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Bundesbank Monatsbericht: Inflationsrate bleibt überraschend hoch Montag, 21. Februar 2022 - 12:11

Frühling am Hamburger HafenMonatsbericht: Inflationsrate bleibt überraschend hoch

21.02.2022

Laut ak­tu­el­lem Mo­nats­be­richt der Bun­des­bank hat die Omi­kron-Va­ri­an­te die deut­sche Wirt­schaft noch im Griff. Im Un­ter­schied zu den vor­an­ge­gan­ge­nen Wel­len der Pan­de­mie dürf­te dabei nicht nur der Dienst­leis­tungs­sek­tor durch Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Virus und Ver­hal­tens­an­pas­sun­gen be­ein­träch­tigt wer­den. Viel­mehr könn­ten zudem Ar­beits­aus­fäl­le die Wirt­schafts­leis­tung merk­lich dämp­fen, und zwar auch in an­de­ren Be­rei­chen. Folg­lich dürf­te die deut­sche Wirt­schafts­leis­tung im Win­ter­quar­tal 2022 aber­mals spür­bar zu­rück­ge­hen, so die Ein­schät­zung der Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten.

Wirt­schafts­aus­blick nur wenig un­güns­ti­ger als er­war­tet

Die wirt­schaft­li­chen Aus­sich­ten seien je­doch gut. „An­ge­sichts der sehr guten Nach­fra­ge­si­tua­ti­on dürf­te die deut­sche Wirt­schaft im Früh­jahr wie­der kräf­tig Fahrt auf­neh­men, so­fern das Pan­de­mie­ge­sche­hen ab­ebbt und die Lie­fer­eng­päs­se wei­ter nach­las­sen“, heißt es in dem Be­richt. Po­si­ti­ve Im­pul­se gin­gen dabei von der In­dus­trie aus. Hier zeich­ne sich eine wei­te­re Ent­span­nung bei den Lie­fer­eng­päs­sen ab, und die Nach­fra­ge nach In­dus­trie­pro­duk­ten sei nach wie vor hoch. „Damit stellt sich der Wirt­schafts­aus­blick aus heu­ti­ger Sicht trotz der er­höh­ten Be­las­tun­gen durch die Pan­de­mie und die hohe Teue­rung nur wenig un­güns­ti­ger dar als in den Pro­jek­tio­nen vom De­zem­ber 2021 er­war­tet“, schluss­fol­gern die Fach­leu­te. Zwar dürf­te die Zu­wachs­ra­te des Brut­to­in­lands­pro­dukts im Jahr 2022 spür­bar nied­ri­ger aus­fal­len, das grund­le­gen­de Auf­wärts­sze­na­rio der deut­schen Wirt­schaft stehe aber nicht in­fra­ge.

Am Ar­beits­markt habe die jüngs­te Welle der Pan­de­mie kaum Spu­ren hin­ter­las­sen. Die Be­schäf­ti­gung habe sich wei­ter er­holt und die Ar­beits­lo­sig­keit sowie der Ein­satz von Kurz­ar­beit seien durch­aus er­heb­lich ge­sun­ken. „Für das Win­ter­quar­tal las­sen die Früh­in­di­ka­to­ren trotz der ak­tu­ell hohen In­fek­ti­ons­dy­na­mik nur eine ver­gleichs­wei­se milde Delle am Ar­beits­markt er­war­ten“, heißt es in dem Be­richt.

Ver­brau­cher­prei­se stei­gen wei­ter­hin au­ßer­or­dent­lich kräf­tigEinfuhr-, Ausfuhr-, Erzeuger- und VerbraucherpreiseDie Ver­brau­cher­prei­se hier­zu­lan­de sind zum Jah­res­be­ginn 2022 aber­mals kräf­tig ge­stie­gen. Und das, ob­wohl ein Son­der­ef­fekt weg­fiel, der die In­fla­ti­on im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr nach oben ge­trie­ben hatte. So hatte die Bun­des­re­gie­rung den Mehr­wert­steu­er­satz im zwei­ten Halb­jahr 2020 für ein hal­bes Jahr ver­rin­gert, um die wirt­schaft­li­chen Fol­gen der Co­rona­kri­se ab­zu­fe­dern und die Wirt­schaft wie­der an­zu­kur­beln. Da­durch wurde die In­fla­ti­ons­ra­te im zwei­ten Halb­jahr 2021 er­höht. Denn die Rate gibt die Ver­än­de­rung des Ver­brau­cher­preis­in­dex zum Vor­jahr an, in denen die Prei­se durch die Mehr­wert­steu­er­sen­kung deut­lich nied­ri­ger waren. Trotz des Weg­falls die­ses so­ge­nann­ten Mehr­wert­steu­er-Ba­sis­ef­fekts sei die In­fla­ti­ons­ra­te aber nur ver­gleichs­wei­se wenig zu­rück­ge­gan­gen, und zwar von 5,7 Pro­zent im De­zem­ber auf 5,1 Pro­zent im Ja­nu­ar, schrei­ben die Fach­leu­te in dem Be­richt. Dabei hätte sich ins­be­son­de­re En­er­gie auf­grund deut­li­cher Ta­rif­er­hö­hun­gen für Gas und Strom stark ver­teu­ert. Auch die Prei­se für an­de­re Kom­po­nen­ten des Har­mo­ni­sier­ten Ver­brau­cher­preis­in­dex seien auf brei­ter Basis ge­stie­gen. Ein Trend, der sich fort­set­zen könn­te: „In den kom­men­den Mo­na­ten dürf­te der Preis­auf­trieb vor dem Hin­ter­grund der deut­li­chen Teue­rung auf den Vor­leis­tungs­stu­fen wei­ter­hin hoch blei­ben“, heißt es in dem Be­richt. Auf die­sen vor­ge­la­ger­ten Stu­fen ginge der Preis­druck von pan­de­mie­be­ding­ten Lie­fer­eng­päs­sen sowie ge­stie­ge­nen Trans­port­kos­ten und hö­he­ren Roh­stoff­prei­sen aus.

Stei­gen­de Ver­brau­cher­prei­se sind dem Be­richt zu­fol­ge kein deut­sches Phä­no­men. Die hohen En­er­gie­prei­se hät­ten we­sent­lich dazu bei­ge­tra­gen, dass sich der welt­wei­te An­stieg der Ver­brau­cher­prei­se noch­mals ver­stärk­te. Der Preis­auf­trieb habe dabei in vie­len In­dus­trie­län­dern an Brei­te ge­won­nen. „Ur­säch­lich hier­für war, bei zu­gleich leb­haf­ter Nach­fra­ge, der hohe Kos­ten­druck, der zu­nächst vor allem von den Preis­stei­ge­run­gen auf den vor­ge­la­ger­ten Pro­duk­ti­ons­stu­fen und für Trans­port­leis­tun­gen aus­ging.“ Dar­über hin­aus habe sich in ei­ni­gen In­dus­trie­län­dern be­reits der Lohn­an­stieg ver­stärkt. „Vor die­sem Hin­ter­grund straff­ten viele No­ten­ban­ken ihren geld­po­li­ti­schen Kurs oder stell­ten dies zu­min­dest in Aus­sicht“, so die Fach­leu­te der Bun­des­bank.

Wirt­schaft­li­che Ef­fek­te eines hö­he­ren Min­dest­lohns

Im ak­tu­el­len Mo­nats­be­richt gehen die Fach­leu­te auch auf mög­li­che wirt­schaft­li­che Fol­gen der ge­plan­ten An­he­bung des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns auf 12 Euro je Stun­de ein, die für Ok­to­ber 2022 ge­plant ist. Die­ser be­läuft sich seit dem 1. Ja­nu­ar 2022 auf 9,82 Euro je Stun­de und wird ab Juli 10,45 Euro be­tra­gen. „Die­ser po­li­ti­sche Ein­griff in die Lohn­fin­dung würde die Ver­diens­te in den un­te­ren Ent­gelt­grup­pen spür­bar an­he­ben und auch auf die dar­über lie­gen­den Lohn­seg­men­te merk­lich aus­strah­len“, schrei­ben die Fach­leu­te hier­zu. Ihren Be­rech­nun­gen zu­fol­ge wird die Lohn­sum­me durch die An­he­bung im kom­men­den Herbst um 0,8 Pro­zent höher lie­gen.

Auswirkungen der Mindestlohnanhebung auf 12 Euro*)Abweichungen von der Basislinie in %

Position

2023

2024

Bruttolöhne und -gehälter1)

+ 0,84

+ 0,89

Arbeitsvolumen

- 0,29

- 0,19

Reales BIP

+ 0,02

- 0,01

HVPI

+ 0,06

+ 0,14

*) Basierend auf einer Simulation mit dem makroökonome-trischen Modell und unterstellter Mindestlohnerhöhung zum 1. Oktober 2022.
1) Inkl. modellendogener Rückkopplungseffekte. Je Arbeitnehmerstunde.

Wenn man die his­to­ri­schen Be­zie­hun­gen zu­grun­de lege, seien die ge­samt­wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen der An­he­bung wohl über­schau­bar, so die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten. Im ge­gen­wär­ti­gen Um­feld hoher In­fla­ti­ons­ra­ten sei al­ler­dings nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich die hö­he­ren Löhne in stär­ke­rem Aus­maß in den Prei­sen nie­der­schla­gen. Den Be­rech­nun­gen zu­fol­ge wür­den die Ver­brau­cher­prei­se auf­grund der hö­he­ren Lohn­kos­ten nach und nach stei­gen. Im Jah­res­durch­schnitt 2024 dürf­ten sie rund ein­ein­halb Zehn­tel Pro­zent über der Ba­sis­li­nie lie­gen, nach vier Jah­ren dürf­ten sie etwa ein Vier­tel Pro­zent höher lie­gen. Als Ba­sis­li­nie nah­men die Fach­leu­te hier­bei die zu­letzt er­stell­ten ge­samt­wirt­schaft­li­chen Pro­jek­tio­nen der Bun­des­bank an. Das BIP steigt den Be­rech­nun­gen zu­fol­ge zu­nächst ge­ring­fü­gig. Die­ser ge­rin­ge po­si­ti­ve Ef­fekt, der durch die ge­stie­ge­ne in­län­di­sche Nach­fra­ge aus­ge­löst wird, werde aber schon bald ge­dämpft. Denn die hö­he­ren in­län­di­schen Pro­duk­ti­ons­kos­ten ver­rin­ger­ten die preis­li­che Wett­be­werbs­fä­hig­keit, wo­durch die Ex­por­te sin­ken. Dies kom­pen­sie­re den po­si­ti­ven Ef­fekt.


Monatsberichtsaufsatz

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