Raiffeisen: Kaum Alternativen zu Schuldentrend und Frankenstärke Mittwoch, 18. März 2026 - 08:05
| ||||
Kaum Alternativen zu Schuldentrend und Frankenstärke
St.Gallen, 18. März 2026. Angesichts der weltweit wachsenden Staatsschulden und der steigenden Zinskosten wird die Tragfähigkeit vieler öffentlicher Haushalte zunehmend infrage gestellt – nicht zuletzt an den Finanzmärkten. Ein Schuldenabbau durch kräftiges Wirtschaftswachstum und strikte Ausgabendisziplin erscheint derzeit unrealistisch. Wahrscheinlicher ist, dass Regierungen auf tiefere Realzinsen setzen, um so die Schuldenlast schrittweise zu entwerten. In diesem Umfeld rückt die Schweiz als fiskalpolitische «Musterschülerin» noch stärker in die Rolle des sicheren Hafens, was den Aufwertungsdruck auf den Franken weiter erhöht. Gleichzeitig zeigt sich die Schweizer Exportwirtschaft bemerkenswert widerstandsfähig. Wie eine vertiefte Betrachtung der Ökonomen von Raiffeisen Schweiz zeigt, offenbaren sich jedoch deutliche Branchenunterschiede. Die Frankenstärke verstärkt dadurch die Konzentration auf wenige Schlüsselbranchen. Gefangen im Schuldenpfad «Wachstum allein wird das globale Schuldenproblem nicht lösen, und eine harte Sparpolitik ist politisch schwer durchsetzbar. Darum dürfte in vielen Ländern die finanzielle Repression – also die Entlastung des Staatshaushalts auf Kosten der Sparerinnen und Sparer – in den kommenden Jahren zunehmen», erklärt Fredy Hasenmaile, Chefökonom von Raiffeisen. In der Schweiz verläuft die Entwicklung deutlich günstiger. Seit der Jahrtausendwende ist hierzulande die Schuldenquote dank der Schuldenbremse kontinuierlich gesunken. Während die langfristigen Zinsen in vielen Ländern stark gestiegen sind, gehört die Schweiz zu den wenigen Staaten, in denen die Kapitalmarktzinsen zuletzt sogar rückläufig waren. Risiko eines noch stärkeren Strukturwandels steigt In diesem Basisszenario gewinnt die Schweizer Währung als Kaufkraftanker international weiter an Stärke und bringt die Schweizerische Nationalbank in eine schwierige Situation. Negativzinsen und Deviseninterventionen waren lange bevorzugte Instrumente, werden wegen ihrer Nebenwirkungen aber nur noch zurückhaltend eingesetzt. Andere Optionen wie eine bewusst höhere Staatsverschuldung, Eingriffe in den Kapitalverkehr, eine gezielte Inflationspolitik oder sogar der Verzicht auf währungspolitische Eigenständigkeit gelten als noch unwahrscheinlicher. Eine überzeugende Lösung zeichnet sich derzeit nicht ab, und eine vertiefte öffentliche Diskussion über die Risiken einer weiteren Frankenaufwertung fehlt bislang. Schweizer Exportwirtschaft trotzt der Frankenstärke Gleichzeitig hat die anhaltende Frankenstärke zu einem spürbaren Strukturwandel geführt. Wechselkursresistentere Branchen wie Chemie, Pharma und die Präzisionsindustrie bauen ihren Anteil an den Gesamtexporten weiter aus, während preissensitive Sektoren wie Maschinenbau, Metall, Glas und Textilien an Bedeutung verlieren. Diese Verschiebung im Exportmix macht die Schweizer Exportwirtschaft zunehmend weniger anfällig gegenüber Wechselkursschwankungen. Wachsende Branchenkonzentration erhöht Risiko «Die Schweiz profitiert von ihrer Spezialisierung, macht sich dadurch aber auch verletzlicher. Ein branchenspezifischer Schock hätte heute weitaus grössere volkswirtschaftliche Auswirkungen als noch vor zehn Jahren», betont Hasenmaile. Sicherer Hafen in einer hochverschuldeten Welt Für die Exportunternehmen bleibt der starke Franken ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Umso wichtiger ist es, eine klare Strategie zum Umgang mit diesem Währungsrisiko zu verfolgen. Effektive Absicherungsstrategien können die Risiken kurzfristiger Währungsschwankungen wirksam reduzieren und schaffen für die Unternehmen Planungssicherheit. Diese ist wiederum Voraussetzung dafür, dass Schweizer Unternehmen den Fokus auf die langfristige Sicherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit legen können. Download und weitere Informationen Auskünfte: Fredy Hasenmaile, Chefökonom Raiffeisen Schweiz Fotos: Raiffeisen: zweitgrösste Bankengruppe in der Schweiz Attachments
|

