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Bundesbank: Krieg gegen die Ukraine: Energieembargo könnte deutsche Wirtschaft deutlich schwächen Freitag, 22. April 2022 - 12:43

22.04.2022

Potenzielle BIP-Verluste in Deutschland infolge des Krieges in der UkraineIn ihrem jüngs­ten Mo­nats­be­richt ana­ly­siert die Bun­des­bank an­hand von Sze­na­rio­rech­nun­gen, wel­che ge­samt­wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen eine wei­te­re Es­ka­la­ti­on des Krie­ges gegen die Ukrai­ne haben könn­te. Kon­kret un­ter­stel­len die Fach­leu­te, dass der Han­del mit Russ­land ein­schlie­ß­lich der En­er­gie­im­por­te bis auf Wei­te­res ein­ge­stellt wird und es dann neben Preis­ef­fek­ten auch zu einer Ra­tio­nie­rung des En­er­gie­ein­sat­zes kom­men könn­te. Kurz­fris­tig könn­te das reale Brut­to­in­lands­pro­dukt (BIP) in Deutsch­land in die­sem Fall bis zu 5 Pro­zent nied­ri­ger aus­fal­len als in der März-Pro­gno­se der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) an­ge­legt. Im Ver­gleich zum Vor­jahr würde das reale BIP um knapp 2 Pro­zent zu­rück­ge­hen.In­fla­ti­on könn­te län­ge­re Zeit höher aus­fal­lenPotenzielle Effekte auf die HVPI-Rate in Deutschland infolge des Krieges in der UkraineDen Bun­des­bank-Fach­leu­ten zu­fol­ge würde sich auch der Preis­an­stieg noch­mals er­heb­lich ver­stär­ken. In dem be­trach­te­ten Sze­na­rio könn­te die In­fla­ti­ons­ra­te in Deutsch­land 2022 um 1½ Pro­zent­punk­te und 2023 um 2 Pro­zent­punk­te höher lie­gen als in der EZB-Pro­gno­se ver­an­schlagt. Als Haupt­grund dafür nen­nen sie die bei einer wei­te­ren Es­ka­la­ti­on deut­lich stei­gen­den En­er­gie­prei­se. Auch 2024 dürf­te die Teue­rungs­ra­te noch er­höht sein, al­ler­dings nicht mehr so stark. Ins­ge­samt über­wie­gen laut Bun­des­bank bei der In­fla­ti­on die Auf­wärts­ri­si­ken, da mög­li­cher­wei­se Preis­stei­ge­run­gen auf nach­ge­la­ger­ten Pro­duk­ti­ons­stu­fen oder Lohn­er­hö­hun­gen stär­ker aus­fal­len könn­ten.

Die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten be­to­nen, dass alle Er­geb­nis­se an­ge­sichts der kom­ple­xen Pro­blem­la­ge er­heb­li­chen Un­si­cher­hei­ten un­ter­lä­gen. Die er­mit­tel­ten Ent­wick­lun­gen könn­ten, vor allem für das BIP, so­wohl über- als auch un­ter­zeich­net sein, war­nen sie.

Erd­gas­prei­se dürf­ten am stärks­ten stei­gen

Die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten nut­zen für ihre Si­mu­la­tio­nen meh­re­re ma­kro­öko­no­mi­sche Mo­del­le, um so den ver­schie­de­nen As­pek­ten und Wir­kungs­ka­nä­len des be­trach­te­ten Sze­na­ri­os Rech­nung zu tra­gen. Mit­hil­fe die­ser Mo­del­le haben sie un­ter­sucht, wie sich eine hy­po­the­ti­sche wei­te­re Es­ka­la­ti­on des Kon­flikts auf die Wirt­schaft in Deutsch­land und im Eu­ro­raum aus­wir­ken könn­te. Für den Fall eines En­er­gie­em­bar­gos gegen Russ­land durch wich­ti­ge Ab­neh­mer­län­der sei davon aus­zu­ge­hen, dass die Prei­se für Rohöl, Erd­gas und Kohle deut­lich zu­le­gen. Der Preis für ein Fass Rohöl der Sorte Brent könn­te auf über 170 US-Dol­lar stei­gen. „Am stärks­ten dürf­ten die Erd­gas­prei­se in Eu­ro­pa an­zie­hen, da rus­si­sche Lie­fe­run­gen kurz­fris­tig nur schwer zu er­set­zen sind“, schreibt die Bun­des­bank. Bei sons­ti­gen Roh­stof­fen wäre ins­ge­samt mit mo­de­ra­te­ren Preis­auf­schlä­gen zu rech­nen.

Die Au­to­rin­nen und Au­to­ren füh­ren in dem Be­richt meh­re­re Fak­to­ren an, die im Zuge des Krie­ges zu BIP-Ver­lus­ten in Deutsch­land füh­ren könn­ten. So würde ein An­stieg der Roh­stoff­prei­se, der mit­tel­bar den Ein­kom­mens­spiel­raum der pri­va­ten Haus­hal­te schmä­lert, das Wachs­tum er­heb­lich schwä­chen. Dar­über hin­aus würde die Aus­lands­nach­fra­ge, und damit die deut­schen Ex­por­te, deut­lich zu­rück­ge­hen. Der drit­te Fak­tor sei die er­höh­te Un­si­cher­heit, die die ge­werb­li­chen In­ves­ti­tio­nen sowie den pri­va­ten Kon­sum drü­cke. Die ein­be­zo­ge­nen fis­ka­li­schen Maß­nah­men wür­den nur einen klei­nen Teil die­ser Ver­lus­te auf­fan­gen, so die Fach­leu­te. „Al­ler­dings ist davon aus­zu­ge­hen, dass es in einem sol­chen Sze­na­rio über die be­rück­sich­tig­ten und die in­zwi­schen zu­sätz­lich ge­plan­ten staat­li­chen Maß­nah­men hin­aus zu wei­te­ren fis­ka­li­schen Stüt­zungs­maß­nah­men kom­men dürf­te, um den ne­ga­ti­ven Ef­fekt auf das BIP stär­ker ab­zu­fe­dern“, heißt es im Be­richt.

En­er­gie­ra­tio­nie­rung bei voll­stän­di­gem Em­bar­go

Hinzu komme, dass der ab­rup­te Aus­fall rus­si­scher En­er­gie­lie­fe­run­gen die in­län­di­sche Pro­duk­ti­on wohl er­heb­lich hem­men würde. Die Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten un­ter­stel­len in ihrer Ana­ly­se, dass sich der Ein­satz von Erd­gas, Stein­koh­le und Mi­ne­ral­öl in den be­trof­fe­nen Sek­to­ren ab dem zwei­ten Quar­tal 2022 für den Rest des Jah­res um 40 Pro­zent ver­min­dert. Zur Schwe­re des Sze­na­ri­os trage auch bei, dass an­nah­me­ge­mäß für das lau­fen­de Jahr keine Sub­sti­tu­ti­ons­mög­lich­kei­ten fos­si­ler En­er­gie­trä­ger be­stün­den.

Die­sen er­gän­zen­den Mo­dell­rech­nun­gen zu den Lie­fer­aus­fäl­len bei En­er­gie zu­fol­ge könn­te es kurz­fris­tig zu einem zu­sätz­li­chen rea­len BIP-Ver­lust von 1 Pro­zent für das lau­fen­de Jahr kom­men, wenn aus­schlie­ß­lich die Sek­to­ren der En­er­gie­pro­duk­ti­on und -ver­sor­gung von den rus­si­schen En­er­gie­lie­fe­run­gen ab­ge­schnit­ten wür­den. Soll­te der Schock zudem auch die en­er­gie­in­ten­si­ven Bran­chen di­rekt tref­fen, die ihre Pro­duk­ti­ons­an­la­gen mit fos­si­len En­er­gie­trä­gern be­feu­ern oder die En­er­gie­trä­ger als Roh­stof­fe ver­ar­bei­ten, könn­te sich der Ver­lust auf 3 ¼ Pro­zent er­hö­hen. Auch diese Rech­nun­gen seien mit hohen Un­si­cher­hei­ten be­haf­tet, unter an­de­rem da sie stark davon ab­hin­gen, ob und wann es Sub­sti­tu­ti­ons­mög­lich­kei­ten gäbe.

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