Publiziert in: Marktpuls, Unternehmen
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Amundi: Herbstblues in der Spätphase des Konjunkturzyklus Freitag, 26. Oktober 2018 - 10:53

Wachsendes Risikobewusstsein lässt Anleger vorsichtiger agieren

Mit dem Herbstbeginn hat die Marktdynamik gedreht. Die Volatilität ist auf breiter Front gestiegen, die 10-jährigen Renditen sind schnell in Richtung ihrer 7-Jahreshochs gestiegen und die Aktienmärkte stehen unter Druck. Nach einer Phase mit stark divergierenden Prognosen preisen die Märkte – begleitet von einigen Verwerfungen – das moderatere Wirtschaftswachstum und die Trendwende bei den Gewinnen ein. Mehrere Zinsschritte in den USA waren zwar vom Umfang her überschaubar, haben aber zusammen mit Krisen in Ländern wie der Türkei und Argentinien sowie schwächeren Fundamentaldaten ausgereicht, dass sich Anleger in Schwellenländern vorsichtiger positionieren. Zudem hat sich die Situation mit Blick auf den italienischen Schuldenhaushalt weiter verschärft und lassen Anleger auch bei hoch bewerteten US-Technologieaktien mehr Vorsicht walten.

Protektionismus und Zölle werden zu einem Bumerang - auch für die USA

Geprägt wird das Börsenumfeld zudem von Handelsspannungen und wachsendem Protektionismus, der letztlich immer zu einem Bumerang für die jeweilige Volkswirtschaft wird. Die Folgen bestanden bisher vor allem darin, dass sich der globale Handel verlangsamt hat und dass finanziell schwächere Volkswirtschaften der Eurozone und China unter Druck geraten sind. Die negativen Folgen des Protektionismus für die USA, die bisher durch das Fiskalprogramm kompensiert wurden, könnten im dritten Quartal spürbar werden. Nach unten revidierte Gewinne infolge von Zöllen können in der Spätphase des Konjunkturzyklus zusammen mit höheren Löhnen zu einem gefährlichen Cocktail werden. Sollte der Protektionismus über taktische Wahlmanöver hinaus an Raum gewinnen, kann das riskant werden. Wir erwarten, dass sich dies vor allem auf die Wachstumsaussichten auswirken und die Zentralbanken veranlassen könnte, ihre Geldpolitik zu lockern.

Weitere Korrekturen sind nicht ausgeschlossen - Fokus auf Qualität und Value

Die neue Gemengelage wird zu höheren Volatilitäten führen. Allerdings halten wir es für verfrüht, von einem Bärenmarkt zu sprechen. Dennoch sind weitere Korrekturen nicht ausgeschlossen. Ausserdem ist es sicher noch zu früh, die gefallenen Kurse als Kaufgelegenheiten zu interpretieren. Solche Chancen können sich jedoch in Europa ergeben, wenn sich die Unsicherheit in Italien gelegt hat. Auch Schwellenländer können wieder attraktiv werden, wenn die Bedrohung steigender Zinsen und des starken Dollars potenziell nachlässt. Wir haben uns bereits seit einiger Zeit defensiver positioniert und wenden uns auf der Aktienseite vermehrt Qualitäts- und Value-Titeln zu. Bei Obligationen erhöhen wir die Duration. Zudem glauben wir, dass die US-Zinssätze nahe an ihrem Höhepunkt sind.