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Raiffeisen: 2019 wird kein einfaches Jahr für die Schweizer Wirtschaft Dienstag, 08. Januar 2019 - 10:37

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2019 wird kein einfaches Jahr für die Schweizer Wirtschaft

St.Gallen, 8. Januar 2019. Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, beurteilt die Perspektiven der Schweizer Wirtschaft um einiges skeptischer als im Vorjahr. Dies vor allem aufgrund einer an Fahrt verlierenden internationalen Konjunktur. Darüber hinaus belasten geopolitische Unsicherheiten den Ausblick für das angebrochene Jahr. Der schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China und erneut aufkeimende Diskussionen über die Stabilität der Eurozone trüben den Wirtschaftsausblick für die exportabhängige Schweiz. Der Franken wird in diesem Umfeld eher wieder etwas aufwerten.

Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2019 ein Wachstum von 1,2 Prozent verzeichnen. Zwar ist das gegenüber dem starken 2018 ein deutlicher Rückfall. 2018 war aber auch ein ausgesprochen gutes Jahr, das nicht als Normalfall angesehen werden darf, wie Raiffeisen Chefökonom Martin Neff anlässlich der jährlich stattfindenden Raiffeisen Prognosekonferenz in Zürich ausführte. Mehrere Faktoren begründen den verhaltenen Ausblick für die Schweizer Wirtschaft. Das globale Wachstum hat den Höhepunkt überschritten, vor allem in den USA und China. Aber auch in Europa hat das Wachstum ein gemächlicheres Tempo eingeschlagen. Wie ein Damoklesschwert hängt der Handelskonflikt über den beiden Erstgenannten, von dessen weiterer Entwicklung einiges für die Weltwirtschaft abhängt. Die geopolitischen Unsicherheiten wiegen ebenfalls schwer auf der kleinen aber offenen Schweizer Volkswirtschaft. Der Schweizer Franken ist zu einem Barometer für die Stimmung in der Welt geworden, was sich 2018 besonders eindrücklich gezeigt hat.

Währung bereits wieder das Thema

Nach dem Währungsschock vom 15. Januar 2015 blieb der Schweizer Exportwirtschaft zu wenig Zeit für die Erholung. Seit Mai 2018 ist der Franken wieder stärker gesucht. Das wird auch 2019 der Fall sein. Martin Neff sieht im Zwölfmonatshorizont den Eurokurs bei 1,09 Franken und denjenigen des US-Dollars bei 0,96 Franken. Das wird nicht spurlos an den Exporten vorübergehen, deren reales Wachstum auf lediglich 0,6 Prozent veranschlagt wird. Die Währung wird somit auch 2019 zum Thema Nummer eins für Warenexporteure aber auch für die Tourismusbranche. Flau wird auch die Investitionsentwicklung sein, denn die Unternehmen dürften ihre Ausgaben für Ausrüstungsinvestitionen nur noch leicht ausdehnen. Dabei werden nicht mehr Kapazitätserweiterungen im Fokus stehen, sondern bereits wieder Rationalisierungen.

Flauer Konsum, Basiseffekte, kaum Impulse vom Bau

Dass der private Konsum real nur um 0,9 Prozent zulegen wird, begründet Martin Neff mit Sättigungstendenzen infolge Überalterung und tieferer Zuwanderung. Und nicht zuletzt spielt 2019 ein Basiseffekt mit, der auf das Wachstum durchschlägt, namentlich das Ausbleiben eines internationalen sportlichen Grossanlasses. Im vergangenen Jahr hatte die FIFA der Schweiz durch die Verbuchung der Ticketeinnahmen für die Fussball-Weltmeisterschaft ein um etwa 0,2 Prozentpunkte höheres Wachstum beschert. Dieser Effekt fällt nun weg. Das Wachstum der Bauinvestitionen veranschlagt Raiffeisen für 2019 auf real 0,5 Prozent. Vom Wirtschaftsbau und dem öffentlichen Tiefbau werden die grössten Impulse ausgehen. Im Wohnungsbau hingegen werden die Investitionen stagnieren. Obwohl die Pipeline nach wie vor gut gefüllt ist, werden Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft einer Expansion der Wohnbauinvestitionen im Wege stehen. Zudem reagiert das Angebot wie prognostiziert auf die Sättigung im Eigenheimsegment und die steigenden Leerstände bei Mietwohnungen.

Zinsen weiterhin tief

Martin Neff rechnet 2019 nicht mit einer Normalisierung der Zinslandschaft in der Schweiz. Das Tiefzinsumfeld wird weiter Bestand haben. Der Raiffeisen Chefökonom meldete zwar Zweifel an der Wirksamkeit von Negativzinsen an, glaubt aber nicht an einen Paradigmenwechsel der Schweizerischen Nationalbank (SNB). Die SNB werde weiter über die Zinsdifferenz argumentieren und kaum vor der Europäischen Zentralbank an der Zinsschraube drehen. Dies umso mehr, als der Franken gesucht bleiben und tendenziell eher wieder etwas stärker sein wird. In Europa wiederum gibt es für die Zinsen aufgrund der hohen Staatschulden trotz leicht zunehmendem Aufwärtsdruck bei den Löhnen nur wenig Spielraum nach oben. Und in den USA ist der Zinszyklus nach Einschätzung von Neff schon sehr weit fortgeschritten, was die beträchtliche Verflachung der Zinskurve verdeutlicht. Am langen Ende der Kurve wird dies offenbar von den Märkten schon eingepreist.

Immobilienpreise hoch

Unverändert tiefe Zinsen werden dafür sorgen, dass der Schweizer Immobilienmarkt weiterhin hoch bewertet bleibt. Das Risiko eines Crashs der Wohnungspreise sieht Martin Neff nicht. Im Eigenheimmarkt sei die sanfte Landung schon seit geraumer Zeit im Gang. Das fehlende spekulative Element sei nach wie vor der wichtigste Grund, warum der Markt auch beim erreichten hohen Preisniveau nicht absturzgefährdet sei. Im Gegensatz zum Crash der frühen Neunzigerjahre boome heute die Nachfrage echter Nutzer – sprich Wohneigentümer – und nicht etwa die von Spekulanten auf der Suche nach schnellen Gewinnen. Auch bei Renditeliegenschaften im Wohnungsmarkt sei dies der Fall. Zwar haben die Risiken 2018 wie erwartet zugenommen, was in erhöhten Leerständen zum Ausdruck komme. Doch sind mehrheitlich professionelle Investoren Käufer von Renditeliegenschaften. Der unverändert grosse Renditespread von Immobilienanlagen gegenüber festverzinslichen Anlagen drängt institutionelle Anleger förmlich in den Immobilienmarkt. Die können aber aus Diversifikationsgründen Leerstände auch verkraften, im Gegensatz zu privaten Investoren. Heiss laufen indes die Büromärkte in den grösseren Städten, wo sich Überkapazitäten abzeichnen.


Auskünfte:

Martin Neff, Chefökonom Raiffeisen
044 226 74 58, martin.neff@raiffeisen.ch

Medienstelle Raiffeisen Schweiz
071 225 84 84, medien@raiffeisen.ch

Raiffeisen: drittgrösste Bankengruppe in der Schweiz 
Die Raiffeisen Gruppe ist die führende Schweizer Retailbank. Die dritte Kraft im Schweizer Bankenmarkt zählt 1,9 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter sowie 3,8 Millionen Kundinnen und Kunden. Die Raiffeisen Gruppe ist an 896 Standorten in der ganzen Schweiz präsent. Die 246 rechtlich autonomen und genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbanken sind in der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft zusammengeschlossen. Diese hat die strategische Führungsfunktion der gesamten Raiffeisen Gruppe inne. Mit Gruppengesellschaften, Kooperationen und Beteiligungen bietet Raiffeisen Privatpersonen und Unternehmen ein umfassendes Produkt- und Dienstleistungsangebot an. Die Raiffeisen Gruppe verwaltete per 30.6.2018 Kundenvermögen in der Höhe von 211 Milliarden Franken und Kundenausleihungen von rund 185 Milliarden Franken. Der Marktanteil im Hypothekargeschäft beträgt 17,6 Prozent. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 229 Milliarden Franken.

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