KOF - Breit abgestützter Aufschwung Mittwoch, 28. März 2018 - 10:06
28.03.2018 | Medienmitteilung
Die Schweizer Wirtschaft befindet sich in einem Aufschwung. In diesem Jahr erreicht sie eine hohe BIP-Wachstumsrate von 2.5%; auch für 2019 rechnet die KOF mit einer relativ günstigen Wirtschaftsentwicklung. Allerdings geht ein Teil des Anstiegs auf Lizenzeinnahmen aus Sportveranstaltungen zurück, die wenig mit der eigentlichen Konjunkturentwicklung zu tun haben. Erfreulich ist die Arbeitsmarktentwicklung: Die Arbeitslosenquote sinkt leicht. Die Inflation dreht langsam in den positiven Bereich.
Das internationale Umfeld
Das vergangene Jahr kann als ein erfolgreiches Jahr für die Weltwirtschaft bezeichnet werden, auch wenn der Aufschwung gegen Ende des letzten Jahres etwas an Dynamik eingebüsst hat. Der Welthandel nahm 2017 um deutliche 4.5% zu, nach einer fünfjährigen Periode mit Wachstumsraten um die 2%. Die Preise für Energieträger und sonstige Rohstoffe zogen im Verlauf des Jahres an, ohne die Konsumentenpreise stark zu tangieren. Für das laufende Jahr ist zu erwarten, dass die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen etwa im gleichen Ausmass wie im letzten Jahr anheben wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte den Nettoankauf von Anleihen in diesem Jahr auf null zurückfahren, den ersten Zinsschritt aber erst im kommenden Jahr durchführen. Die KOF rechnet damit, dass die starke Dynamik der Weltwirtschaft im Prognoseverlauf graduell abnehmen wird.
Die Schweizer Konjunkturentwicklung
Die Wirtschaftsentwicklung in der Schweiz verläuft zurzeit äusserst
erfreulich. Sowohl die auslands- als auch die binnenorientierten
Sektoren wachsen stark. Die KOF sieht als Hauptgründe dieser positiven
Entwicklung die verbesserte wirtschaftliche Lage der wichtigsten
Handelspartner sowie den gegenüber dem Euro schwächeren Franken.
Letzteres hatte vor allem zur Folge, dass die exportierenden Unternehmen
ihre Margen steigern konnten. Die KOF erwartet für das laufende Jahr
eine gegenüber der letzten Prognose vom Dezember 2017 höhere
Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 2.5%. Ein Teil dieses
Anstiegs hat allerdings mit der eigentlichen Konjunkturentwicklung in
der Schweiz wenig zu tun, sondern ist der Tatsache geschuldet, dass die
Schweiz Standort einiger gewichtiger internationaler Sportverbände (IOC,
FIFA etc.) ist. Erhebliche Teile der (Lizenz-)Einnahmen aus
internationalen Grossanlässen, wie beispielsweise aus den Olympischen
Spielen in Südkorea, fliessen in das schweizerische BIP. Die KOF schätzt
die damit verbundene zusätzliche Wertschöpfung auf etwa 0.3% des BIP.
Da nächstes Jahr keine sportlichen Grossveranstaltungen stattfinden,
fällt auch das Wirtschaftswachstum tiefer aus. Bereinigt um die Effekte
der Sportveranstaltungen, ist die für 2019 prognostiziere
BIP-Wachstumsrate jedoch kaum schwächer als die für dieses Jahr.
Es ist aufgrund dieses Sondereffekts nicht gänzlich verwunderlich, dass
die Beschäftigtenzahl eher wenig zulegt und die Arbeitslosenquote
gemäss International Labour Organization (2018: 4.6%) etwas langsamer
abnimmt, als angesichts des BIP-Wachstums zu erwarten wäre. Dadurch
entsteht auch kein nennenswerter Druck zu Lohnerhöhungen und die
Auswirkungen auf die Arbeitskosten bleiben moderat. Der schwächere
Wechselkurs des Frankens gegenüber dem Euro und der etwas höhere Preis
für Erdöl dürften jedoch dazu führen, dass die Inflationsrate dieses
Jahres auf 0.7% steigt. Sie sollte aber auf diesem immer noch tiefen
Niveau verbleiben und sich in der Folge sogar etwas abschwächen. Vom
Preisauftrieb her besteht somit kein Bedarf für eine restriktivere
Geldpolitik. In der momentanen Situation erwartet die KOF, dass die
Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinspolitik der EZB nachvollziehen
wird, um die übliche Zinsdifferenz zu den Euroanlagen
aufrechtzuerhalten.
Die Ausrüstungsinvestitionen wachsen dieses
Jahr robust, ebenso die Bauinvestitionen. Allerdings ist bei Letzteren
eine schwächere Entwicklung für das kommende Jahr zu erwarten. Steigende
Zinsen dürften sich negativ auf die Bauinvestitionen auswirken. Die
Schweizer Exportwirtschaft befindet sich derzeit auf Expansionskurs und
wird das auch noch eine Weile bleiben. Ebenfalls hoch dürfte die
Nachfrage nach Importen in den kommenden Monaten bleiben.
US-Politik als Unsicherheitsfaktor
Die US-amerikanische Regierung unter Präsident Trump stellt derzeit
sowohl durch ihre Handels- als auch ihre Steuerpolitik einen
Unsicherheitsfaktor für die Konjunkturentwicklung dar. Zwar dürften die
bisher beschlossenen Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte keine
spürbaren direkten gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen auf Europa haben,
da die USA vergleichsweise wenig Rohmetalle aus Europa importieren.
Kurzfristig dürfte Europa durch einen ausgeweiteten Handelskonflikt
deutlich stärker beeinträchtigt werden als die USA, denn die europäische
Konjunktur wird derzeit stark von den Exporten getragen. Auch die
zuletzt hohe Investitionsdynamik könnte beeinträchtigt werden, falls
sich die Exportaussichten deutlich verschlechtern.
Ein weiterer
Unsicherheitsfaktor sind die schwer abzuschätzenden Auswirkungen der
kürzlich beschlossenen US-Steuerreform. Kurzfristig dürfte diese sowohl
den lokalen privaten Konsum als auch die Investitionstätigkeit befeuern.
Durch die zusätzliche Nachfrage werden kurzfristig auch europäische
Unternehmen in Form von höheren Exporten profitieren (sofern keine
weiteren Importbeschränkungen ergriffen werden). Da die US-Wirtschaft
bereits jetzt eine hohe Kapazitätsauslastung aufweist, werden die
realwirtschaftlichen Impulse aus der Steuerreform im Prognosezeitraum
wohl immer mehr abnehmen, währenddessen der Druck auf die Konsumenten-
und Vermögenspreise zunehmen wird. Entsprechend steigt die
Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen schneller erhöht als bisher
angenommen. Eine überraschende Korrektur des Zinspfades birgt das Risiko
von Verwerfungen an den internationalen Finanz- und Währungsmärkten mit
möglicherweise erheblichen negativen Auswirkungen auf die globale
Konjunktur.
Die US-Steuerreform erhöht die Attraktivität der
USA für zusätzliche ausländische Direktinvestitionen. Gleichzeitig
werden Hochsteuerländer wie Deutschland oder Frankreich durch die
Freistellung der Gewinne ausländischer Tochterunternehmen in den USA
relativ weniger attraktiv für US-Direktinvestitionen im Vergleich zu
Niedrigsteuerländern wie z.B. Irland. Mittelfristig wird es in
Hochsteuerländern daher zu Einbussen kommen, sofern sie nicht den von
den USA neu initiierten Steuerwettbewerb aufnehmen und ihrerseits
steuerliche Anpassungen vornehmen.
Kontakt
ETH Zürich
KOF Konjunkturforschungsstelle
Yngve Abrahamsen
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