Die Idee entstand im Rahmen der gross angelegten Forschungsinitiative «Mining the Atmosphere». Dort untersuchten Empa-Forschende aus den Teams von Sandra Galmarini, Dirk Hegemann und Dorina Opris sowie Manfred Heuberger verschiedene ultradünne Beschichtungen und führten erste Strömungs- und Prozesssimulationen durch. Die Resultate zeigten: Eine schnelle Aufnahme von CO₂ könnte prinzipiell möglich und konkurrenzfähig sein. Allerdings fehlen bisher die experimentellen Möglichkeiten, um die entscheidenden Prozesse in Sekundenbruchteilen tatsächlich zu messen. Im Zentrum steht deshalb zunächst die Entwicklung einer neuartigen Messplattform. Mit ihr wollen die Forschenden erstmals verfolgen, wie schnell CO₂ an ultradünnen Schichten gebunden und wieder freigesetzt wird. «Anhand dieser Daten wollen wir zeigen, ob wir auf genug CO₂ pro Volumen und Zeiteinheit kommen, um mit aktuellen Technologien mithalten zu können», sagt Galmarini. Während sich Dirk Hegemann der Funktionalisierung der Oberflächen mittels Plasmabeschichtung widmet, ist eine Testanlage letztlich essenziell. Mit ihr sollen unter anderem die Stabilität der Dünnschichten über viele Zyklen hinweg sowie Dichtungen und Druckzonen bei hohen Rotationsgeschwindigkeiten untersucht werden.
Neben der Geschwindigkeit sehen die Empa-Forschenden weitere Vorteile. Dünn beschichtete Oberflächen benötigen weniger Material und lassen sich einfacher austauschen als heutige hochspezialisierte Adsorbermaterialien. Zudem könnte die rotierende Bewegung des beschichteten Materials selbst dazu beitragen, Luft zu transportieren und damit den Energieaufwand für Ventilatoren verringern. Auch ist der Ansatz laut Hegemann als modularer Baukasten gedacht: «Statt solche Anlagen immer grösser und technisch komplexer zu bauen, könnten viele kleinere Einheiten kombiniert werden.» Galmarini ergänzt: «Heutige Technologien machen vor allem in grossen Anlagen Sinn. Mit unserem Ansatz hätten wir auch die Möglichkeit, kleinere und somit flexiblere Anlagen zu betreiben.»
Obwohl noch vieles offen ist, sehen die Forschenden grosses Potenzial. Ziel ist letztlich nicht nur die CO₂-Abscheidung, sondern eine gesamtheitliche Prozesskette ganz im Sinne von «Mining the Atmosphere», um aus eingefangenem Kohlenstoff wieder verwertbare Materialien und Chemikalien herzustellen.