Raiffeisen : Folgenschwere Nebenwirkungen des Mietrechts Donnerstag, 08. Februar 2024 - 07:59
Folgenschwere Nebenwirkungen des Mietrechts
St.Gallen, 8. Februar 2024. Die Abschwächung der Preisdynamik am Markt für selbstgenutztes Wohneigentum hat sich gegen Ende des letzten Jahres fortgesetzt. Innerhalb von zwei Jahren hat sich das Preiswachstum mehr als halbiert, was auf eine verminderte Nachfrage seit der Zinswende zurückzuführen ist. Dennoch lassen sich auch erste Zeichen einer Stabilisierung des Abkühlungsprozesses erkennen. Das Überschreiten des Zinsgipfels hat die Verunsicherung auf Käuferseite etwas reduziert. Ob das Preiswachstum im Verlauf des Jahres in den negativen Bereich rutschen wird, steht auf Messers Schneide. Es werden deutlich mehr Objekte zum Verkauf ausgeschrieben als während der Pandemie. Dabei klaffen die Preisvorstellungen von Verkäufern und Käufern oftmals auseinander, da erstere an ihren Preisvorstellungen festhalten. Dies manifestiert sich in einer höheren Insertionsdauer sowie einer spürbar abnehmenden Zahl von tatsächlichen Handänderungen. «Mit den gestiegenen Zinsen haben die finanziellen Anreize Eigentum zu erwerben abgenommen, denn Kaufen ist derzeit teurer als Mieten. Dieser Zustand wird sich aber wohl als ein kurzes Intermezzo entpuppen. Mit der Aussicht auf sinkende Leitzinsen ab der zweiten Jahreshälfte sowie stark steigenden Mieten dürfte der Wohnkostenvorteil im Eigenheim mittelfristig wieder zurückkehren», erklärt Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. Düstere Aussichten für Mieter Trotzdem sind bauseitig weiterhin keine Reaktionen auszumachen. «Offensichtlich sind die Investitionsperspektiven noch immer nicht ausreichend, um die herrschenden strukturellen Probleme der Wohnraumversorgung in Form von akuter Baulandknappheit und schleppender Verdichtung zu überwinden. Das Mietpreiswachstum wird auf absehbare Zeit das allgemeine Preiswachstum übersteigen, obwohl die Zinsen bereits wieder am Sinken sind», prognostiziert Fredy Hasenmaile. Einzig für die Bestandesmieter gibt es gute Nachrichten. Dank jüngst erklommenem Zinsgipfel und Aussichten auf baldige Leitzinssenkungen dürfte der Anstieg des hypothekarischen Referenzzinssatzes vom letzten Dezember der vorläufig letzte gewesen sein. Groteske Fehlallokation Mit dem erwarteten starken Wachstum der Neumieten in den nächsten Jahren wird sich die Problematik weiter verschärfen. Allein schon das heutige Optimierungspotenzial einer besseren Allokation ist riesig. Das Economic Research von Raiffeisen hält in der Immobilienstudie fest, dass wenn alle Mietwohnungen bloss ein Zimmer mehr umfassen als Personen im Haushalt leben, liesse sich ein «idealer» Flächenverbrauch von rund 38m² pro Kopf ableiten. Eine effizientere Flächenallokation würde nicht nur das Problem der Überbelegung lösen, sondern zusätzlich 170'000 Mietwohnungen à 100m² freispielen. Damit liesse sich Wohnraum für knapp eine halbe Million Menschen schaffen. Mit einer besseren Nutzung des Mietwohnungsparks könnte die sich zuspitzenden Wohnungsknappheit also weitgehend entschärft werden, ohne dass auch nur ein einziges neues Gebäude erstellt werden müsste. «In Anbetracht des gewaltigen, brachliegenden Potenzials wäre es gerade mit Blick auf ökologische und soziale Gesichtspunkte angebracht, dass einerseits die mietrechtlichen Ursachen der Fehlallokation behoben werden und andererseits mutige Überlegungen anstellt werden, wie ein sinnvoller Flächentransfer bewerkstelligt werden könnte», regt Hasenmaile an. Auskünfte: Fredy Hasenmaile Raiffeisen: zweitgrösste Bankengruppe in der Schweiz Medienmitteilung abbestellen: Attachments
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