Es braucht einen neuen politischen Kompass, damit die Weltwirtschaft
aus dem Schatten der Großen Finanzkrise heraustreten kann. Für eine
Rückkehr zu einem nachhaltigen und ausgewogenen Wirtschaftswachstum sind
Anpassungen erforderlich, und zwar sowohl in Bezug auf die aktuelle
Kombination der Maßnahmen als auch in Bezug auf den politischen
Handlungsrahmen.
Die Weltwirtschaft wies im vergangenen Jahr ermutigende
Entwicklungen auf, die missliche Lage seit der Krise ist aber noch nicht
überwunden (Kapitel III). Die Investitionen sind weiterhin verhalten,
ungeachtet eines aggressiven und allgegenwärtigen Renditestrebens - mit
Volatilität und Renditenaufschlägen nahe bei historischen Tiefständen
(Kapitel II) - und einer ungewöhnlich lockeren Geldpolitik (Kapitel V).
Die Verschuldung steigt sowohl im privaten als auch im öffentlichen
Sektor nach wie vor, während das Produktivitätswachstum seinen
langfristigen Abwärtstrend fortsetzt (Kapitel III und IV). Es ist sogar
die Rede von einer außergewöhnlich langen Stagnation. Einige Banken
haben ihre Eigenkapitalausstattung verbessert und ihre Geschäftsmodelle
neu ausgerichtet, für andere hingegen bleibt noch einiges zu tun
(Kapitel VI).
Um zu einem nachhaltigen und ausgewogenen Wachstum zurückzukehren,
muss die Politik über ihren traditionellen Fokus auf den
Konjunkturzyklus hinausgehen und eine längerfristige Perspektive
einnehmen, die den Finanzzyklus in den Vordergrund rückt (Kapitel I).
Strukturelle Schwachstellen und die Fehlallokation von Ressourcen wurden
von kräftigen Finanzbooms verschleiert, traten erst in den
nachfolgenden Abschwüngen zutage und müssen nun ernsthaft angegangen
werden. Die einzige Quelle für dauerhaften Wohlstand ist eine gestärkte
Angebotsseite. Geborgtes Geld darf nicht länger der wichtigste
Wachstumsmotor sein.
Übersicht über die Kapitel zur Wirtschaftsentwicklung
BIZ 84. Jahresbericht in Kapiteln
In der Weltwirtschaft hat es im vergangenen Jahr ermutigende
Entwicklungen gegeben. Damit ist die missliche Lage allerdings noch
nicht überwunden, da die Nachwirkungen der Großen Finanzkrise immer noch
zu spüren und die ihr zugrundeliegenden Kräfte immer noch am Werk
sind.
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Die Finanzmärkte haben besonders empfindlich auf den tatsächlichen
und den erwarteten Kurs der Geldpolitik reagiert. Das ganze Jahr über
sorgte die lockere Geldpolitik für geringe Volatilität und begünstigte
das Renditestreben.
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Das Weltwirtschaftswachstum hat sich beschleunigt. Bei einer
weltweit nach wie vor verhaltenen Inflationsentwicklung trugen zu dieser
Beschleunigung am meisten die fortgeschrittenen Volkswirtschaften bei.
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Finanzzyklen bilden die Dynamik der Wechselwirkungen ab, die
finanzielle Auf- und Abschwünge auslösen - Wechselwirkungen zwischen den
Bewertungen, dem geschätzten und dem tatsächlich eingegangenen Risiko
sowie den Finanzierungsbedingungen. Finanzzyklen dauern in der Regel
länger als traditionelle Konjunkturzyklen.
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Die Geldpolitik blieb angesichts zahlreicher bedeutender
Herausforderungen sehr locker. Erstens hatten die Zentralbanken in den
großen fortgeschrittenen Volkswirtschaften mit einer ungewöhnlich
schleppenden Erholung und Anzeichen einer nachlassenden Wirksamkeit der
Geldpolitik zu kämpfen.
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Der Finanzsektor ist seit der Krise etwas solider geworden. Banken
haben ihre Eigenkapitalausstattung wieder aufgebaut (vorwiegend über
einbehaltene Gewinne) und ihr Geschäftsmodell vielfach stärker auf das
traditionelle Bankgeschäft ausgerichtet. Allerdings haben auch viele
Banken - trotz einer Verbesserung der Rentabilität insgesamt - weiterhin
Schwachstellen in ihren Bilanzen.
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