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Bundesbank-Projektionen: Aufschwung verschiebt sich etwas - Inflationsrate bleibt zunächst erhöht, sinkt allmählich in Richtung 2 Prozent Montag, 20. Dezember 2021 - 12:02

17.12.2021  Pressenotiz  Deutsche Bundesbank EN

Die deut­sche Wirt­schaft er­lei­det im Win­ter­halb­jahr pan­de­mie­be­dingt einen Rück­schlag, nimmt im Früh­jahr 2022 aber wie­der kräf­tig Fahrt auf. „Der Auf­schwung ver­schiebt sich zeit­lich etwas nach hin­ten“, sagte Bun­des­bank­prä­si­dent Jens Weid­mann an­läss­lich der ak­tu­el­len Pro­jek­tio­nen sei­ner In­sti­tu­ti­on. Auf­grund der Wachs­tums­del­le steigt das Brut­to­in­lands­pro­dukt den Vor­aus­schät­zun­gen zu­fol­ge in die­sem Jahr um 2,5 Pro­zent und damit we­ni­ger stark als im Juni er­war­tet. In den kom­men­den bei­den Jah­ren ver­stär­ke sich das Wirt­schafts­wachs­tum ka­len­der­be­rei­nigt auf 4,2 be­zie­hungs­wei­se 3,2 Pro­zent.

Wäh­rend laut der Bun­des­bank-Pro­jek­tio­nen pan­de­mie­be­ding­te Ein­schrän­kun­gen sowie Lie­fer­eng­päs­se bei Vor­pro­duk­ten das Wachs­tum im Win­ter­halb­jahr brem­sen, legt ab dem kom­men­den Früh­jahr der pri­va­te Kon­sum er­heb­lich zu. Dabei wird un­ter­stellt, dass pan­de­mie­be­ding­te Ein­schrän­kun­gen dann weit­ge­hend ent­fal­len. Die wäh­rend der Pan­de­mie ge­bil­de­ten Er­spar­nis­se der pri­va­ten Haus­hal­te dürf­ten zum Teil zu­sätz­lich aus­ge­ge­ben wer­den. „Die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher wer­den eine Zeit lang mehr von ihrem ver­füg­ba­ren Ein­kom­men aus­ge­ben als noch vor der Pan­de­mie“, er­läu­ter­te Weid­mann. Zudem wird an­ge­nom­men, dass sich die Lie­fer­eng­päs­se bis Ende 2022 auf­lö­sen. Die Fach­leu­te der Bun­des­bank gehen daher davon aus, dass vor allem die Ex­por­te vor­über­ge­hend einen star­ken Schub er­hal­ten. „Der kräf­ti­ge Auf­schwung hat zur Folge, dass die ge­samt­wirt­schaft­li­chen Ka­pa­zi­tä­ten schon ab der zwei­ten Hälf­te des kom­men­den Jah­res wie­der über­durch­schnitt­lich aus­ge­las­tet sein wer­den“, er­klär­te der Bun­des­bank­prä­si­dent.

Deut­li­che Auf­wärts­re­vi­si­on der In­fla­ti­ons­pro­gno­se

Die Bun­des­bank-Pro­jek­tio­nen für die In­fla­ti­ons­ra­te lie­gen durch­ge­hend deut­lich höher als noch im Juni er­war­tet. Für die­ses Jahr wird mit einer In­fla­ti­ons­ra­te von 3,2 Pro­zent ge­rech­net (ge­mes­sen am Har­mo­ni­sier­ten Ver­brau­cher­preis­in­dex). Der An­stieg gehe nicht nur auf seit län­ge­rem be­kann­te Son­der­ef­fek­te wie die aus­ge­lau­fe­ne Sen­kung der Um­satz­steu­er­sät­ze oder die Ein­füh­rung von CO2-Emis­si­ons­zer­ti­fi­ka­ten zu­rück. Das all­ge­mei­ne Preis­ni­veau sei auch des­halb so kräf­tig ge­stie­gen, weil die Roh­stoff­prei­se für En­er­gie auf den in­ter­na­tio­na­len Märk­ten über­ra­schend stark an­ge­zo­gen hät­ten. Au­ßer­dem wür­den Un­ter­neh­men hö­he­re Kos­ten auf­grund der Lie­fer- und Trans­por­t­eng­päs­se auf die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher über­wäl­zen und zu­sätz­lich bei star­ker Nach­fra­ge die Ge­winn­mar­gen aus­wei­ten. Im Durch­schnitt des kom­men­den Jah­res dürf­te die In­fla­ti­ons­ra­te auf­grund die­ser Ein­flüs­se noch wei­ter auf 3,6 Pro­zent stei­gen, ob­wohl dann Son­der­ef­fek­te, vor allem der mit der Um­satz­steu­er ver­bun­de­ne, ent­fal­len.

Erst wenn diese Ein­flüs­se im Jahr 2023 nach­las­sen, sinkt die In­fla­ti­ons­ra­te nach Ein­schät­zung der Bun­des­bank-Fach­leu­te wie­der. Mit 2,2 Pro­zent blei­be sie aber auch in den Jah­ren 2023 und 2024 ver­gleichs­wei­se hoch. Die Grün­de dafür seien deut­lich stei­gen­de Löhne, die gute Kon­junk­tur­la­ge, aber auch die Kos­ten, die der Umbau zu einer kli­ma­neu­tra­len Wirt­schaft ver­ur­sa­che. „Für die In­fla­ti­ons­ra­te über­wie­gen wie im Eu­ro­raum ins­ge­samt die Auf­wärts­ri­si­ken“, sagte der Bun­des­bank­prä­si­dent. „Die Geld­po­li­tik soll­te diese Ri­si­ken nicht igno­rie­ren und wach­sam blei­ben.“

Staats­fi­nan­zen: Kri­sen­las­ten lau­fen zügig aus

Die Pro­jek­ti­on konn­te die fi­nanz­po­li­ti­schen Vor­ha­ben der neuen Bun­des­re­gie­rung noch nicht be­rück­sich­ti­gen. In dem Ba­sissze­na­rio einer un­ver­än­der­ten Fi­nanz­po­li­tik sinkt so­wohl die staat­li­che De­fi­zit- als auch die Schul­den­quo­te zügig. Dies liegt daran, dass sich die Wirt­schaft kräf­tig er­holt und Kri­sen­hil­fen aus­lau­fen. Damit könn­te der Staats­haus­halt ab dem Jahr 2023 etwa aus­ge­gli­chen sein und die Schul­den­quo­te wie­der nahe 60 Pro­zent lie­gen. Mit den neuen fi­nanz­po­li­ti­schen Vor­ha­ben dürf­te die Fis­kal­po­li­tik aber wohl ex­pan­si­ver aus­fal­len als bis­her ver­an­schlagt.

Pro­jek­ti­on De­zem­ber 2021

Veränderung ggü. Vorjahr in %

2020

2021

2022

2023

2024

Reales BIP, kalenderbereinigt

-4,9

2,5

4,2

3,2

0,9

Reales BIP, unbereinigt

-4,6

2,5

4,1

3,0

0,9

Harmonisierter Verbraucherpreisindex

0,4

3,2

3,6

2,2

2,2

Harmonisierter Verbraucherpreisindex
ohne Energie und Nahrungsmittel

0,7

2,2

2,3

1,8

2,1

Quelle: Statistisches Bundesamt. Jahreswerte für 2021 bis 2024 eigene Projektionen.

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