Publiziert in: Marktpuls
Frei

Stellungnahme von gfs.bern zur Stimmbeteiligung der Jungen in der VOX-Analyse Sonntag, 13. April 2014 - 12:51

Klar, die Zahlen aus den wenigen Kantonen mit ausgezählter Stimmbeteiligung nach Alter sind bei den Jungen höher als in der VOX-Analyse. Doch sind es keine gesamtschweizerischen Angaben. Vielmehr stammen sie aus einzelnen Kantonen wie Genf oder Städten wie St. Gallen.

Das alles sind urbane Gebiete mit Universitäten. Sie kennen einen überdurchschnittlichen Anteil Personen (und Junge) mit höherer Bildung – dem wichtigsten Prädiktor für eine verstärkte politische Partizipation weltweit. Solche Gebiete repräsentieren nicht ländliche Regionen oder Regionen mit einer tieferen durchschnittlichen Schulbildung. Dort ist die Beteiligung gerade von Jungen unterdurchschnittlich. Die VOX Nachanalyse interessiert sich für die nationale Beteiligung, also für die Mischung aus Stadt und Land.

 

Solange es keine gesamtschweizerisch Statistik zur Stimmbeteiligung nach Alter (und anderen Kategorien) gibt, bleibt alles ein wenig spekulativ.

 

Die VOX-Analyse zur Volksabstimmung vom 9. Februar 2014 wies ungewichtet 31 Prozent Stimmbeteiligung bei den U30 BürgerInnen aus. Gesamthaft hatte sie aber, wie alle Umfragen zur Stimm- und Wahlbeteiligung, einen zu hohen Anteil.

Hauptgrund für dieses Overreporting ist, dass Personen, die nicht abstimmen gingen, auch nur erschwert an Umfragen dazu teilnehmen. Die Vox-Analyse mit drei Vorlagen ist ein Interview über 20 Minuten Dauer, das verstärkt diese Tendenz noch zusätzlich. Deshalb werden die Angaben zur Stimmbeteiligung gewichtet, sodass sie gesamthaft stimmen. Bei den U30 entstand auf diesem Weg die Zahl von 17 Prozent.

 

Das Verfahren wurde durch die VOX-Partnerschaft geprüft und implementiert, bestehend aus den Instituten für Politikwissenschaft der Universitäten Bern, Genf und Zürich, sowie gfs.bern. Es wird seit 13 Jahren in allen Nachanalysen angewandt, weil es das Beste unter den bekannten Korrekturmöglichkeiten ist. Bis jetzt hat es nie zu Klagen Anlass gegeben.

 

Die Zweifel, die jetzt aufkommen, nehmen wir ausserordentlich ernst. Verlässliche Forschungsergebnisse zu liefern, ist unser oberstes Ziel.

 

Sollte es ein Verfahren geben, dass geeigneter ist, werden wir es selbstverständlich umgehend anwenden. Bis dahin stehen wir vor dem Problem, vielleicht mit ein ungenügendes Instrument zu arbeiten, aber kein besseres zu haben.

Der einfachste Weg dafür wäre, eine nationale Eichungsmöglichkeit zu bekommen, indem das Bundesamt für Statistik die nationale Stimmbeteiligung nach Merkmalsgruppen ausweisen würde. Dann liessen sich alle Zweifel beheben, ob Kantone wie Genf gesamtschweizerisch aussagekräftig sind und Umfragen falsch liegen, oder umgekehrt.

 

Ungeachtet dessen bleibt vorerst, dass die Beteiligung nach Altersgruppen variiert, und das für die Demokratie nicht irrelevant ist.

 

Gfs.bern, 12. April 2014