Raiffeisen: Schweizer Wirtschaft wächst 2015 moderat Mittwoch, 07. Januar 2015 - 13:09
St.Gallen, 7. Januar 2015. Die Schweizer Wirtschaft wird im kommenden Jahr um 1.6 Prozent wachsen und so ihr Potenzial nicht vollends ausschöpfen. Der Hauptgrund liegt in der Wachstumsschwäche der Eurozone, die den globalen Wachstumsmotor etwas ins Stottern brachte. Während die USA der globalen Konjunktur einiges voraushaben, hinkt Europa dieser immer mehr hinterher. Die Schweiz fährt genau in der Mitte des weltweiten Konjunkturzuges.
Nach der Einschätzung von Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz, wird die Weltwirtschaft 2015 ungefähr gleich viel zulegen wie 2014. Allerdings bleibt Europa auch 2015 das schwächste Glied der Weltwirtschaft, was die Schweiz zusehends in Mitleidenschaft zieht. Auf Dauer kann sich auch die Schweiz nicht der europäischen Wachstumsschwäche entziehen. Zudem fehlen Impulse aus anderen Teilen der Welt, welche die schwache europäische Nachfrage kompensieren könnten. Mittlerweile hat die Schweizer Exportwirtschaft den Wechselkursschock zwar verdaut, dafür lasten nun Wachstumssorgen auf der Branche.
Sonderrolle der Geldpolitik
Im laufenden Jahr wird die Geldpolitik erneut im Fokus der Märkte stehen. Konkret werden der geldpolitische Richtungswechsel in den USA und Massnahmen der EZB die Märkte beschäftigen. Ob das die Märkte weiterhin befeuern wird, ist aber fraglich, da der Grenznutzen der Geldpolitik rapide abgenommen hat. «Dass die Ambulanz fünf Jahre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers noch immer regelmässig vorfahren muss, ist kein Erfolgsnachweis für die Währungshüter», so der Raiffeisen-Chefökonom. «Und dass auch die Schweiz in Punkto Geldmengenexpansion an vorderster Front mitspielt, ist eigentlich bedenklich. Der Kurs des Schweizer Frankens zum Euro ist aber offensichtlich nach wie vor ein politisches Tabu.»
Zinswende rückwärts
Die Zinswende, die vor einem Jahr noch irreversibel schien, wurde nochmals verschoben. Vor allem die nicht vorhersehbaren geopolitischen Verwerfungen und der europäische Konjunkturschwächeanfall haben die Langfristrenditen wieder in Richtung historischer Tiefstände bewegt. Nachlassende Deflationssorgen dürften auch in Europa eine Bodenbildung bei den Langfristzinsen begünstigen. Für die Schweiz prognostizieren die Ökonomen der Genossenschaftsbank einen Anstieg der Rendite für 10-jährige Anleihen der Eidgenossenschaft auf knapp unter 1 Prozent (0.9 Prozent) in 12 Monaten. Am kurzen Ende erwartet Raiffeisen keinen Zinsschritt der SNB im 2015, obwohl ein solcher trotz Euroanbindung nicht zwingend ausgeschlossen werden kann. Damit dürfte das günstige monetäre Umfeld auch 2015 Bestand haben.
Unspektakuläres Konjunkturbild?
Die Prognose der Verwendungsseite des Bruttoinlandproduktes der Schweiz für 2015 weist keinen einzigen Ausreisser aus. Alle Zuwachsraten sind positiv. Die Exporte wachsen mit knapp über 2 Prozent zwar bescheiden, aber am stärksten. Der Bau legt mit einem Prozent real am wenigsten zu. Angesichts der überlasteten Kapazitäten ist das aber eine nicht ganz unwillkommene Entwicklung. Das sechste Jahr in Folge wird gemäss den Ökonomen von Raiffeisen Schweiz keine einzige BIP-Verwendungskomponente ein negatives Vorzeichen ausweisen. Der Aufschwung ist zwar wenig spektakulär, dafür aber breit und sehr gleichmässig verteilt, was die Raiffeisen-Ökonomen als klares Plus werten. Sie halten insbesondere fest, dass die Exporte seit 2010 stets zulegen konnten, was oft untergeht, wenn vom hohen Aussenwert des Schweizer Frankens die Rede ist.
Keine Inflation, keine Deflation
Die Deflationssorgen in der Eurozone und in der Schweiz hält Neff für übertrieben. Der jüngste Rückgang sei faktisch allein dem Einbruch der Rohölnotierungen geschuldet und damit vorübergehender Natur. Für das ganze Jahr hochgerechnet erwartet Raiffeisen Schweiz 2015 eine ähnliche Entwicklung wie 2014, sprich Preisniveaustabilität und nicht Deflation. Ein Crash der Immobilienpreise sei ausgesprochen unwahrscheinlich. Schon jetzt würden die Konturen des Softlandings immer sichtbarer und dies sei nach wie vor das Hauptszenario von Raiffeisen. Die beste Nachricht lautet aber: Es herrscht hierzulande auch 2015 nahezu Vollbeschäftigung. Die Schweiz bleibt folglich die grüne Insel in Europa.
Medienorientierung
Heute ab 10.00 Uhr präsentiert Martin Neff seine Perspektiven zur Schweiz und der Weltwirtschaft im Clouds, Zürich.
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Raiffeisen: Drittgrösste Bankengruppe in der Schweiz
Die Raiffeisen Gruppe ist die führende Schweizer Retailbank. Die dritte Kraft im Schweizer Bankenmarkt zählt 3,7 Millionen Kundinnen und Kunden. Davon sind 1,8 Millionen Genossenschafter und somit Mitbesitzer ihrer Raiffeisenbank. Die Raiffeisen Gruppe ist an 1'025 Orten in der ganzen Schweiz präsent. Die 305 rechtlich autonomen und genossenschaftlich organisierten Raiffeisenbanken sind in der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft zusammengeschlossen. Diese hat die strategische Führungsfunktion der gesamten Raiffeisen Gruppe inne. Die Notenstein Privatbank AG ist eine Tochtergesellschaft der Raiffeisen Schweiz Genossenschaft. Die Raiffeisen Gruppe verwaltete per 30.06.2014 Kundenvermögen in der Höhe von 192 Milliarden Franken und Kundenausleihungen von 155 Milliarden Franken. Der Marktanteil im Hypothekargeschäft beträgt 16,5 Prozent, im Sparbereich 18,7 Prozent. Die Bilanzsumme beläuft sich auf 183 Milliarden Franken.
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