KOF-Konjunkturumfrage: Lage der Unternehmen wird schwieriger Dienstag, 07. Mai 2019 - 09:37
07.05.2019 | Medienmitteilung
Die Geschäftslage der Unternehmen kühlt im April erneut ab. Der Geschäftslageindikator sinkt bereits den fünften Monat in Folge. Bis auf das Baugewerbe und die Projektierung bekunden alle Wirtschaftsbereiche seit Jahresbeginn Mühe, ihre Geschäftslage zu halten. Die Erwartungen der Unternehmen für das kommende halbe Jahr haben sich dagegen nicht mehr weiter verschlechtert, sie sind verhalten zuversichtlich. Die Schweizer Konjunktur befindet sich dennoch in einem schwierigen Umfeld.
Nach Wirtschaftsbereichen unterschieden, zeigt sich im April ein uneinheitliches Bild. Im Verarbeitenden Gewerbe, im Grosshandel, im Gastgewerbe und bei den übrigen Dienstleistungen setzt sich die Abschwächungstendenz aus den Vormonaten fort. Leicht gestiegen ist der Geschäftslageindikator im Projektierungsbereich. Deutlich zulegen konnte der Indikator im Detailhandel, bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen und im Baugewerbe. Verglichen mit dem Jahresbeginn 2019 verzeichnen aber nur das Baugewerbe und der Projektierungsbereich eine positive Entwicklung. Alle anderen Wirtschaftsbereiche sind im bisherigen Jahresverlauf tendenziell unter Druck.
Die Wirtschaftsbereiche im EinzelnenIm Verarbeitenden Gewerbe nimmt die Nachfrage ab und die Auslastung sinkt. Vom Auslandsgeschäft werden geringere Impulse erwartet.
Die Geschäftslage im Verarbeitenden Gewerbe kühlt weiter ab,
sie verschlechtert sich damit den fünften Monat in Folge. Sowohl die
binnen- als auch die exportorientierten Firmen sind mit ihrer
Geschäftslage weniger zufrieden als bisher. Obwohl die Produktion kaum
noch ausgeweitet wurde, sinkt der Auftragsbestand und die
Fertigwarenlager füllen sich. Dieses Muster deutet auf eine
Nachfrageabschwächung hin. Dementsprechend steigt der Anteil von Firmen,
die über einen Nachfragemangel klagen. Die Auslastung des
Maschinenparks ist gesunken. Die Ertragslage blieb dennoch unverändert.
Obwohl sich die Wettbewerbsposition auf den ausländischen Märkten in
den vergangenen Monaten nicht verändert hat, erwarten die Firmen
geringere Impulse vom Auslandsgeschäft. Hinsichtlich des
Bestellungseingangs und der Produktion sind die Erwartungen der
Unternehmen für die nächste Zeit zwar weniger positiv als noch im
Frühjahr des Vorjahres, sie rechnen aber dennoch mit weiteren
Steigerungen. Die Firmen stellen sich somit auf eine weiter abnehmende
Dynamik ihrer Geschäfte ein, sie rechnen aber nicht mit einer abrupten
Bremsung oder gar Schrumpfung. Dies zeigt sich auch darin, dass sie
derzeit nicht planen, die Zahl der Mitarbeitenden wesentlich zu ändern.
Der Baubereich stemmt sich gegen die allgemeine Abwärtstendenz und steigert seine Aktivität.
In den mit der Bauaktivität verbundenen Wirtschaftsbereichen
Baugewerbe und Projektierung verbessert sich die Geschäftslage im April.
Das Baugewerbe verzeichnet eine lebhafte Nachfrage, sodass die
Firmen zufriedener auf ihre Auftragsbücher blicken als bisher. Die
Bautätigkeit wurde ausgeweitet, der Auslastungsgrad der Maschinen und
Geräte blieb dabei unverändert. Die Firmen klagen vermehrt über einen
Mangel an Fachkräften. Die Ertragslage ist nicht mehr so stark unter
Druck wie bisher und die Firmen hoffen auf eine stabile Ertragssituation
in der nahen Zukunft.
Bei den Projektierungsbüros verbesserte sich die Geschäftslage
leicht. Allerdings nahm die Nachfrage nach den Leistungen der Planer
weniger stark zu als zuvor. Die Bausummen in den Neuverträgen stiegen im
Vergleich zum Vorquartal nicht mehr weiter. Im Teilbereich
industriell-gewerblicher Bau schrumpften die Bausummen dagegen. Die
Erwartung hinsichtlich der weiteren Nachfrageentwicklung deuten erneut
auf eine stabile Entwicklung hin. Die Leistungserbringung wollen die
Büros weiterhin ausdehnen, allerdings rechnen sie damit, dass sie bei
den Preisen für ihre Leistungen Abschläge hinnehmen müssen.
Im Detailhandel entspannt sich die Lage erstmals seit vier Monaten
wieder. Der Grosshandel mit Konsumgütern entwickelt sich ebenfalls
stabil. Bei dem für die Industrie tätigen Grosshandel harzt es.
Im Detailhandel verbessert sich die Geschäftslage zum
ersten Mal seit vier Monaten wieder. Der mengenmässige Absatz war stabil
und die zu vollen Lager wurden teilweise abgebaut. Die Erträge sind
aber weiterhin leicht unter Druck. Hinsichtlich der Umsatzentwicklung in
der nächsten Zeit sind die Detailhändler zuversichtlicher als bisher.
In ihrer Bestellpolitik für neue Waren bleiben sie aber vorsichtig.
Die Grosshändler passen ihre Geschäftslagebeurteilung das zweite
Quartal in Folge nach unten an. Zwar bleibt die Lage im
Konsumtionsverbindungshandel (Grosshandel mit Konsumgütern) unverändert,
doch kühlt sie sich im Produktionsverbindungshandel (Grosshandel mit
Produkten für die Produktion) ab. In letzterer Sparte verkürzten sich
die Lieferfristen deutlich, was auf eine geringere Nachfragedynamik
schliessen lässt. Die Erwartungen der Unternehmen mit Blick auf die
weitere Nachfrageentwicklung sind insgesamt nach wie vor verhalten
zuversichtlich.
Im Gastgewerbe ist die Lage leicht ungünstiger als vor einem halben Jahr, die Aussichten sind aber positiv.
Das Gastgewerbe verzeichnet das zweite Quartal in Folge eine
leichte Eintrübung der Geschäftslage. Ursächlich hierfür sind die
Bewertungen der Gastronomiebetriebe. Die Geschäftslage in der Gastronomie
ist nur noch knapp befriedigend. Im Vergleich mit dem entsprechenden
Vorjahresquartal stiegen die Umsätze nicht mehr und die Ertragslage kam
zuletzt geringfügig unter Druck. Bezüglich der weiteren
Geschäftsentwicklung sind die Gastronomen eher zuversichtlich. Sie
erwarten aber jeweils nur ein kleines Plus beim Absatz von Getränken und
Speisen.
Die Geschäftslage der Beherbergungsbetriebe ist nahezu
unverändert günstig. Zwar stieg die Zahl der Logiernächte verlangsamt
und der Zimmerbelegungsgrad ging leicht zurück, die Notwendigkeit von
Preisabschlägen lässt aber weiter nach. Daher setzt sich die Besserung
der Ertragslage fort. Die Zahl der Logiernächte dürfte nach Ansicht der
Umfrageteilnehmenden in der nächsten Zeit verstärkt steigen. Die derzeit
vorliegenden Reservationen übertreffen bereits den Stand aus dem
Vorjahr.
Im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen erholt sich die
Lage, sie ist aber nicht so gut wie im Vorjahr. Die
Geschäftserwartungen sind positiv, aber ebenfalls nicht mehr so günstig
wie vor Jahresfrist.
Bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen
verbessert sich die Geschäftslage im April wieder. Die Lage ist
vorwiegend gut, allerdings nicht mehr so positiv wie zu Jahresbeginn
2019 oder im Frühjahr des Vorjahres. Die Nachfrage nach den Leistungen
der Institute belebte sich jüngst wieder. Da die Betriebsausgaben nicht
weiter steigen, beschleunigte sich die Erosion der Ertragslage auch
nicht weiter. In den Erwartungen über die Entwicklung der Ertragslage
scheint nun Zuversicht durch. Die Zahl ihrer Mitarbeitenden wollen die
Unternehmen vermehrt erhöhen.
Bei der Untergruppe der Banken verbessert sich die Lage im
Geschäft mit ausländischen und inländischen Kunden. Allerdings ist die
Geschäftslage für beide Kundengruppen weniger gut als zur gleichen Zeit
im Vorjahr. Die Institute rechnen für die nahe Zukunft mit einer stark
steigenden Nachfrage vonseiten der inländischen Firmen und der
inländischen Privatkunden. Bezüglich der Erfolgschancen sind sie im
Vergleich zum Vorquartal optimistischer für das Kommissionsgeschäft und
nicht mehr ganz so zuversichtlich für das Zinsgeschäft. Unverändert
positiv bewerten sie die Perspektiven für den Erfolg im Handelsgeschäft.
Im Wirtschaftsbereich übrige Dienstleistungen wird die Situation
ungünstiger. Die Ertragslage stagniert und der Optimismus in den
Nachfrageerwartungen nimmt leicht ab.
Bei den übrigen Dienstleistern kühlt die Geschäftslage zum
zweiten Mal in Folge ab. Insbesondere im Teilbereich Verkehr,
Information, Kommunikation gibt der Lageindikator nach. Insgesamt ist
die Geschäftslage der Dienstleister aber weiterhin vorwiegend gut. Die
Auslastung ist ähnlich hoch wie vor Jahresfrist. Die Ertragslage ist
unverändert und die Nachfrage weiterhin im Steigen begriffen.
Mit Blick auf die kommenden drei Monate rechnen die Unternehmen mit
einer weiter zunehmenden Nachfrage, allerdings waren sie diesbezüglich
in den vergangenen Quartalen noch optimistischer als derzeit. Zwar
nehmen die Unternehmen im Bereich Verkehr, Information, Kommunikation
ihre Nachfrageerwartungen im April nicht erneut zurück, dafür senken die
Unternehmen im Bereich wirtschaftliche Dienstleistungen ihre
Erwartungen für den Nachfragezuwachs. Trotz der nicht mehr ganz so stark
nach oben gerichteten Nachfrageerwartungen spiegelt sich eine generelle
Zuversicht der Dienstleistungsunternehmen in ihren Personalplanungen
wider, die vermehrt Einstellungen vorsehen.
In die Ergebnisse der aktuellen KOF Konjunkturumfragen vom April 2019 sind die Antworten von mehr als 4’500 privatwirtschaftlichen Unternehmen aus der Industrie, dem Baugewerbe und den wichtigsten Dienstleistungsbereichen eingeflossen. Dies entspricht einer Rücklaufquote von etwa 61%.
ETH Zürich
KOF Konjunkturforschungsstelle
Dr. Klaus Abberger
LEE G 121
Leonhardstrasse 21
8092 ZürichSchweiz
