SECO - Schweizer Konjunktur schwächt sich ab Dienstag, 18. Dezember 2018 - 07:46
Bern, 18.12.2018 - Konjunkturprognosen der Expertengruppe des Bundes – Winter 2018/2019* - Die Expertengruppe senkt ihre Prognose für das BIP-Wachstum 2018 und 2019 deutlich. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich die schwache Inlandnachfrage. Diese dürfte erst 2020 wieder stärker anziehen. Das BIP sollte 2019 um 1,5 % und 2020 um 1,7 % wachsen.
Nach fünf Quartalen starken Wachstums bremste die
Konjunktur der Schweiz im 3. Quartal abrupt, und die Wirtschaftsleistung
schrumpfte um 0,2 %. Im Zuge der internationalen Wachstumsabschwächung
ging der Aussenhandel der Schweiz zurück. Die zwischenzeitliche
Aufwertung des Frankens bremste die Exporte zusätzlich. Gleichzeitig
blieben Wachstumsimpulse seitens der Inlandnachfrage aus.
Die
Expertengruppe prognostiziert, dass sowohl die Export- als auch die
Binnenwirtschaft nach dem schwachen 3. Quartal zu einem moderaten
Wachstum zurückkehren. Die starken BIP-Wachstumsraten der ersten
Jahreshälfte 2018 werden aber nicht mehr erreicht. Darauf deuten auch
die Frühindikatoren im In- und Ausland hin. Aufgrund der starken ersten
Jahreshälfte dürfte das BIP-Wachstum für das Gesamtjahr 2018 gleichwohl
bei deutlich überdurchschnittlichen 2,6 % zu liegen kommen (Prognose von
September: 2,9 %).
Ab 2019 setzt sich die konjunkturelle
Normalisierung der Weltwirtschaft, nach der stark expansiven Phase 2017
und 2018, fort. Der Euroraum dürfte dabei etwas schneller an Dynamik
einbüssen, als noch für die Prognose von September unterstellt. Damit
flacht die Auslandnachfrage nach Schweizer Produkten ab, und die Dynamik
der Exportwirtschaft lässt nach. Angesichts der sinkenden
Kapazitätsauslastung wachsen auch die Investitionen der Schweizer
Unternehmen weniger stark als noch 2018, und der Beschäftigungsaufbau
verlangsamt sich.
Trotz der insgesamt noch sehr guten Lage am
Arbeitsmarkt (Arbeitslosenquote 2019: 2,4 %) sind die Aussichten für den
privaten Konsum in der ersten Hälfte des Prognosezeitraums verhalten.
Die gedämpfte Lohnentwicklung der jüngsten Vergangenheit und die
positive Teuerung verringern die reale Kaufkraft der Haushalte. Folglich
bleibt die Konsumneigung gering. Entsprechend korrigiert die
Expertengruppe ihre Erwartungen für die Inlandnachfrage gegenüber der
Prognose von September deutlich nach unten und prognostiziert für 2019
ein nur noch moderates BIP-Wachstum von 1,5 % (Prognose von September:
2,0 %). Damit einher geht eine tiefere Teuerung von 0,5 %, u.a. gebremst
durch den jüngsten Rückgang der Erdölpreise.
Während sich die
aussenwirtschaftlichen Impulse in der zweiten Hälfte des
Prognosehorizontes weiter abschwächen, gewinnen die
binnenwirtschaftlichen Wachstumskräfte an Bedeutung und stützen das
BIP-Wachstum 2020. Insbesondere nimmt der private Konsum im Zuge
anziehender Reallöhne wieder Fahrt auf, und die Investitionen wachsen
weiterhin solide. Daher prognostiziert die Expertengruppe für 2020 ein
wieder leicht höheres BIP-Wachstum von 1,7 %. Am Arbeitsmarkt macht sich
die konjunkturelle Abschwächung 2020 verstärkt bemerkbar: Die
Arbeitslosenquote sollte leicht auf jahresdurchschnittliche 2,5 %
steigen. Derweil sollte die Teuerung bei 0,8 % zu liegen kommen.
Konjunkturrisiken
Für
die Weltkonjunktur überwiegen derzeit klar die negativen Risiken.
Sollte der Handelsstreit zwischen den USA und anderen wichtigen
Wirtschaftsräumen weiter eskalieren, dann würden die Weltkonjunktur und
der Welthandel stärker ausgebremst als in der Prognose angenommen. Davon
wäre der Schweizer Aussenhandel betroffen, und die
Investitionstätigkeit der Unternehmen könnte in Mitleidenschaft gezogen
werden.
In Europa ist die politische Unsicherheit nach wie vor
hoch. Insbesondere ist weiterhin offen, wie sich das Verhältnis zwischen
der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich nach Vollzug des
Brexit Ende März 2019 gestalten wird. Beträchtliche Risiken birgt
international auch die hohe Verschuldung. Sollte die geldpolitische
Normalisierung schneller als erwartet weitergehen, könnten aufgrund
steigender Zinsen insbesondere Schwellenländer erneut von
Kapitalabflüssen und Währungsturbulenzen betroffen sein. Dann könnte der
Schweizer Franken unter stärkeren Aufwertungsdruck kommen mit
entsprechenden bremsenden Effekte auf den Aussenhandel.
Mit einer
gewissen Unsicherheit ist zudem das Verhältnis zwischen der Schweiz und
der EU belastet, etwa im Zusammenhang mit den Verhandlungen zum
Rahmenabkommen. Sollte sich das Verhältnis mit der EU deutlich
verschlechtern, könnte auch dies die Investitionstätigkeit der
Unternehmen belasten. Angesichts schwelender Ungleichgewichte bleibt im
Inland zudem das Risiko einer starken Korrektur im Immobiliensektor
bestehen.
Schliesslich besteht das positive Risiko, dass die
Konjunktur international und in der Schweiz wieder stärker anzieht,
gestützt etwa durch die jüngst gesunkenen Erdölpreise.
*Vertiefte Informationen zu den Prognosen der Expertengruppe und den Risiken finden sich in der vierteljährlichen Publikation
«Konjunkturtendenzen»,
die online (www.seco.admin.ch/konjunkturtendenzen) sowie in gedruckter
Form als Beilage der Zeitschrift « Die Volkswirtschaft »
(www.dievolkswirtschaft.ch) erscheint.
Adresse für Rückfragen
Eric Scheidegger, SECO, Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik, Tel. +41 58 462 29 59
Ronald Indergand, SECO, Leiter des Ressorts Konjunktur, Direktion für Wirtschaftspolitik, Tel. +41 58 460 55 58
Herausgeber
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