Raiffeisen Schweiz veröffentlicht Gehrig-Bericht und zieht Konsequenzen Dienstag, 22. Januar 2019 - 06:30
Raiffeisen Schweiz veröffentlicht Gehrig-Bericht und zieht Konsequenzen / Einladung zur Medien-Telefonkonferenz St.Gallen, 22. Januar 2019. In seiner Untersuchung von Beteiligungsgeschäften in den Jahren 2005 bis 2015 hat Prof. Dr. Bruno Gehrig auf Basis der verfügbaren Informationen keine Nachweise für strafrechtlich relevantes Verhalten gefunden. Wohl aber bestätigte sich, dass es hauptsächlich in den Jahren 2012 bis 2015 im Rahmen der Diversifikationsstrategie zu gravierenden Mängeln in der Akquisition und dem Management von Beteiligungen gekommen ist. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz zieht daraus die Konsequenzen und beschliesst ein umfassendes Massnahmenpaket. Drei Geschäftsleitungsmitglieder von Raiffeisen Schweiz sind aus der Organisation ausgeschieden. Prof. Dr. Bruno Gehrig hat seine unabhängige Untersuchung fertiggestellt. Die Untersuchung umfasste Beteiligungsgeschäfte, die Raiffeisen Schweiz und ihre Tochtergesellschaften seit 2005 unter Dr. Pierin Vincenz getätigt haben. Der Bericht von Bruno Gehrig wurde von Raiffeisen Schweiz auf www.raiffeisen.chveröffentlicht. Der Bericht hält fest, dass Bruno Gehrig auf Basis der ihm zur Verfügung stehenden Informationen bei den untersuchten Beteiligungsgeschäften keine klaren und eindeutigen Nachweise für strafrechtlich relevantes Verhalten von Pierin Vincenz gefunden hat. Auch hat Bruno Gehrig keine Nachweise gefunden, dass sich andere ehemalige oder aktuelle Organe der Raiffeisen Schweiz strafrechtlich relevant verhalten oder persönlich bereichert hätten. Die Sachverhalte, die bereits Gegenstand eines Strafverfahrens sind, waren von der Untersuchung von Bruno Gehrig ausgenommen. Fest steht laut Bericht jedoch, dass die Führungsarbeit des Verwaltungsrats und der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz bei der Umsetzung der Diversifikationsstrategie gravierende Mängel aufgewiesen hat. Zwischen 2012 und 2015 baute Raiffeisen Schweiz durch Zukäufe von Beteiligungen neue Geschäftsbereiche im Wert von über einer Milliarde Franken auf. Während einige Beteiligungsgeschäfte mit der gebotenen Sorgfalt abgewickelt wurden, zeigte sich bei der Anbahnung, Verhandlung und Abwicklung anderer Beteiligungsgeschäfte eine Überforderung der bestehenden Strukturen, Abläufe und Ressourcen. Durch mangelnde Führung und Kontrolle, organisatorische Versäumnisse und eine personenzentrierte Kultur sind finanzielle Nachteile, vor allem aber ein Reputationsschaden für die ganze Raiffeisen Gruppe entstanden. Umfassende Erneuerung aller Gremien Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz stellt mit grossem Bedauern das Ausmass dieser Mängel fest. «Übliche Bewilligungsprozesse und Kontrollmechanismen haben nicht gegriffen. Es braucht den Neuanfang mit einer ausgeprägten Verantwortungskultur», sagt Guy Lachappelle, Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz. Nachdem der Erneuerungsprozess des Verwaltungsrats im Jahr 2018 abgeschlossen worden ist, hat mit dem Rücktritt von Dr. Patrik Gisel und der Rücktrittsankündigung von Michael Auer im November 2018 auch eine Erneuerung der Geschäftsleitung eingesetzt. Gestern gaben Gabriele Burn und Dr. Beat Hodel per sofort ihre Funktionen ab. Paulo Brügger hat per sofort seinen Rücktritt als Mitglied der Geschäftsleitung erklärt. Damit sind alle Geschäftsleitungsmitglieder aus dem Unternehmen ausgeschieden, die bereits vor 2015 Teil des Gremiums waren. Dazu Heinz Huber, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz: «Es bedarf eines Neustarts, um die Aufgaben und Herausforderungen von Raiffeisen Schweiz vorantreiben zu können.» Die Evaluation möglicher Nachfolger wird in die Wege geleitet. Die jeweiligen Funktionen werden durch eine Stellvertreterregelung sichergestellt. Zudem hat Roland Schaub seinen Rücktritt als Generalsekretär erklärt und ist per sofort aus der Organisation ausgeschieden. Gutes operatives Ergebnis trotz notwendiger Korrekturen erwartet Raiffeisen erwartet für das abgelaufene Geschäftsjahr ein starkes operatives Ergebnis in ähnlichem Umfang wie im Vorjahr. Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Kundinnen und Kunden den Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr die Treue gehalten haben. Im Zuge der Aufarbeitung wird Raiffeisen Schweiz jedoch die Werthaltigkeit aller bestehenden Beteiligungen neu beurteilen. Dadurch wird der Gewinn auf Stufe Gruppe sowie auf Stufe Raiffeisen Schweiz voraussichtlich deutlich tiefer ausfallen. Die Sondereffekte bewegen sich im Rahmen von maximal 300 Millionen Franken. Die nachhaltige Ertragskraft sowie die überdurchschnittliche Eigenmittelquote der Raiffeisen Gruppe bleiben erhalten und Raiffeisen ist nach wie vor eine hervorragend kapitalisierte Bank. Bis zur Klärung der Verantwortlichkeiten wird keine Décharge der Organe von Raiffeisen Schweiz an der Delegiertenversammlung traktandiert. Allfällige Ansprüche und Schritte werden 2019 abgeklärt. Die mit dem Gehrig-Bericht erfolgte Beurteilung der untersuchten Beteiligungsgeschäfte findet auch Anklang bei der fünfköpfigen Delegation aus Vertretern aller 246 Raiffeisenbanken, die in den Prozess der unabhängigen Untersuchung einbezogen wurden. «Prof. Dr. Bruno Gehrig und das Untersuchungsteam haben integer gearbeitet. Für uns war der Transparenzgedanke zentral. Diesem wird mit der Veröffentlichung des Schlussberichts Rechnung getragen», nimmt Dr. Michael Iten, Präsident des Regionalverbands Zug und Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Region Ägerital-Sattel, stellvertretend für die Delegation, Stellung. Modernisierung der Genossenschaftsgruppe Um die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und sich gleichzeitig den komplexer werdenden Anforderungen des Bankgeschäftes zu stellen, hat Raiffeisen ein umfassendes Massnahmenpaket auf den Weg gebracht. Ein zentrales Element ist die gemeinsame Reformbestrebung der Raiffeisen Gruppe «Reform 21». Im Rahmen dieses Projekts arbeiten die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz gemeinsam daran, die Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe zu verbessern und die Gruppe zu modernisieren. Die Erneuerung der Governance innerhalb der Gruppe, des Dienstleistungskatalogs und des Finanzierungskonzepts von Raiffeisen Schweiz erfolgt in einem partizipativen Prozess. Der dringlichste Handlungsbedarf besteht in der Führung und Kontrolle innerhalb von Raiffeisen Schweiz. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz wurde erneuert, nach professionellen Kriterien neu besetzt und in wesentlichen Kompetenzen wie Bankgeschäft, Compliance, Risiko, IT und Immobilien verstärkt. Die professionalisierte Gremienarbeit ermöglicht die einwandfreie Wahrung der Aufsichts- und Kontrollfunktion des Verwaltungsrats gegenüber der Geschäftsleitung. Des Weiteren hat der Verwaltungsrat ein umfassendes Governance-Massnahmenpaket beschlossen, das die operative Führung verstärkt. Dazu gehören verbesserte Regelungen und Prozesse und eine generelle Stärkung der Kontrollstrukturen bei Raiffeisen Schweiz. Mit dem Verkauf mehrerer Beteiligungen aus der Ära Vincenz hat Raiffeisen Schweiz die Unternehmensstrukturen bereits stark angepasst. Damit einher geht ein Kulturwandel bei Raiffeisen Schweiz, um die genossenschaftlichen Werte sowie die Verpflichtung zu Transparenz und verantwortungsvollem Handeln gegenüber den Gremien sowie gegenüber den Eignerinnen von Raiffeisen Schweiz wieder deutlicher zu leben. Im Fokus der neu ausgerichteten Arbeit des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz wird zudem ein neuer Strategieprozess stehen, mit dem Raiffeisen Antworten auf die veränderten Kundenbedürfnisse und das aktuelle Umfeld geben kann. Guy Lachappelle betont: «Raiffeisen ist sich ihrer Herkunft bewusst. Raiffeisen wurde als Vorbild wahrgenommen – regional verwurzelt, nah und nach ethischen Grundsätzen handelnd. Diese Vorbildfunktion hat gelitten. Wir setzen alles daran, diesem Anspruch wieder nachhaltig gerecht zu werden.» Einladung zur Medien-Telefonkonferenz Gerne möchte Raiffeisen Schweiz den Medienvertretern die Möglichkeit bieten, Fragen zu stellen, um allfällige Unklarheiten aus dem Weg zu räumen. Guy Lachappelle steht Ihnen hierfür heute zwischen 10 und 11 Uhr in einer Telefonkonferenz zur Verfügung. Die Telefonkonferenz wird auf Deutsch gehalten. Folgend die Einwahldaten: Einwahlrufnummer: +41 58 262 07 11 Während der Konferenz sind die Teilnehmer stumm geschaltet. Mittels Tastenfolge *14 können Fragen gestellt werden. Um Fragen zurückzuziehen, nutzen Sie die Tastenfolge *15.
Medienstelle Raiffeisen Schweiz Die unabhängige Untersuchung durch Prof. Dr. Bruno Gehrig Raiffeisen: Drittgrösste Bankengruppe in der Schweiz Medienmitteilung abbestellen: Attachments
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