Die Messungen machten aber auch einzelne Abweichungen sichtbar. Während der Fahrt erwärmten sich Orangen in der Mitte des Lastwagens stärker als vom Empa-Modell vorhergesagt: Ihre Temperatur stieg von rund 7,7 auf bis zu 10,8 Grad, obwohl die Kühlluft deutlich kälter war. «Wir vermuteten, dass sich neben den betroffenen, überwachten Paletten ungenügend vorgekühlte Paletten befanden, die nicht mit Sensoren versehen waren», erklärt Tobler.
In einer zweiten Berechnung erhöhten die Forschenden deshalb deren angenommene Ausgangstemperatur von rund 5,4 auf 10 Grad. Daraufhin stimmte die simulierte Temperaturentwicklung wesentlich besser mit den realen Messwerten überein. «In der Simulation konnten wir nachvollziehen, wie die Wärme von einer Palette zur nächsten übertragen und mit der Luftströmung weitertransportiert wurde. Damit stützte das Modell unsere Hypothese», so die Empa-Forscherin.
Zudem wurde ersichtlich, dass die Kühlanlage eines Lastwagens nur begrenzt in der Lage ist, bereits warme Früchte im Innern einer dicht beladenen Palette nachträglich herunterzukühlen. Kühlaggregate sind in erster Linie dazu ausgelegt, die Temperatur vorgekühlter Ware zu halten. Werden Früchte zu warm verladen, beeinflussen sie während des Transports auch benachbarte Paletten.
Eine entscheidende Rolle spielt zudem die Verpackung. Im untersuchten Transport verfügten die Zitronenkisten auf mehreren Seiten über Lüftungsöffnungen, während bei den Orangenkartons die kurzen Seiten geschlossen waren. «Bei einer Verpackung zählt nicht nur, wie sie aussieht oder wie stabil sie ist», sagt Tobler. «Sie muss auch Kühlluft zur Ware durchlassen. Ebenso wichtig ist, dass die Paletten gleichmässig ausgerichtet sind und die Öffnungen nicht durch benachbarte Kartons blockiert werden.»