Amundi: Globale Hochzinsanleihen - Zuversicht, aber keine Euphorie Mittwoch, 26. Februar 2020 - 14:15
GLOBALE HOCHZINSANLEIHEN: FEBRUAR 2020 | |
Kenneth J. Monaghan, Co-Director of High Yield bei Amundi kommentiert, dass die Suche nach Rendite das Geschehen an den Bond-Märkte weiterhin prägt. Seit Jahresbeginn befinden sich die Märkte im Tauziehen zwischen einer sich stabilisierenden Konjunktur mit positiven Impulsen durch das Pase-1-Handelsabkommen zwischen den USA und China und negativen Folgen für die Weltwirtschaft infolge der Ausbreitung des Coronavirus. Nach der Rückkehr zu einer lockeren Zinspolitik in den USA sind die Bewertungen allerdings heute weniger attraktiv als noch vor einem Jahr. 2019 sind die Aktienmärkte sehr gut gelaufen und die Obligationen-Spreads zusammengelaufen. Auch wenn ausreichend Liquidität zur Verfügung steht, ist Vorsicht angebracht, da sich dies bei einer wirtschaftlichen Verschärfung schnell ändern könnte.
In diesem Umfeld sollten High-Yield-Anleger 2020 vier Kernthemen beachten:
1. Die Suche nach Rendite ist weiterhin das Mantra für Bond-Anleger
2. Notenbanken: mehr Freund als Feind, Anleger sollten aber nicht zu viel erwarten
3. Ausfallraten sind bislang gut – alternative Szenarien müssen beobachtet werden
4. US-Wahl: Verwerfungen auf Sektor- und Emittenten-Niveau sind möglich
Der Appetit von Anlegern auf High-Yield-Obligationen ist nach wie vor gross. Unternehmen können sich weiterhin zu geringen Kosten finanzieren, so dass die Ausfallraten unter ihrem historischen Durchschnitt bleiben. So liegt die Rendite einer US-Anleihe mit BB-Rating derzeit bei etwa 3.8 %, bei einem Unternehmen mit B-Rating unter 5.5%, also etwa 25/30 Basispunkte unter ihren Höchstständen Ende Januar. Wer 2020 in High-Yield-Anlagen investiert, sollte beim Aufbau eines Portfolios folgendes beachten. 1. Regional diversifizieren Dieses Jahr ist die regionale Allokation für die Portfoliokonstruktion und Alpha-Generierung entscheidend. Im Vergleich zu den USA und Europa lieferten Papiere aus Schwellenländern 2019 die höchsten Renditen, auch wenn der Unterschied bei weniger als 35 Basispunkten lag. Es ist ungewöhnlich, dass eine Region zwei Jahre hintereinander die beste Rendite erzielt. Aber mit der höchsten Rendite und der längsten Laufzeit könnte dies für die Emerging Markets der Fall sein. Vorausgesetzt die Wirtschaft zieht weiter an und die lockere Geldpolitik bleibt erhalten. Eine hohe regionale Diversifikation ermöglicht es Anlegern, von den unterschiedlichen Dynamiken im Wirtschafts- und Kreditzyklus zu profitieren und zusätzlich verschiedene Sektoren und Bonitäten zu nutzen. Interessant ist, dass die drei Märkte USA, EU und Emerging Markets unterschiedliche Ausfallsraten aufweisen. Wenn man die letzten 15 Jahre betrachtet, zeigt sich, dass die USA nur während der Finanzkrise eine Verschlechterung des weltweiten und nicht nur des nationalen Hochzinsmarktes auslösten. 2012-13 wurde der Euro-High-Yield-Markt von der Eurokrise beeinflusst. Er blieb dagegen in den Jahren 2016-17 weitgehend immun gegen den Anstieg der Ausfallraten in den USA und den Schwellenländern aufgrund der Straffung der Fed-Politik und der Herausforderungen im Energiesektor. Ein diversifizierter und aktiver Ansatz nutzt also regionale Faktoren wie die EZB-Politik, unterschiedliche Branchenrisiken, das geringere Energie-Exposure in Europa im Vergleich zu den USA und die unterschiedliche Konjunkturentwicklung. Der Hochzinsmarkt in Schwellenländern und Europa ist seit 2000 erheblich gewachsen, wodurch sich das Anlageuniversum und damit die Chancen erweitert haben. Vor zwanzig Jahren entfielen auf die USA mehr als 80 % des globalen Markts. Heute liegt der US-Anteil bei weniger als 60 %. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Schwellenländer im gleichen Zeitraum von etwa 12 % auf fast 30 % erhöht. 2. Fokus auf Research, Corporate Governance und Liquidität Auch wenn das Coronavirus derzeit die Konjunkturentwicklung einzutrüben droht, könnte sich das Wachstum im Jahresverlauf wieder leicht beschleunigen. Wir erwarten nur einen geringen Anstieg der Ausfallraten, die voraussichtlich unter ihrem historischen Durchschnitt bleiben sollten. Wenn die Ausfälle stabil bleiben, sehen wir keinen Grund, in die Defensive zu gehen und das Segment mit BB-Rating überzugewichten. Die Märkte sind jedoch nahe an ihren Allzeithochs. Die Volatilität hat bereits etwas zugenommen. Daher könnte ein höheres Engagement in Anleihen mit CCC-Rating zu riskant sein. Wir sehen gute Möglichkeiten für die Auswahl von Wertpapieren im B-Segment. Es gilt, idiosynkratische Risiken zu meiden, die im Falle schlechterer Kreditvergabestandards oder einer sich abschwächenden Wirtschaft steigen. In Europa bieten Papiere sowohl mit BB-Ratings als auch B-Ratings im Vergleich zu entsprechenden US-Papieren erstklassige Kreditspreads und damit relative Chancen. In den USA ist der Energiesektor zu einem chronischen Problem auf dem Hochzinsmarkt geworden, mit dem höchsten Anteil an Ausfallraten und dem grössten Anteil notleidender Kredite aller Branchen. In einer spätzyklischen Phase steigen die Abwärtsrisiken. Ein Research-getriebener Ansatz mit Einzelanalysen der Unternehmen ist somit erforderlich. Darüber hinaus wird die Integration von ESG-Kriterien im Hochzinsmarkt eine zentrale Herausforderung in den nächsten Jahren sein. Die dritte Säule - die Governance - wird von Vermögensverwaltern bereits seit einiger Zeit umgesetzt. Die Idee dahinter: Gläubiger müssen wie Aktionäre denken, um alle Risiken einschätzen zu können. Da eine schwache Governance zu grossen Unternehmensverlusten führen könnte - wie beispielsweise bei Boeing - wird eine verstärkte Prüfung von ESG-Themen erforderlich sein. Auch die Portfolio-Liquidität muss sorgfältig überwacht werden. Nach der Finanzkrise haben sich die Banken in den Vereinigten Staaten zurückgezogen, und das zu einer Zeit, in der der Kreditmarkt erheblich an Umfang zugenommen hat, insbesondere im weniger liquiden Hochzinssegment. Die Liquidität der Kreditmärkte ist ein Schlüsselfaktor für Investmententscheidungen. Die finanziellen Puffer müssen stark genug sein, um im Falle von Marktverwerfungen eingesetzt werden zu können.“
Weitere Informationen erhalten Sie hier: Investment Insights Blue Paper, H1 2020.
Rechtliche Hinweise: Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 26.02.2020. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen. |
