21.8 %). Mit einer EBIT-Marge von 8.0 % (VJ 11.0 %) wurde das mittelfristige Zielband von 8-10 % knapp erreicht. Der Konzerngewinn lag mit CHF 23.9 Mio. (VJ CHF 33.0 Mio.) um 27.5 % unter dem Wert der Vorjahresperiode, die Umsatzgewinnrate betrug 5.8 %.
Der Umsatz wuchs in allen drei Hauptregionen. Am dynamischsten entwickelte sich dabei das Geschäft mit Kunden der Region APAC mit einem Zuwachs von 18 %. Sie machten bereits 39 % des Gruppenumsatzes aus. Das deutliche Wachstum in Asien war vor allem auf höhere Marktanteile mit Schlüsselkunden im Kommunikationsmarkt zurückzuführen. Grossprojekte in diesem Markt waren jedoch von unterdurchschnittlichen Margen geprägt.
Massnahmen wurden eingeleitet, um in den kompetitiven Märkten Kommunikation und Bahn einen höheren Ergebnisbeitrag zu erwirtschaften. Positives lässt sich zu getätigten Investitionen in neue Wachstumsfelder vermelden, die entschieden vorangetrieben wurden. In allen Schlüsselmärkten wurden Fortschritte erzielt, wovon zukunftsgerichtete Projekte mit möglichen Neukunden und erste Aufträge zeugen.
Das um Währungs-und Kupfereinfluss (+0.3 %) sowie Portfolioeffekte (+2.2 %) bereinigte Umsatzwachstum betrug 5.2 %. Die gegenüber der Vorjahresperiode stärkere Zunahme des Auftragseingangs gegenüber dem Umsatz führte zu einer leichten Erhöhung der Book-to-Bill-Rate auf 1.04 (VJ 1.02). Die gezielten Vorinvestitionen in Chancen mit Wachstumspotenzial sowie der Ausbau der Produktionskapazitäten an verschiedenen Fertigungsstandorten führten zu einem Anstieg des Personalbestands auf 4 241 (VJ 3 942). Wie bereits kommuniziert, hat der Verwaltungsrat entschieden, die Rechnungslegung per 1. Januar 2017 von IFRS auf Swiss GAAP FER umzustellen. Die Halbjahresrechnung 2017 wurde erstmals nach den Bestimmungen der Swiss GAAP FER erstellt.
Kommunikation und Industrie wuchsen deutlich, Transport mit erwartetem Rückgang im Bahnen- und Zuwachs im Wachstumsmarkt Automotive
Der Markt Kommunikation trug erneut am stärksten zur positiven Umsatzentwicklung bei. Das erfreuliche Wachstum von 14.7 % war massgeblich durch Kundenprojekte mit grossen Kommunikationsausrüstern getrieben, unterstützt von einem markanten Zuwachs im Segment Rechenzentren. Im Markt Transport (−4.2 %) konnte der Umsatzanstieg des Automobilbereichs den Rückgang im Bahngeschäft nur teilweise aufwiegen. In allen industriellen Hightech-Nischen stiegen die Umsätze und sorgten für ein Wachstum im Industriemarkt von 6.7 %.
Hochfrequenz blieb auf Wachstumspfad und hielt EBIT-Marge hoch
Mit einem Anstieg des Auftragseingangs um 8.9 % auf CHF 123.1 Mio. und des Umsatzes um 7.0 % auf CHF 118.1 Mio. entwickelte sich der Geschäftsbereich Hochfrequenz sehr stark. Es resultierte eine hohe EBIT-Marge von 13.1 % bzw. ein EBIT von CHF 15.5 Mio. Zu diesem erfolgreichen ersten Halbjahr trugen die Marktsegmente Luft-, Raumfahrt und Wehrtechnik sowie Mess- und Prüftechnik bei. Hier unterstrich ein verstärktes Interesse für Radarsensoren und Hochfrequenzverbindungen die unaufhaltsame Entwicklung hin zum Wachstumstrend autonomes Fahren. Die zunehmende Ausrüstung von Bahnen mit Bord-WLAN wirkte sich ebenfalls positiv aus.
Fiberoptik-Umsatz nochmals höher – verstärkter Margendruck
Auch im ersten Halbjahr 2017 wuchs in der Fiberoptik der Umsatz sehr dynamisch und erreichte CHF 186.4 Mio. (+18.2 %). Der Auftragseingang nahm um 6.7 % auf CHF 181.7 Mio. zu. Dazu trug der beständige Ausbau der Mobilfunknetze auf den 4G/LTE-Standard in preissensitiven Schwellenländern wie Indien wesentlich bei. Positiv entwickelte sich auch das Geschäft im Segment Rechenzentren, wo weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial zu erwarten ist und entsprechend investiert wurde. Zum erneuten Umsatzanstieg trugen auch die beiden Technologieakquisitionen Cube Optics und Polatis bei. Die erfreuliche Entwicklung auf der Umsatzseite konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Preisdruck auf Grossprojekten im Kommunikationsmarkt die Margen reduzierte. Der EBIT ging zurück auf CHF 16.2 Mio. (−28.1 %), die EBIT-Marge auf 8.7 %.
Niederfrequenz knapp in der Gewinnzone – positive Signale auf der Auftragsseite
Die Umsatzentwicklung des Geschäftsbereichs Niederfrequenz blieb im ersten Halbjahr mit einem Minus von 6.2 % auf gerade noch CHF 106.2 Mio. abermals deutlich hinter dem Vorjahr zurück, was aufgrund des tiefen Auftragseingangs im zweiten Halbjahr 2016 absehbar war. Der EBIT betrug CHF 0.5 Mio., was einer EBIT-Marge von 0.4 % entspricht. Erfreulich entwickelte sich hingegen der Auftragseingang: Mit CHF 120.3 Mio. lag er um 14.4 % über dem Wert der Vorjahresperiode. Diese positive Entwicklung war einem wiedererstarkten Bahnmarkt in Asien zu verdanken. Für die nach wie vor ungenügende Profitabilität in diesem Geschäftsbereich war das schwierige Kabelsystemgeschäft mit europäischen Bahnkunden verantwortlich. Im ersten Halbjahr eingeleitete Restrukturierungsmassnahmen belasteten das Ergebnis, werden ihre positive Wirkung jedoch im zweiten Halbjahr entfalten. Nach dem Bilanzstichtag wurde im Rahmen einer strategischen Bereinigung das aus Polen betriebene Geschäft mit Build-to-print-Bahnkabelsystemen verkauft. Die Vorinvestitionen im Markt Automotive begannen sich vorteilhaft auszuwirken, z. B. mit Zulassungen von Herstellern von Elektrofahrzeugen im Bereich der Hochvoltsysteme. Erwähnenswert ist zudem der Gewinn des Innovationspreises des europäischen Verbands der Automobilzulieferer CLEPA für das RADOX® HPC Schnellladesystem.
Ausblick
Im Vergleich zum sehr dynamischen ersten Halbjahr, dem insbesondere das Kundenprojekt zum Ausbau des Mobilfunknetzes in Indien aussergewöhnlichen Schub verlieh, ist für das zweite Halbjahr von einem etwas geringeren Geschäftsvolumen auszugehen. Deshalb rechnet HUBER+SUHNER – bei vergleichbarer Währungssituation – für 2017 mit einem Umsatzwachstum von rund 5 % gegenüber Vorjahr. Die EBIT-Marge dürfte sich in der unteren Hälfte des mittelfristigen Zielbandes von 8-10 % bewegen.
Urs Kaufmann Urs Ryffel
Präsident des Verwaltungsrates CEO
