Raiffeisen Ausblick 2026: Schweizer Wirtschaft hebt nicht ab Dienstag, 02. Dezember 2025 - 10:20
Ausblick 2026: Schweizer Wirtschaft hebt nicht ab
St.Gallen, 2. Dezember 2025. Die Schweizer Konjunktur war im bisherigen Jahresverlauf von der US-Zollpolitik geprägt. Vorzieheffekte bei den Exporten zur Vermeidung höherer Zölle haben das Bruttoinlandprodukt (BIP) zu Jahresbeginn kräftig gestützt. Im dritten Quartal haben sich diese Effekte zwangsläufig umgekehrt und die Wirtschaft deutlich schrumpfen lassen. Insgesamt konnte das Exportvolumen seit Jahresbeginn aber weiter gesteigert werden. Die Zölle haben insofern noch keine tiefgreifenden negativen Auswirkungen hinterlassen. Dauerhafte Strafzölle von 39 Prozent hätten jedoch zwangsläufig zu gravierenden Folgen in den betroffenen Sektoren geführt. Mit der grundsätzlichen Verständigung über ein Handelsabkommen sowie dem Absenken des «reziproken» Zollsatzes auf 15 Prozent verfügt die Schweiz nun wieder über gleichlange Spiesse wie andere wichtige Handelspartnerländer und ein grösserer Schaden für die hiesige Wirtschaft kann abgewendet werden. Gegenwind für Exportindustrie hält an Binnenkonjunktur bleibt Wachstumsstütze Der inländische Preisdruck dürfte in diesem Umfeld moderat bleiben. Ein nennenswertes Deflationsrisiko sehen die Raiffeisen-Ökonomen trotz schwächerer aber weiterhin robuster Binnennachfrage nicht. Ohne einen erneuten Aufwertungsschub beim Franken dürfte auch die importierte Deflation im kommenden Jahr auslaufen. Für 2026 wird insgesamt ein leichter Anstieg der Jahresinflationsrate von +0,2 Prozent auf +0,5 Prozent erwartet. Damit zeigt die Preisentwicklung in die von der SNB gewünschte Richtung. «Entsprechend gering ist der Handlungsbedarf der Nationalbank, den Leitzins weiter zu senken, zumal die Hürde für eine Rückkehr zu Negativzinsen ihren eigenen Aussagen zufolge viel höher liegt als für Zinssenkungen im positiven Bereich. Wir gehen deshalb bis Ende des nächsten Jahres von einem unveränderten Leitzins von 0,0 Prozent aus», erklärt Fredy Hasenmaile. Arbeitsmarkt hat das Schlimmste überstanden Die anhaltende Abkühlung am Arbeitsmarkt ist nach Einschätzung der Raiffeisen-Ökonomen keine Nebenwirkung der US-Zölle, sondern hauptsächlich eine Folge der jahrelangen europäischen Industrieflaute. Der seit längerem anhaltende Gegenwind hält die Auslastung vieler Industriebetriebe niedrig. Mit der Zeit wurde ein Personalabbau daher unvermeidlich. Über längere Zeit konnte eine solide Nachfrage nach Arbeitskräften im Dienstleistungssektor den Rückgang der Industriebeschäftigung mehr als kompensieren. Während in den staatsnahen Dienstleistungsbranchen der Beschäftigungsaufbau anhält, ist die Nachfrage in den konjunktursensitiveren Dienstleistungssektoren mittlerweile ebenfalls deutlich zurückgegangen. Die Raiffeisen-Ökonomen sehen nach der vorläufigen Einigung im Zollstreit gute Chancen, dass sich der Abbau von Industriearbeitsplätzen nicht weiter beschleunigt. Vielmehr ist zu erwarten, dass sich die Industrienachfrage stabilisiert und der Stellenabbau im nächsten Jahr schrittweise zurückgeht. Auch die Beschäftigungsnachfrage im Dienstleistungssektor sollte dadurch nicht stärker in Mitleidenschaft gezogen werden. Zwar könnte sich der Anstieg der Arbeitslosigkeit kurzfristig fortsetzen, im Verlauf des nächsten Jahres dürfte er jedoch nachlassen und schliesslich auslaufen. «Die Arbeitslosenrate in der Schweiz wird voraussichtlich auf einem Niveau von unter 3,5 Prozent verbleiben. Die Arbeitsplatzsicherheit dürfte dadurch noch etwas weiter erodieren, allerdings nicht so stark, um den Konsum wesentlich zu beeinträchtigen», so Hasenmaile. Auskünfte: Fredy Hasenmaile, Chefökonom Raiffeisen Schweiz Raiffeisen: zweitgrösste Bankengruppe in der Schweiz Attachments
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