Obinutuzumab (GA101) von Roche reduziert signifikant Progressions- und Sterberisiko bei Patienten mit einer der häufigsten Formen von Blutkrebs Donnerstag, 16. Mai 2013 - 00:01
Medienmitteilung
Basel, 16. Mai 2013
Obinutuzumab (GA101) von Roche reduziert signifikant Progressions- und Sterberisiko bei Patienten mit einer der häufigsten Formen von Blutkrebs
- Phase-III-Daten der Studie CLL11 werden an der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt
- GA101 plus Chlorambucil hat die Zeit, während der die Erkrankung nicht weiter fortschritt, mehr als verdoppelt, verglichen mit Chlorambucil allein
- GA101 wurde von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde (FDA) der Status des Therapiedurchbruchs (Breakthrough Therapy Designation) attestiert
Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) gab heute die ersten Resultate der Studie CLL11 mit dem Wirkstoff GA101 bekannt. Diese Phase-III-Studie wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) durchgeführt. Die Studie CLL11 verglich die Kombination von GA101 oder MabThera/Rituxan (Rituximab) mit Chlorambucil – einer Standardchemotherapie – mit Chlorambucil allein bei chronischer lymphatischer Leukämie (CLL). CLL ist eine der häufigsten Formen von Blutkrebs, der weltweit jedes Jahr zirka 75 000 Menschen zum Opfer fallen. In die CLL11-Studie wurden ältere Patienten mit zuvor unbehandelter CLL aufgenommen, die häufig verfügbare aggressive Standardtherapien für CLL nicht vertragen.
Sandra Horning, globale Leiterin der klinischen Entwicklung im Bereich Hämatologie/Onkologie: „Patienten mit CLL, insbesondere betagte Personen sowie Patienten mit zusätzlichen medizinischen Komplikationen, brauchen neue Behandlungsmöglichkeiten. Als frühere praktizierende Hämatologin bin ich überzeugt, dass GA101 eine Behandlungsalternative für Patienten mit CLL werden kann. Wir werden in Zusammenarbeit mit der FDA und Gesundheitsbehörden weltweit darauf hin arbeiten, GA101 diesen Patienten zugänglich zu machen.“
GA101 zeigte in Kombination mit Chlorambucil eine signifikante 86-prozentige Reduktion des Risikos für Krankheitsprogression, Rückfall oder Tod. Ausserdem wurde die Zeit, während der die Krankheit nicht weiter fortschritt (medianes progressionsfreies Überleben, PFS), mehr als verdoppelt (23 Monate gegenüber 10,9 Monaten, HR=0,14, 95%-KI 0,09-0,21, p<0,0001) verglichen mit Chlorambucil allein. Die vollständigen Daten, einschliesslich des Vergleichs von MabThera/Rituxan plus Chlorambucil mit Chlorambucil allein, werden in einem Vortrag an der 49. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago am Dienstag, 4. Juni, vorgestellt.
„Roche hat wesentliche Beiträge zur Revolutionierung der Blutkrebsbehandlung geleistet. Unser Ziel bei der Entwicklung von GA101 war ein spezieller Antikörper, der sowohl Krebszellen direkt abtötet als auch die körpereigenen Immunzellen des Patienten dazu stimuliert, die Krebszellen zu bekämpfen“, so Pablo Umaña, Geschäftsführer von Roche Glycart AG.
GA101 ist das erste im Glycoengineering-Verfahren hergestellte Typ-II-Anti-CD20-Medikament. Bei GA101 wurden bestimmte Zuckermoleküle modifiziert (mittels GlycoMAb-Technologie), um in Wechselwirkung mit den körpereigenen Immunzellen, das Immunsystem bei der Beseitigung von Krebszellen aus dem Körper zu unterstützen. Ausserdem bindet GA101 als Anti-CD20-Antikörper vom Typ II an das Oberflächenmolekül CD20, um Krebszellen direkt abzutöten.
Gestützt auf die CLL11-Daten wurden Zulassungsgesuche bei Arzneimittelbehörden eingereicht, darunter auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die amerikanische Food and Drug Administration (FDA).
Die FDA hat GA101 einen Status als „Breakthrough Therapy Designation“ zugeteilt. Dieser Status soll die Entwicklung und Prüfung von Medikamenten, die für die Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen vorgesehen sind, beschleunigen und sicherstellen, dass die Patienten durch die FDA-Zulassung so schnell wie möglich Zugang zu diesen Medikamenten erhalten.
Über die CLL11-Studie
Bei CLL11 handelt es sich um eine multizentrische, offene, randomisierte, dreiarmige Phase-III-Studie bei 781 zuvor unbehandelten Patienten mit CLL und Begleiterkrankungen zur Untersuchung des Sicherheits- und Wirksamkeitsprofils von GA101 kombiniert mit Chlorambucil oder MabThera/Rituxan plus Chlorambucil verglichen mit Chlorambucil allein. In die aktuelle Analyse wurden 589 Patienten einbezogen. Weitere 192 Patienten wurden für den demnächst vorgesehenen direkten Vergleich zwischen GA101 und MabThera/Rituxan jeweils in Kombination mit Chlorambucil in die Studie aufgenommen. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen CLL-Studiengruppe (DCLLSG) durchgeführt. Der primäre Endpunkt der Studie war das progressionsfreie Überleben (PFS). Sekundäre Endpunkte waren die Gesamtansprechrate (ORR), Gesamtüberleben (OS), krankheitsfreies Überleben (DFS), minimale Resterkrankung (MRD) und das Sicherheitsprofil. Im Einzelnen zeigen die CLL11-Daten, die an der ASCO-Tagung präsentiert werden:
- Die Zugabe von GA101 zu Chlorambucil führte zu einer statistisch signifikanten Reduktion des Risikos für das Fortschreiten der Erkrankung bzw. das Sterberisiko von 86 Prozent (HR=0,14; p-Wert <0,0001).
- Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) verbesserte sich um mehr als ein Jahr von 10,9 Monaten für Chlorambucil allein auf 23 Monate für GA101 plus Chlorambucil (siehe ** in Tabelle 1 unten).
- Die Zugabe von MabThera/Rituxan zu Chlorambucil reduzierte während der Nachbeobachtungsphase der Studie signifikant das Risiko für das Fortschreiten der Erkrankung bzw. das Sterberisiko um 68 Prozent (HR=0,32; p-Wert <0,0001).
- Das mediane PFS betrug 10,8 Monate für Chlorambucil verglichen mit 15,7 Monaten für MabThera/Rituxan plus Chlorambucil.
- Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann noch kein formaler Vergleich zwischen den GA101- und MabThera/Rituxan-Armen durchgeführt werden, da die Anzahl der PFS-Ereignisse, die für diese formale Analyse erforderlich ist, noch nicht erreicht wurde.
- Weder für GA101 noch für MabThera/Rituxan wurden neue Sicherheitssignale beobachtet. Die häufigsten Nebenwirkungen der Schweregrade 3/4 unter GA101 waren infusionsbedingte Reaktionen (IRR) und eine erniedrigte Zahl bestimmter weisser Blutkörperchen (Neutropenie). Die Häufigkeit und der Schweregrad von IRR nahmen nach der ersten Infusion drastisch ab, und nach der ersten Infusion wurden keine schwerwiegenden IRR mehr beobachtet. Die häufigsten Nebenwirkungen werden in Tabelle 1 unten zusammengefasst.
- Die häufigsten Nebenwirkungen im MabThera/Rituxan-Arm waren Infektionen und Neutropenie, wie Tabelle 1 zeigt.
Tabelle 1: Zusammenfassung der wichtigsten Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten

Über GA101
GA101 ist ein Prüfmedikament, das einerseits das Immunsystem des Körpers stimuliert und andererseits Krebszellen mit einem bestimmten Marker auf ihrer Oberfläche selbst direkt bekämpft. GA101 wird zurzeit in einem breit angelegten klinischen Entwicklungsprogramm geprüft, darunter mehrere Phase-III-Studien zum direkten Vergleich mit MabThera/Rituxan bei indolentem Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) und diffusem grosszelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL).
Roche Glycart AG gehört vollständig zur Roche-Gruppe und ist eine unabhängige Forschungseinheit der Abteilung Roche Pharma Research and Early Development.
Über Roche in der Hämatologie
Roche entwickelt seit über 20 Jahren Medikamente, die neue Behandlungsmassstäbe in der Hämatologie setzen. Heute investieren wir mehr als je zuvor in unser Bestreben, innovative Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Blutkrebs zu entwickeln.
Neben GA101 hat Roche weitere potenzielle Medikamente für die Behandlung von Blutkrebs in der Entwicklung, darunter zwei Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Anti-CD79b [RG7596] und Anti-CD22 [RG7593]), ein kleinmolekularer Antagonist von MDM2 (RG7112) und in Zusammenarbeit mit AbbVie ein kleines Molekül als BCL-2-Hemmer (RG7601/GDC-0199).
Über Roche
Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ein führendes, forschungsorientiertes Unternehmen, ist spezialisiert auf die beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics. Als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen entwickelt Roche klinisch differenzierte Medikamente für die Onkologie, Infektionskrankheiten, Entzündungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie neurologische Erkrankungen. Roche ist führend im Diabetesmanagement und auch der weltweit bedeutendste Anbieter von In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind das strategische Ziel der personalisierten Medizin von Roche. 2012 beschäftigte Roche weltweit über 82’000 Mitarbeitende und investierte mehr als 8 Milliarden Franken in die Forschung und Entwicklung. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 45,5 Milliarden Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan. Weitere Informationen finden Sie unter www.roche.com.
Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.

