Roches Erivedge erhält in der Schweiz die Zulassung zur Behandlung von fortgeschrittenem hellem Hautkrebs Dienstag, 11. Juni 2013 - 07:06
Basel, 11. Juni 2013
Roches Erivedge erhält in der Schweiz die Zulassung zur Behandlung von fortgeschrittenem hellem Hautkrebs
Neuartiger Wirkstoff lässt Entstellungen des hellen Hautkrebses schrumpfen- erste Zulassung von Erivedge in Europa
Roche (SIX: RO, ROG; OTCQX: RHHBY) hat heute bekannt gegeben, dass die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Heilmittel (Swissmedic) Erivedge zur Behandlung des hellen Hautkrebses (Basalzellkarzinoms (BCC)) zugelassen hat. Erivedge kann bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden, bei denen die Erkrankung bereits gestreut (metastasiert) hat, nach einer Operation erneut aufgetreten oder eine Operation oder Strahlentherapie nicht mehr möglich ist.1 Erivedge ist ein neuartiger, zielgerichteter Wirkstoff, der den Hedgehog-Signalweg hemmt, welcher bei über 90% der BCC-Patienten aktiviert ist.
„Das Auftreten von nicht operablen, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Basalzellkarzinomen kann bei Patienten zu starken Entstellungen führen und lebensbedrohlich sein“, so Prof. Reinhard Dummer, Leiter des Hautkrebszentrums, Universitätsspital Zürich. „Es ist für Patienten eine grosse Belastung, einen auffälligen Tumor meist im Kopfbereich zu haben. Eine solche Entstellung bedeutet einen massiven Verlust an Lebensqualität und oft soziale Isolation. Mit Erivedge gibt es zum ersten Mal eine wirksame medikamentöse Therapiealternative.“
Basalzellkarzinome treten am häufigsten an Kopf, Hals, den Armen und anderen der Sonne ausgesetzten Hautstellen auf und sind im Allgemeinen Tumore, die durch langsames Wachstum und minimales Eindringen in Weichteilgewebe charakterisiert sind2. BCC können jedoch unter Schädigung des umgebenden Gewebes, Knorpel und Knochen fortschreiten und dadurch unter Umständen erhebliche Gewebezerstörungen und Entstellungen verursachen 3.
Über den hellen Hautkrebs (Basalzellkarzinom)
Das Basalzellkarzinom (BCC) ist in Europa5, Australien6 und den USA4 die häufigste Art von Hautkrebs. Die jährliche Anzahl der Neuerkrankungen liegt weltweit bei mehr als 2 Millionen Fällen7. In der Schweiz schätzt man jährlich rund 10‘300 Patienten, die mit hellem Hautkrebs diagnostiziert werden8.
In den meisten Fällen ist die Erkrankung heilbar, insbesondere solange der Tumor noch auf einen kleinen Hautbereich begrenzt ist. In diesem Stadium ist die operative Entfernung die Therapie der Wahl. Wenn die Erkrankung unbehandelt bleibt oder nach einer Operation erneut auftritt, kann der Krebs weiter in die umgebenden Gewebe eindringen, wie z.B. in Sinnesorgane (Ohren, Nase und Augen), in Knochen oder in andere Gewebe 3,9,10. Nicht operable, lokal fortgeschrittene Basalzellkarzinome stellen ein grosses Problem dar. Bis heute gab es keine wirksamen therapeutischen Optionen für diese Patienten.4 BCC-Patienten zeigen oft ein klinisches Bild mit blutenden Geschwüren, welche mit Krusten belegt und Bakterien infiziert sein können und damit auch eine Geruchsbelästigung darstellen. Solche Befunde sind sehr einschneidend für die Lebensqualität der Patienten und führen nicht selten zu Stigmatisierung und sozialer Isolation.
Bei einem kleinen Teil der Patienten kann ein unbehandeltes Basalzellkarzinom über die Jahre weiter fortschreiten und sich im Körper ausbreiten (bei 0.0028% bis 0.55% der diagnostizierten BCC entwickelt sich ein metastasiertes BCC)11,12. Lokal fortgeschrittene Basalzellkarzinome (laBCC) und metastasierte Basalzellkarzinome (mBCC) werden unter dem Begriff fortgeschrittene Basalzellkarzinome (aBCC) zusammengefasst. Fortgeschrittene Basalzellkarzinome kommen sehr selten vor, Schätzungen für die Schweiz gehen davon aus, dass jährlich mit 20 bis 40 Patienten zu rechnen ist.
Risikofaktoren für Basalzellkarzinom
Das mittlere Lebenszeitrisiko der hellhäutigen Bevölkerung (Kaukasier) für die Entwicklung eines BCC beträgt etwa 30%13. BCC treten bei Männern häufiger auf als bei Frauen; das Verhältnis beträgt ungefähr 2:114. Eine Hauptursache für die Entwicklung eines BCC ist die Exposition gegenüber ultravioletter (UV) Strahlung, die zu einer kumulativen DNA-Schädigung und zu Genmutationen führt. Weitere Risikofaktoren für die Entwicklung eines BCC sind13,15:
- Hauttyp 1 (d. h. stets Sonnenbrand, nie Sonnenbräune)
- Rotes oder blondes Haar
- Blaue oder grüne Augen
- Sommersprossen in der Kindheit
- Sonnenbrand in der Kindheit
- Hautkrebs in der Familienanamnese
- Immunsuppressive Behandlung
- Aufnahme von Arsen
Ausserdem tragen Patienten, die bereits ein BCC entwickelt haben, ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung weiterer BCC.13
Entscheidende Studie ERIVANCE BCC/SHH4476g
Es handelt sich um eine internationale einarmige Phase-II-Studie, die die Wirksamkeit und Sicherheit untersucht hat. Einarmig deshalb, weil ein Quervergleich von Erivedge zu anderen Therapiemodalitäten nicht möglich ist, da es sich um einen First-In-Class-Wirkstoff handelt, mit welchem eine Krankheit therapiert wird, welche bisher nicht wirksam behandelt werden konnte. Durch eine Behandlung mit Erivedge kann folgender klinischer Nutzen erzielt werden:
- Bei 94% der Patienten mit mBCC und bei 82% der Patienten mit laBCC kann mit Erivedge eine Schrumpfung der Tumore oder zumindest eine Krankheitsstabilisierung erzielt werden16.
- Bei 54% der Patienten mit laBCC kann nach 24 Wochen ein histopathologisches Ansprechen ohne Anhaltspunkt für ein noch bestehendes Basalzellkarzinom erzielt werden17.
Über Roche
Roche mit Hauptsitz in Basel, Schweiz, ein führendes, forschungsorientiertes Unternehmen, ist spezialisiert auf die beiden Geschäftsbereiche Pharma und Diagnostics. Als weltweit grösstes Biotech-Unternehmen entwickelt Roche klinisch differenzierte Medikamente für die Onkologie, Infektionskrankheiten, Entzündungs- und Stoffwechselkrankheiten sowie neurologische Erkrankungen. Roche ist führend im Diabetesmanagement und auch der weltweit bedeutendste Anbieter von In-vitro-Diagnostik und gewebebasierten Krebstests. Medikamente und Diagnostika, welche die Gesundheit, die Lebensqualität und die Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind das strategische Ziel der personalisierten Medizin von Roche. 2012 beschäftigte Roche weltweit über 82’000 Mitarbeitende und investierte mehr als 8 Milliarden Franken in die Forschung und Entwicklung. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 45,5 Milliarden Franken. Genentech in den USA gehört vollständig zur Roche-Gruppe. Roche ist Mehrheitsaktionär von Chugai Pharmaceutical, Japan. Weitere Informationen finden Sie unter www.roche.com.
Alle erwähnten Markennamen sind gesetzlich geschützt.
Literatur 1 Arzneimittel-Fachinformation unter www.swissmedicinfo.ch 2 Walling HW, Fosko SW, Geraminejad PA, et al. Aggressive basal cell carcinoma: presentation, pathogenesis, and management. Cancer Metastasis Rev. Aug-Dec 2004; 23(3-4):389-402 3 National Comprehensive Cancer Network. NCCN Clinical Practice Guidelines in Oncology (NCCN Guidelines™). Basal cell and squamous cell skin cancers. Version 2.2012 4 Von Hoff DD, LoRusso PM, Rudin CH et al. Inhibition of the hedgehog pathway in advanced basal-cell carcinoma. N Engl J Med. Sep 2009;361(12):1164-1172 5 Telfer NR, Colver GB and Morton CA. Guidelines for the management of basal cell carcinoma. Br J Dermatol. Jul 2008;159(1):35-48 6 Gilbody JS, Aitken J, Grenn A. What causes basal cell carcinoma to be the commonest cancer? Aust J Public Health. Jun1994; 18(2):218-21 7 Jemal A, Siegel R, Xu J, Ward E. Cancer statistics, 2010. CA Cancer J Clin. Sep-Oct 2010; 60 (5):277–300 8 Krebsliga Schweiz, Broschüre “Heller Hautkrebs: Basaliom, Spinaliom, Vorstufen”, 2008 9 Von Domarus H, Stevens PJ. Metastatic basal cell carcinoma. Report of five cases and review of 170 cases in the literature. J Am Acad Dermatol. Jun 1984;10(6):1043-1060 10 Mosterd K, Arits AH, Thissen MR, Kelleners-Smeets NW. Histology-based treatment of basal cell carcinoma. Acta Derm Venereol. 2009;89(5):454-458 11 Wadhera A, Fazio M, Bricca G, Stanton O. Metastatic basal cell carcinoma: a case report and literature review. How accurate is our incidence data? Dermatol Online J. Sep 2006;12(5):7 12 Ting PT, Kasper R, Arlette JP. Metastatic basal cell carcinoma: report of two cases and literature review. J Cutan Med Surg. Jan 2005;9(1):10-15 13 Wong CS, Strange RC, Lear JT. Basal cell carcinoma. BMJ. Oct 2003;327(7418):794-798. 14 Roewert-Huber J, Lange-Asschenfeldt B, Stockfleth E, Kerl H. Epidemiology and aetiology of basal cell carcinoma. Br J Dermatol. Dec 2007;157 Suppl 2:47-51. 15 Rubin AI, Chen EH, Ratner D. Basal-cell carcinoma. N Engl J Med. Nov 2005;353(21):2262-2269. 16 Sekulic A, Migden MR, Oro AE, et al. Efficacy and safety of vismodegib in advanced basal cell carcinoma (BCC): 12-month update of the ERIVANCE BCC study, ESMO Sep/Oct 2012, Poster 1112PD 17 Sekulic A, Migden MR, Oro AE, et al., Efficacy and safety of vismodegib in advanced basal-cell 18 carcinoma. N Engl J Med. Jun2012; 366 (23): 2171-9
