Liebe Leserinnen und Leser
In der Schweiz veröffentlicht Bundesbern viel lieber Statistiken über die Arbeitslosen als über die Erwerbslosen. Warum ist das so? Lesen Sie hierzu meinen Kommentar: Das Bundesamt für Wirtschaft SECO veröffentlicht regelmässig die Arbeitslosenzahlen. Aktuell sind in der Schweiz 2,4 Prozent arbeitslos. Dabei werden aber nur diejenigen berücksichtigt, welche bei den Arbeitsvermittlungs-Zentren gemeldet sind. Alle Ausgesteuerten und diejenigen, die sich schämen, aufs RAV zu gehen, aber trotzdem einen Job suchen, verschwinden aus der Statistik. Ich werde den Verdacht nicht los, dass das SECO unerfreuliche Tatsachen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ein wenig schönschminken möchte. Viel aussagekräftiger sind hingegen die Zahlen über die Erwerbslosenquote, die das Bundesamt für Statistik regelmässig veröffentlicht. Diese lassen sich auch international vergleichen. Der Anteil der Erwerbslosen an der erwerbstätigen Bevölkerung lag im ersten Quartal 2019 bei 4,9 Prozent. Aktuell sind 243'000 Menschen erwerbslos. Im europäischen Vergleich steht die Schweiz bezüglich Erwerbslosigkeit heute schlechter da als Österreich, Bulgarien, Estland, Slowenien, Rumänien, Grossbritannien, Malta, Ungarn, Polen, Holland, Deutschland und Tschechien. So etwas wäre früher – vor der Einführung der Personenfreizügigkeit – undenkbar gewesen. 4,9 Prozent der möglichen Berufstätigen haben also keine Arbeit in unserem Land. 1991 waren 79'000 Personen erwerbslos. Im Jahr 2007 – also 5 Jahre nach der Einführung der Personenfreizügigkeit mit den 15 ersten EU-Staaten – hatte es bereits 180'000 erwerbslose Personen, davon 105'000 Schweizer. Und jetzt haben wir 243'000 Erwerbslose, davon 114'000 Ausländer. 63'000 stammen aus der EU/EFTA-Staaten, 51'000 aus Drittstaaten. Und dies bei guter Konjunktur. Man kann nur erahnen, wie rasch die Erwerbslosenquote weiter explodieren wird, sobald sich die Wirtschaft wieder abkühlt. Noch vor einigen Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass die Schweiz bezüglich Produktivitätswachstum pro Kopf auf dem zweitletzten Platz in Europa liegt, gerade noch vor Italien. Personenfreizügigkeit sei Dank!
Mit freundlichen Grüssen aus den Sümpfen von Bern Thomas Matter |