Union Investment: Europawahl - Sorge vor Populisten-Prämie an den Kapitalmärkten Montag, 27. Mai 2019 - 09:26
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Union Investment: Europawahl - Sorge vor Populisten-Prämie an den Kapitalmärkten | ||||||||||||||||
Von Dr. Frank Engels, Leiter Portfoliomanagement und Vorsitzender des Union Investment Committee | ||||||||||||||||
| Sehr geehrter Herr Guglielmetti
Europas Populisten sind auf dem Vormarsch – das ist keine gute Nachricht für die Kapitalmärkte. Das Ergebnis der gestrigen Europawahl bestätigt einen anhaltenden Trend: Die etablierten Parteien der Mitte verlieren an Zustimmung, während die Rechtspopulisten an Boden gewinnen. Für die Kapitalmärkte ist das ein Alarmzeichen.
Die größte Gefahr droht in den nationalen Hauptstädten. Sowohl in London als auch in Rom könnten die amtierenden Regierungen unter Druck geraten. Es droht ein Anstieg der politischen Unsicherheit auf zwei sehr kapitalmarktrelevanten Feldern, nämlich dem Brexit und der italienischen Haushaltskonsolidierung. Und auch in Frankreich ist mit einer Zunahme der innenpolitischen Spannungen zu rechnen: Nachdem Marine Le Pen Staatspräsident Emmanuel Macron auf Platz zwei verwiesen hat, ist dessen Machtposition geschwächt.
Eine spannende, nicht ganz offensichtliche Konsequenz aus dem Wahlergebnis ist die Frage nach der personellen Neubesetzung der Spitzenpositionen Europas. Nachdem das Resultat zu keiner eindeutigen Mehrheit für einen der drei meistgehandelten Spitzenkandidaten geführt hat, ist die Personalie des neuen Kommissionspräsidenten derzeit absolut offen. Da die Nachfolge von Jean-Claude Juncker (Kommission), Donald Tusk (Europäischer Rat) und Mario Draghi (EZB) kaum isoliert voneinander geregelt werden kann, führt die Europawahl auch bei der Frage des nächsten EZB-Präsidenten zu mehr Unsicherheit. Draghis Nachfolge ist somit offener denn je.
Für die europäischen Kapitalmärkte ist das Wahlergebnis Weckruf und Belastung zugleich. Die Anlageregion wird angesichts der anhaltenden Unsicherheiten über den politischen Kurs Europas mit Bewertungsabschlägen gegenüber international vergleichbaren Investments leben müssen. Es droht eine Populisten-Prämie. Diese resultiert daraus, dass im Gegensatz zur Situation in den USA nicht ein populistisch agierender Präsident sondern zahlreiche populistisch agierende Parteien mit z.T. stark divergierenden und oftmals eher anti-europäischen Motiven agieren. Die Europawahl zeigt: Der Kontinent braucht politische Bewegung und neue Weichenstellungen, soll er wirtschaftlich erfolgreich und damit strategisch attraktiv für Investoren bleiben. Dem EU-Parlament sowie der EU-Kommission kommen dabei Schlüsselrollen zu. Zunehmender Populismus dürfte dabei kein nachhaltiges Erfolgsrezept sein – im Gegenteil.
Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung Markus Baumgartner
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