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Deutsche Bundesbank: Russischer Angriff schwächt wirtschaftliche Erholung erheblich Montag, 21. März 2022 - 12:08


Ölplattform am AbendRussischer Angriff schwächt wirtschaftliche Erholung erheblich

21.03.2022

Die wirt­schaft­li­che Lage habe sich im 1. Quar­tal 2022 vor der In­va­si­on Russ­lands trotz der Omi­kron-Welle zu­nächst bes­ser dar­ge­stellt als er­war­tet, schreibt die Bun­des­bank in ihrem ak­tu­el­len Mo­nats­be­richt. Die Um­sät­ze im Ein­zel­han­del sowie im Gast­ge­wer­be hät­ten sich im Ja­nu­ar etwas von dem kräf­ti­gen Rück­gang im De­zem­ber er­ho­len kön­nen. Zudem seien die Ma­te­ri­al­eng­päs­se wei­ter zu­rück­ge­gan­gen, wor­auf­hin die Pro­duk­ti­on in der In­dus­trie auch auf­grund der nach wie vor hohen Nach­fra­ge zu­le­gen konn­te. Die Stim­mung in der deut­schen Wirt­schaft hat sich laut ifo In­sti­tut im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar breit­flä­chig auf­ge­hellt und die Schutz­maß­nah­men gegen die Pan­de­mie wür­den schritt­wei­se ge­lo­ckert.

Deut­lich schwä­che­re Er­ho­lung im zwei­ten Quar­tal er­war­tet

Die Aus­wir­kun­gen des An­griffs Russ­lands auf die Ukrai­ne dürf­ten die wirt­schaft­li­che Ak­ti­vi­tät in Deutsch­land ab März je­doch spür­bar be­las­ten, heißt es in dem Be­richt wei­ter. Die Pro­ble­me in den Lie­fer­ket­ten dürf­ten sich wie­der ver­stär­ken. Au­ßer­dem seien die Prei­se für En­er­gie­roh­stof­fe mas­siv ge­stie­gen. Dies werde den Kon­sum der pri­va­ten Haus­hal­te und die Pro­duk­ti­on en­er­gie­in­ten­si­ver In­dus­tri­en vor­aus­sicht­lich dämp­fen. Hinzu kämen ab­seh­ba­re Be­ein­träch­ti­gun­gen des Au­ßen­han­dels sowie er­höh­te Un­si­cher­heit. „Die für das zwei­te Vier­tel­jahr an­ge­leg­te star­ke Er­ho­lung dürf­te aus heu­ti­ger Sicht deut­lich schwä­cher aus­fal­len“, schrei­ben die Fach­leu­te. Das Aus­maß der Aus­wir­kun­gen des Kon­flikts sei je­doch sehr un­ge­wiss und vom wei­te­ren Fort­gang der Ge­scheh­nis­se ab­hän­gig.

Be­schäf­ti­gung legt zu Jah­res­be­ginn kräf­tig zu

Die po­si­ti­ve Ent­wick­lung am Ar­beits­markt sei zu Jah­res­be­ginn durch die Omi­kron-Welle nicht er­kenn­bar be­ein­träch­tigt wor­den. „Die Be­schäf­ti­gung wuchs im Ja­nu­ar sai­son­be­rei­nigt sogar aus­ge­spro­chen kräf­tig“, so die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten. Mit einem Plus von 80.000 Per­so­nen ge­gen­über dem Vor­mo­nat sei die Zu­nah­me etwas stär­ker ge­we­sen als in den Mo­na­ten des zwei­ten Halb­jah­res 2021. Die re­gis­trier­te Ar­beits­lo­sig­keit habe sich im Fe­bru­ar sai­son­be­rei­nigt wei­ter spür­bar um 33.000 Per­so­nen ver­min­dert. „Die Ar­beits­lo­sen­quo­te sank um 0,1 Pro­zent­punk­te auf 5,0 Pro­zent und er­reich­te damit wie­der das aus­ge­spro­chen nied­ri­ge Vor­kri­sen­ni­veau“, schreibt die Bun­des­bank.

Prei­se für Rohöl und Erd­gas stei­gen sprung­haft

Der seit Län­ge­rem an­hal­ten­de An­stieg der in­ter­na­tio­na­len Roh­öl­prei­se ver­stärk­te sich nach An­ga­ben der Bun­des­bank nach dem rus­si­schen Ein­marsch in die Ukrai­ne ab Ende Fe­bru­ar noch­mals sprung­haft. Ein Fass der Sorte Brent habe zwi­schen­zeit­lich 134 US-Dol­lar ge­kos­tet und damit über 37 Pro­zent mehr als vor dem 24. Fe­bru­ar 2022. Seit­dem hät­ten die Prei­se etwas nach­ge­ge­ben und lägen zum Ab­schluss des Be­richts bei 111 US-Dol­lar. Die Prei­se für Erd­gas hät­ten nach einem Höchst­stand von über 240 Euro pro Me­ga­watt­stun­de zu­letzt bei 105 Euro ge­le­gen und damit 22 Pro­zent über dem Ni­veau vor Kriegs­be­ginn.

In­fla­ti­ons­ra­te steigt im Fe­bru­ar wei­ter an

Die Ver­brau­cher­prei­se ge­mes­sen am Har­mo­ni­sier­ten Ver­brau­cher­preis­in­dex (HVPI) seien im Fe­bru­ar er­neut kräf­tig um 0,6 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­mo­nat ge­stie­gen. Hier spie­le die rus­si­sche In­va­si­on al­ler­dings noch keine Rolle, da die Preis­er­he­bung üb­li­cher­wei­se in den ers­ten drei Wo­chen eines Mo­nats er­fol­ge, er­klä­ren die Fach­leu­te. Die In­fla­ti­ons­ra­te habe 5,5 Pro­zent ge­gen­über dem Vor­jahr be­tra­gen und läge damit um 0,4 Pro­zent­punk­te höher als im Ja­nu­ar. Mit Aus­nah­me der Dienst­leis­tun­gen sei bei allen Kom­po­nen­ten ein stär­ke­rer Preis­auf­trieb zu be­ob­ach­ten. „Auf­grund des Krie­ges in der Ukrai­ne dürf­te die In­fla­ti­ons­ra­te in den nächs­ten Mo­na­ten noch etwas wei­ter stei­gen, was ins­be­son­de­re den En­er­gie­prei­sen ge­schul­det sein dürf­te“, schrei­ben die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten. Al­ler­dings lasse sich die wei­te­re Ent­wick­lung an den En­er­gie­märk­ten be­son­ders schwer ein­schät­zen. Sie er­war­ten zudem zu­sätz­li­chen Auf­trieb der Prei­se für Nah­rungs­mit­tel und In­dus­trie­gü­ter. Grund dafür seien der Ein­bruch der Wei­zen­ex­por­te aus der Ukrai­ne und Russ­land be­zie­hungs­wei­se neue Stö­run­gen der Lie­fer­ket­ten.


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